Elefantentourismus in Thailand – zwei zwanglose Alternativen

Thailand und Elefanten – ein schwieriges Thema. So faszinierend die riesigen Dickhäuter auch sind, von den meisten konventionellen Touristen-Angeboten sollte Abstand genommen werden. Für die Tiere sind diese mit vielen Qualen verbunden. Doch es gibt auch empfehlenswerte Alternativen wie den Elephant Nature Park Chiang Mai und Elephant Haven Kanchanaburi.

Elefanten gehören zu Thailand wie die weißen Sandstrände zu den Golfinseln oder die dampfenden Garküchen auf Bangkoks Bürgersteige. Ob als Monument in Tempelanlagen oder Namensgeber für thailändisches Bier: Wenn man nach Thailand reist, ist es fast unvermeidbar, auf die grauen Dickhäuter (Thai: »Chang«) zu treffen.

Elefantentourismus boomt

In Thailand leben derzeit noch rund 5.000 asiatische Elefanten – davon befinden sich etwas mehr als die Hälfte in Freiheit. Die andere Hälfte wurde noch bis in die 90er Jahre als Arbeitstier, vornehmlich zur Waldarbeit, eingesetzt und nach einer Gesetzesänderung nun weitestgehend dem Tourismus zugeführt.

Elefantentourismus in Thailand boomt. In fast jeder Stadt, die gut für Urlauber zu erreichen ist, wurden uns auf unseren Reisen Attraktionen mit Elefanten angeboten: Meist kann man nicht nur auf den Tieren reiten oder ihnen bei der Vorführung diverser Kunststücke zusehen, sondern sie auch anfassen. Insbesondere mit jungen Elefanten wird häufig in Städten gebettelt.

Wer glaubt, dass es den Tieren dabei gar nicht so schlecht geht (sie sind wohlgenährt und machen äußerlich einen gepflegten Eindruck), irrt sich: Elefanten sind Wildtiere, deren Dressur nur mit körperlicher Gewalt erzwungen werden kann. Durch die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit – Ketten sind keine Seltenheit – erleiden die sensiblen Tiere in der Gefangenschaft meist Qualen. Viele zeigen angesichts der ständig auf sie einprasselnden Sinnesreize zudem schwere Verhaltensauffälligkeiten. Dabei gibt es in Thailand genügend Alternativen, wie man Elefanten nahekommen kann, ohne diese Art des Elefantentourismus zu unterstützen. Hier möchten wir dir zwei Elefantencamps vorstellen, die man ohne ein schlechtes Gewissen besuchen kann.

Elephant Nature Park – Der Gnadenhof im Norden Thailands

Der Elephant Nature Park (ENP) liegt rund 60 Kilometer von Chiang Mai entfernt. Der Park beherbergt insgesamt 24 Elefanten, die die Gründerin Lek Chailert aus dem konventionellen Elefantentourismus befreit hat und ihnen nun ein behütetes Leben ohne Zwang geben möchte. Auch ehemalige Arbeitstiere und – bspw. durch Wilderei – verletzte Tiere finden hier einen Gnadenhof.

Der Park bietet den Tieren ein riesiges Areal. Durchtrennt wird das Gelände von einem Fluss, der bei Besuchern und Elefanten gleichermaßen für die nötige Erfrischung sorgt. Der ENP ist umgeben vom dunklen Grün des anliegenden Dschungels, Berge ragen zu allen Seiten hervor: eine wunderschöne und idyllische Landschaft, die an sich schon einen Ausflug wert wäre.

Die Tiere erwartet hier ein entspanntes Leben. Es gibt mehrere Elefantenfamilien, die sich auf dem Areal weitestgehend frei bewegen und nur nachts in vorgesehene Gehege gebracht werden.

Jeder Elefant hat einen eigenen Betreuer, einen so genannten Mahout, der für dessen Pflege verantwortlich ist. Die Beziehung zwischen Elefant und Mahout ist in der Regel über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen. Bei unserem Besuch wurde erklärt, dass Lek Chailert einigen Mahouts und ihren Familien, die auch Eigentümer der Elefanten sind, eine Unterkunft im ENP anbietet und diese so für den Ausfall ihrer bisherigen Einkommensquelle entschädigt.

Der Tag im Elephant Nature Park (ENP)

Übernachtest du zuvor in Chiang Mai, holt dich ein Fahrer vom ENP mit den für Thailand typischen Minibussen direkt an der Unterkunft ab und fährt dich zum Park. Auf der Fahrt werden dir Videos zu den bisherigen Geschichten der Elefanten, die nun im Park leben, gezeigt.

Außerdem lernst du einige Regeln, die es im Kontakt mit den Elefanten zu beachten gilt. Im Park angekommen, wirst du einem Guide zugeordnet, der während deines Besuches dein Ansprechpartner ist und dir alles zum Park und den Elefanten erklären kann.

Mittelpunkt des ENP ist eine Plattform, von der aus du die Tiere gut beobachten und sie mehrmals am Tag füttern kannst. Mit Guide begleitest du die Tiere außerdem zu Fuß quer durch den Park, beobachtest ihr Sozialverhalten oder schaust ihnen beim Baden im Fluss zu. Du bereitest das Futter für die Tiere vor und fütterst sie während des Aufenthalts auch jenseits der Plattform.

Auch wenn jeder Elefant von einem Mahout beaufsichtigt wird, können die Tiere hier selbst entscheiden, wo sie hingehen möchten, was sie fressen wollen oder ob sie baden möchten, oder nicht.

Wenn du wie wir im Park übernachtest, schläfst du in einer Holzhütte in direkter Nähe zu den Elefanten (übrigens: Wer von deren morgendlichen Trompeten geweckt wird, verpasst kein Frühstück mehr!). Die Holzhütten sind komfortabel, soweit es im Dschungel Komfort geben kann.

Wasser und Strom können schon mal auf sich warten lassen, sofern sie gerade zur Versorgung der Elefanten benötigt werden: Das alles gehört aber zur ganz außergewöhnlichen Atmosphäre des Parks und macht deutlich, wie hier die Prioritäten gesetzt sind.

Der Elephant Nature Park gilt als Vorreiter des alternativen Elefantentourismus in Thailand und will mit der Initiative »Saddle off!« vor allem die Reitcamps davon überzeugen, dass es sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht lohnt, umzudenken. Schließlich ist die Zielgruppe des ENP eine andere als jene der konventionellen Elefantenattraktionen – und auch dazu bereit, den vergleichsweise höheren Eintrittspreis zu zahlen.

Der Park bietet außerdem eine Reihe von Volunteer-Programmen an: Neben den Elefanten gehören nämlich über 400 Hunde, zahlreiche Katzen sowie eine Wasserbüffelherde zu den Parkbewohnern. Auch sie wollen verpflegt werden.

Anreise und Kosten Elephant Nature Park

Innerhalb des Zentrums von Chiang Mai wird man per Minibus zum Park abgeholt und auch später wieder zur Unterkunft zurückgebracht. Je nachdem, welchen Trip du buchst, zahlt du 2.500 bis 5.800 thailändische Baht (also rund 67 bis 155 Euro).

Das rein vegetarische Essen in Buffetform und Getränke wie Tee und Wasser sind im Preis enthalten, weitere Snacks und Getränke kann man im Park kaufen.

Elephant Haven in Kanchanaburi

Wer nicht vorhat, in den Norden Thailands zu reisen, hat dennoch die Möglichkeit, glückliche Elefanten zu treffen. Rund drei Stunden Autofahrt von Bangkok entfernt, liegt Kanchanaburi, bekannt vor allem für die historische Bahnbrücke über den Fluss Kwai. Aber auch als Ausgangspunkt für Touren in den Erawan Nationalpark.

In Kanchanaburi gibt es zudem den Elephant Haven Park, der sich am „Saddle Off!“-Programm des ENP in Chiang Mai beteiligt hat. Das ehemalige Reitcamp bietet den Dickhäutern nun ein entspanntes Leben und kümmert sich liebevoll um die Tiere.

Der Elephant Haven ist deutlich kleiner als der ENP, beherbergt entsprechend auch weniger Elefanten, die in einer Familie zusammenleben. Damit ist der Elephant Haven aber nicht weniger attraktiv. Denn auch dieser Park befindet sich in einer idyllischen Lage, mitten im Dschungel, den du gemeinsam mit den Elefanten erkunden kannst.

Das Gelände grenzt an einen Fluss, den die Elefanten zum Baden nutzen. Die Tiere können sich im Gelände komplett frei bewegen und werden nicht den Touristen zuliebe zu bestimmten Aktivitäten gezwungen. So hatte bei unserem Besuch bspw. keiner der Elefanten Interesse am Schlammpool, um den sich unsere Gruppe mit gezückten Kameras positioniert hatte. Das war allerdings auch nicht weiter schlimm, so haben wir halt die Dschungelwanderung verlängert.

Das Tagesprogramm ist hier ähnlich wie im ENP: Man bereitet das Futter für die Tiere vor, füttert sie, geht mit ihnen spazieren oder schwimmen und hat viel Zeit, sie zu beobachten. Die Betreiber des Elephant Haven sind selbst auch bei allen Aktivitäten dabei, kennen ihre Tiere und beantworten geduldig alle Fragen des geneigten Tierfreundes.

Auch im Elephant Haven gibt es die Möglichkeit mehrtägiger Aufenthalte. Zur Übernachtung stehen einfache Holzhütten bereit. Wir hatten hier allerdings lediglich eine Tagestour gebucht.

Anreise und Kosten Elephant Haven

Von Bangkok empfehlen wir die Anreise mit der Bahn, die dich in etwa drei Stunden durch die Reisfelder und Plantagen der Provinz Kanchanaburi schaukelt. Taxi, Bus oder Minibus sind – je nach Verkehrslage – nur unwesentlich schneller.

Übernachtest du vorher schon in Kanchanaburi, holt der Park dich am Hotel ab und bringt dich auch später wieder dorthin zurück. Die Preise sind an den ENP angepasst worden und liegen auch hier zwischen 2.500 bis 5.800 thailändischen Baht, je nachdem, welchen Trip man bucht. Der Preis ist inklusive Mittagsbuffet und Getränken.

Elephant Nature Park und Elephant Haven – ein kritisches Fazit

Elefanten aus nächster Nähe zu erleben, hat uns bei unserer ersten Thailandreise schlicht sprachlos gemacht: Einerseits, weil es angesichts ihrer Größe und Kraft so imposante, gleichzeitig aber auch intelligente, sensible und wunderschöne Tiere sind. Anderseits, weil ihre Körper einem unmissverständlich vor Augen führen, was sie durch den Kontakt mit dem Menschen bereits erlitten haben.

In diesem Bericht haben wir bewusst vermieden, von artgerechter Haltung zu schreiben, da auch der Elephant Nature Park und Elephant Haven diese nicht leisten können. Als Besucher sollte man sich bewusst sein, dass auch die dort lebenden Tiere in Gefangenschaft leben – wenn auch in wohlbehüteter.

Auswildern ist bei ihnen nicht mehr möglich, da sie entweder körperlich nicht mehr in der Lage sind, im Dschungel zu überleben oder dies über die Jahrzehnte der »Haustierhaltung« schlicht verlernt haben.

Insofern halten wir beide Projekte als Sanctuaries für Arbeits- oder Dressurtiere für unterstützenswert, mit dem Gedanken Lek Chailerts im Hinterkopf, dass es irgendwann auch einen ENP nicht mehr braucht, wenn der Mensch den Elefanten nicht mehr domestiziert.

Text und Fotos: Maike Keulen und Roman Pauli

Maike und Roman verschlug es 2015 zum ersten Mal nach Südostasien. Seitdem sind beide süchtig nach Papaya-Salat und packen jedes Jahr aufs Neue die Rucksäcke auf der Suche nach Zielen jenseits des Pauschaltourismus.

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