Das neue alte Bangkok

Abgesehen von Tempeln prägen vor allem Wolkenkratzer das Bild von Thailands Hauptstadt. Doch es gibt auch noch eine andere, schöne Seite von Bangkok. In der Altstadt und Thonburi erstahlen viele Gebäude vergangener Zeiten in neuem Glanz. Hier findest du Tipps für einen unvergesslichen Spaziergang.

 

Vielleicht ging es dir in den letzten Jahren genauso wie mir? Beschlich dich auch eine immer größer werdende Angst um unser geliebtes Bangkok? Das Bangkok der Garküchen, der kleinen wuseligen Gassen und des architektonischen Wildwuchses aus verfallenen chinesischen Geschäftshäusern und modernen Glitzerfassaden.

Jedes Jahr wurden weitere Garküchen von der Regierung verboten, Märkte mussten Büroneubauten weichen und Straßenzug um Straßenzug wurden Opfer der Abrissbirnen. Im nächsten Jahr kratzte dann an selbiger Stelle ein weiterer gesichtsloser Wohnblock an den Wolken. Immer lauter läuteten die Totenglocken für all die zauberhaften aber verfallenen Kolonial- und Geschäftshäuser in Chintown und der Altstadt.

Nun aber sind sie plötzlich verstummt und viele der Häuser erstrahlen in neuem Glanz oder sind in freudiger Erwartung, endlich aus ihrem Dornröschenschlaf wach geküsst zu werden.

Thonburi Impressionen, Bangkok

Boote in Thonburi

 

Bangkok hat seine Seele wieder entdeckt und lässt sie neu erblühen. Bei meinem Besuch Anfang des Jahres war es eine wahre Freude entlang der Charoen Krung Road, in Thonburi oder rund um das altehrwürdige Oriental Hotel im neuen Künstlerviertel Bang Rak zu spazieren.

 

Kolonialer Glanz trifft auf junge Kunstszene in Bang rak

Ich begann meinen Spaziergang vor der Haustüre meines Hotels an der Charoen Krung Road. Das Oriental Heritage Residence hatte ich bewusst gewählt, weil es einerseits ein kleines relativ günstiges Boutique-Hotel im angesagten thai-chinesischen Stilmix ist, und andererseits wollte ich sehen, ob diese Gegend tatsächlich zum neuen Trendviertel avanciert ist.

 

TCDC im Hauptpostamt

TCDC, Bangkok

Das TCDC von außen

TCDC, Bangkok

 

Gleich nebenan liegt das beeindruckende Hauptpostamt im Art-Deco-Stil aus dem Jahr 1940. Im Inneren der altehrwürdigen Hallen befindet sich unter anderem der trendige TCDC-Co-Working-Space, ein Ort für kreative Köpfe, Ausstellungen und Events.

Der Eingang mit dem kleinen Shop, in dem du ausgefallene Souvenirs, Bücher und Designartikel findest, ist auf der linken Seite des Gebäudes. Außerdem finden hier unterschiedlichste Veranstaltungen statt. Das TCDC hat in den benachbarten Gassen und Straßen eine junge, kreative Künstlerszene angezogen.

 

Warehouse 30

Warehouse 30, Bangkok

Im Warehouse 30

Warehouse 30, Bangkok

 

Eine Soi weiter findest du eines der neuesten Architekturprojekte in einer ehemaligen Lagerhalle aus Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Im Warehouse 30 hat sich Thailands angesagtester Architekt ein weiteres Mal mit einem trendigen Projekt verwirklicht. Neben der »Jam Factory« in Thonburi hat er nun auf 4.000 Quadratmetern die verfallenen Lager in ein modernes Lifestyle-Projekt verwandelt. Der Hauptzugang ist über die Charoen Krung Soi 30, du kannst aber auch durch ein kleines Tor in der Soi 32 eintreten. In dieser Gasse gibt es zudem einige witzige großflächige Graffitis und einen lokalen Straßenmarkt.

Witzige Graffitis in Charoen Krung, Bangkok

Witzige Graffitis in Charoen Krung

Witzige Graffitis in Charoen Krung, Bangkok

Witzige Graffitis in Charoen Krung, Bangkok

 

Hinter den rostigen Schiebetoren der sieben Hallen hat er einen weiteren offenen Ort für die jungen Kreativen Bangkoks geschaffen. Das Warehouse 30 soll ein Ort der Begegnung, des Arbeitens, der Kunstszene und natürlich auch des ausgefallenen Shoppings sein. Wie überall in Bangkok ist auch für das kulinarische Wohl gesorgt.

Das Warehouse 30, Bangkok

Das Warehouse 30 – ein Ort der Begegnung

Das Warehouse 30, Bangkok

Das Warehouse 30, Bangkok

 

Old Customs House

Old Customs House, Bangkok

Das eindrucksvolle Old Customs House

Old Customs House, Bangkok

Old Customs House, Bangkok

 

Jetzt geht es zurück in der Zeit, südwärts entlang der Charoen Krung zum eindrucksvollen »Old Customs House«. Dieses wurde Ende des 19. Jahrhunderts im europäischen Stil erbaut wurde, was unter König Chulalongkorn (Rama V) zu dieser Zeit in Mode war.

Mit seiner prominenten Lage am Flussufer galt es lange als das Tor nach Thailand. Dann zog die Zollbehörde aus und später die Feuerwehr ein, was leider auch den Niedergang mit sich brachte. Seit langem gibt es Gerüchte, dass das Gebäude restauriert und als Hotel in neuem Glanz erstrahlen soll, wonach es endlich auch aussieht.

Aktuell sind die Eingänge und Fenster verbarrikadiert. Das verfallene Anwesen mit seinem morbiden Charme war schon oft Kulisse für Filme.

Old Customs House, Bangkok

Old Customs House, Bangkok

Die gut erhaltene Fassade

Old Customs House, Bangkok

 

Noch ein Stückchen flussabwärts liegt das altehrwürdige »Oriental Hotel« (hier bei Agoda*, hier bei Booking.com*). Auch wenn es dein Geldbeutel nicht erlaubt, so kannst du das Schmuckstück zumindest von außen besichtigen. Wenige Schritte weiter steht die schöne Assumption Cathedral. Die Kirche ist fast immer offen und auf jeden Fall lohnt sich ein Blick ins Innere.
Die Kathedrale, Bangkok

Die Kathedrale, Bangkok

 

Direkt am Fuss neben dem berühmten Oriental Hotel liegt das Gebäude der East Asiatic Company. Es erhält derzeit ebenfalls einen neuen Anstrich. Beide Häuser gehen auf den niederländischen Seefahrer und Geschäftsmann Hans Niels Andersen zurück.

 


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Wohnen und Essen in Bang Rak

Oldtown Hostel

Vom Warehouse 30 noch ein Stück weiter nördlich an der Charoen Krung befindet sich das Oldtown Hostel (hier bei Agoda*, hier bei Booking.com*) mit seinem stylischen Café. Das farbenfroh restaurierte »Shophouse« ist ein gutes Beispiel für die neue Szene im Viertel.

In der Soi 28 findest du eine der zahlreichen neuen Kunstgalerien.

Oldtown Hostel mit seinem stylischen Café, Bangkok

Oldtown Hostel mit seinem stylischen Café

 

Oriental Heritage Residence

Oriental Heritage Residence, Bangkok

Zimmer im Oriental Heritage Residence

Oriental Heritage Residence, Bangkok

Oriental Heritage Residence, Bangkok

Sitzecke

 

Der Name ist vielleicht etwas sperrig, aber das kleine Hotel (hier bei Agoda*, hier bei Booking.com*) ist eine geschmackvolle Perle an der Charoen Krung. Es ist ideal, wenn du ein bezahlbares Hotel mit schönen Zimmern für einen Sightseeing-Aufenthalt in guter Lage suchst.

Angemerkt sei aber, dass es kein Hotel zum Relaxen ist, da es über keinen Pool, Garten oder öffentlichen Bereich – abgesehen von dem kleinen Restaurant – verfügt.

 

Tealicious Bangkok

Im südlichen Teil der Charoen Krung in einer ruhigen Seitengasse, in der Soi 49 Soi Charoen Krung, liegt dieses schnuckelige, kleine Thairestaurant.

Es ist ein guter Ort, um dem Trubel der lauten Charoen Krung zu entfliehen. Dazu empfiehlt sich ein eine kleine Stärkung in Form von Som Tam in vielen Variationen, Gerichten aus dem Isaan, Thai-Suppen, oder aber auch einigen internationalen Gerichten.

 

Baan Padthai

Für alle Liebhaber des Nudelgerichts Pad Thai ist das Blaue Haus in der Soi 21-23 Charoen Krung 44 kurz vor der Robinson Mall ein Muss. Das Baan Padthai bietet Genuss sowohl für den Magen und für das Auge in einem sehr schön restaurierten alten Haus.

 

Der Wiederaufstieg Thonburis

Spaziergang von Wat Arun zu Wat Kalayanamit Woramahawihan

Ursprünglich wurde die Königsstadt von Ayutthaya nach Thonburi verlagert, bevor die Könige dann auf die andere Flussseite umgesiedelt sind und Thonburi in einen Dornröschenschlaf fiel.

Wenn Touristen heute nach Thonbouri kommen, dann meist nur über eine Khlong-Tour, oder um Wat Arun, das Wahrzeichen Bangkoks, zu besichtigen. Die »andere« Flussseite hat aber noch viel mehr zu bieten, vor allem wenn du das ruhigere Bangkok suchst.

 

Bei meinem Spaziergang habe ich das Expressboot zum Tha Thien Pier genommen und bin dann mit der Fähre zu Wat Arun gefahren. Dieses Bauwerk erstrahlt nach Jahren der Restaurierung endlich wieder im alten Glanz.

Ich bin aber dieses Mal nicht hineingegangen, sondern auf der linken Seite an der Mauer entlang durch die schön restaurierten Mönchsquartiere hinaus auf die Thanon Wang Dem mit ihren schnuckligen Holzhäusern.

 

Restaurierten Mönchsquartiere, Bangkok

Restaurierten Mönchsquartiere

Restaurierten Mönchsquartiere, Bangkok

Tuk Tuk, Mönchsquartiere Bangkok

Tuk Tuk

Mönchsquartiere, Bangkok

 

Hier gehst du links, kommst dann vorbei an einer Militäreinrichtung mit einem recht pompösen Tor und hältst dich dann wieder links entlang des kleinen Kanals.

Jetzt erreichst du den kleinen Tempel Wat Moli Lokayaram Ratcha, der am Khlong Bangkok Yai liegt.

Khlong Bangkok Yai, Bangkok

Boote im Khlong Bangkok Yai

Khlong Bangkok Yai, Bangkok

 

Hier führt auch eine semi-offizielle Metallbrücke über die Schleuse, die du als Abkürzung zum Nachbartempel Wat Kalayanamit Woramahawihan nehmen kannst. Obwohl dieser Tempel die, vor allem bei Chinesen hochverehrte Buddhastatue »Luang Pho To« in einem riesigen Wiharn sowie die größte Glocke Thailands beherbergt, so finden doch nur wenige Touristen den Weg hierher.

Der Tempel wurde 1825 unter Koenig Rama III erbaut und ist neben der prächtigen Buddhastatue auch ein wichtiger Ort der Lehre und Bewahrung der Geschichte.

So werden bis heute in der Bibliothek wertvolle Pali-Schriften aufbewahrt. Auf jeden Fall kannst du hier wunderbar ungestört fotografieren und den Blick auf den Fluss genießen.

Der Wat Kalaynami, Bangkok

Der Wat Kalaynami

Der Wat Kalaynami, Bangkok

Der Wat Kalaynami, Bangkok

Der Wat Kalaynami, Bangkok

Der Wat Kalaynami, Bangkok

Der Wat Kalaynami, Bangkok

Der Wat Kalaynami, Bangkok

Der Wat Kalaynami, Bangkok

 

Entweder kannst du von hier jetzt noch ein Stück weiter flussabwärts laufen, um die zauberhafte portugisische Santa-Cruz-Kirche zu besuchen, bevor du über die Memorial Bridge zurück auf die andere Flussseite gehst: Alternativ kannst du wie ich an der Hauptstraße zurück über den Khlong und dann noch einen Blick in die schöne Tonson-Moschee werfen.

Tonson-Moschee, Bangkok

Die Tonson-Moschee von vorne

Tonson-Moschee, Bangkok

 

Lhong 1919

Mein neuer Lieblingsort in Bangkok ist das Projekt Lhong 1919. Hierzu wurde eine ehemalige chinesische Werftanlage in Thonbouri modernisiert und umgebaut.

Dabei ist der Charme des Alten weitgehend erhalten geblieben und mit minimalistischen, modernen Akzenten aufgepeppt worden. In dem Areal findest du neben einem Restaurant und einem Café auch diverse kleine Geschäfte, einen Veranstaltungsraum und den alten chinesischen Schrein.

Es gibt auch eine kostenlose Fähre, die stündlich ab Saphan Taksin verkehrt. Ansonsten nimmst du einfach die normale Fähre für 3 Baht vom anderen Flussufer.

Lhong 1919, Bangkok

Lhong 1919

Lhong 1919, Bangkok

Lhong 1919, Bangkok

Lhong 1919, Bangkok

Lhong 1919, Bangkok

Lhong 1919, Bangkok

Lhong 1919, Bangkok

Lhong 1919, Bangkok

 

 

Text & Fotos: Sabine Geier

Sabine bereist seit 10 Jahren Südostasien – zuerst mit dem Rucksack und später als Reiseleiterin auf dem Mekong und seinen Anrainerstaaten. Vor allem reizt sie der Kontakt zu den Menschen und deren Kultur. Ihre große Liebe sind Laos und Thailand.

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Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

Veröffentlicht von Stefan Diener am 1. Juni 2018. Zuletzt aktualisiert am 1. Juni 2018.

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