Koh Lipe: Das Ende eines Traums

Ich sitze auf der Fähre von Koh Lipe nach Koh Lanta. Hinter mir liegen vier Nächte auf Thailands südlichster Insel. Sie gehörte lange zu meinen Lieblingszielen in Südostasien. Doch mein dritter Besuch wird wohl mein Letzter gewesen sein.

Koh Lipe und der Massentourismus

Um meine Enttäuschung zu erklären, muss ich ein paar Jahre zurückgehen, und zwar in den Winter 2006/07. Damals war ich zum zweiten Mal in Thailand. Nach den klassischen Einsteiger-Zielen Krabi, Phuket, Koh Samui und Koh Phangan war Koh Lipe mein erster Ausflug der etwas exotischeren Art. Auch wenn die Insel schon damals nicht mehr unberührt war, so war sie zumindest noch immer abseits der ausgetretenen Pfade, wie es so schön heißt.

In bin alleine von Bangkok nach Hat Yai gepflogen, dort von der Taxi-Mafia ordentlich abgezockt aber immerhin zum Hafen von Pakbara gebracht worden. Und wenig später befand ich mich schließlich auf dem Boot nach Koh Lipe.

Paradies für sieben Euro die Nacht

Dort angekommen war ich restlos begeistert. Für rund sieben Euro bekam ich am Sunset Beach einen Bungalow in der ersten Reihe am Strand. Vom Balkon waren es nur etwa 15 Meter Entfernung, bis ich im Wasser kleine Nemofische beobachten konnte. Das Wetter war traumhaft, das Essen auch, und unter der überschaubaren Anzahl an Touristen herrschte eine sehr offene und freundliche Stimmung. Koh Lipe war vielleicht nicht das Paradies auf Erden, aber es war meins.

Damals gab es auf der Insel keine Straßen, fast keine motorisierten Fahrzeuge und lediglich abends ein paar Stunden Strom. Dass es in der Dusche nur kaltes Wasser gab, und die Toilette lediglich ein Loch im Boden war, machte das Ganze für mich damals nur noch cooler. Ich genoss die Zeit an den tollen Stränden, im glasklaren Wasser und der wild wuchernden Natur.

Unter meinem Moskitonetz kam ich mir ein wenig wie Robinson Crusoe vor. Abends trank ich in Jack´s Jungle Bar bewusst ein Bier mehr, um mich auf dem Heimweg – ein schmaler Trampelpfad durch den Wald – nicht vor wilden Tieren zu fürchten. Wie gesagt, es war es mein erster Urlaub außerhalb touristischer Zentren.

Die Tage dort waren unvergesslich, und als ich die Insel verlies, hatte ich Tränen in den Augen, weil es so schön gewesen war.

Die Rückehr

Drei Jahre später kam ich zurück. Dieses Mal schlief ich am Pattaya Beach auf der anderen Seite in etwas besseren Bungalows, und es gab sogar schon die Walking Street, eine vom Strand weggehende Einkaufsstraße. Trotzdem war es schön.

Zwar war die Insel rund um Silvester sehr gut besucht, doch sie hatte immer noch ihren Charme. Und beim Schnorcheln an den Korallenriffen in der Umgebung war es leicht, das Hier und Jetzt zu vergessen.

Dieses Jahr war ich zum dritten Mal da.

Auweia.

Natürlich war mir vorher klar, dass sich die touristische Entwicklung fortgesetzt haben musste. Was mich schockierte, war das Ausmaß.

Koh Lipe: teuer und laut

Aus der Backpacker-Insel von einst ist eine völlig überlaufene und überteuerte hochpreisige Touristenhochburg geworden.

In der schönen Bucht am Pattaya Beach verschandeln drei große Bootsanleger, die aussehen wie havarierte Öltanker, den Ausblick auf das Meer.

Der Strand ist so voll mit Ausflugsbooten, dass du an einigen Stellen überhaupt nicht mehr ins Wasser kommst. Mit unfassbarem Lärm knattern die Longtail-Boote morgens auf das Meer hinaus und kommen in den Nachmittagsstunden zurück.

Am Strand haben sich teuere Resorts breitgemacht, zum Teil über 4.000 Baht wird hier für eine Nacht genommen. In Bau befindet sich bereits die (mindestens) dritte Anlage mit eigenem Swimmingpool. Noch vor wenigen Jahren gab es hier keinen Einzigen.

Das Hinterland ist durchsetzt von Straßen und Wegen. Immer mehr Autos und Motorräder sind unterwegs. Das Inselinnere, dort wo früher der Dschungel war, ist eine einzige Baustelle. Ein Müllproblem ist sichtbar.

 

Die Strände Sunrise Beach und Sunset Beach sind zwar noch deutlich ruhiger. Doch auch hier wird immer mehr gebaut und die Preise klettern.

Ich weiß, das alles ist der Lauf der Dinge an schönen Orten. Und ich bin der Letzte, der sich beschweren darf. Schließlich ziehe ich selbst immer öfter einen komfortablen Bungalow einer baufälligen Hütte vor. Und mit jedem Blogbeitrag mit tollen Fotos sorge ich selbst dafür, dass noch mehr Touristen dorthin fahren.

Aber ich habe auch nicht grundsätzlich ein Problem mit touristischen Orten. So fahre ich zum Beispiel immer noch gerne nach Koh Samui, wo bisweilen der Eindruck entsteht, Tourismus sei dort erfunden worden. Traumstrände gibt es nicht exklusiv, und das ist auch gut so.

Aber bei Koh Lipe ging es mir einfach zu schnell. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus einem kleinen Paradies ein Treffpunkt des Massentourismus. Die Stufe der Unterkünfte im mittleren Preissegment wurde glatt übersprungen. Luxusanlagen ersetzen Holzbungalows.

Thailand vermarktet die Insel gnadenlos. Wenn alles fertig ist, wird vom alten Koh Lipe nicht mehr viel übrig geblieben sein. Die Insel ist dann zwar immer noch schön, aber einfach nichts Besonderes mehr.

Schade.

P.S.: Ich rate nicht grundsätzlich davon ab, nach Koh Lipe zu fahren. Hier habe ich einen Koh-Lipe-Guide veröffentlicht und die Insel einmal genauer vorgestellt. Kann gut sein, dass es dir dort trotzdem gefällt, vor allem wenn du in der Nebensaison fährst. Nur für mich ist es halt nichts mehr.

Zudem gibt es weitere Artikel über Schnorcheln rund um Koh Lipe und die nah gelegene Insel Koh Tarutao.

P.P.S: Die Foto-Auswahl in diesem Artikel war nicht ganz gerecht, es gibt auch schönere Bilder aus diesem Jahr:

Hattest du das auch schon mal, dass du zu einem Ort zurückgekommen bist und total enttäuscht warst?

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