Günstig Reisen: Thailand für 15 Euro am Tag

Der seit Jahren boomende Tourismus ist nicht ohne Auswirkungen auf das Preisniveau in thailändischen Touristenorten geblieben. Doch auch heute noch kannst du mit wenig Budget die schönsten Orte bereisen. Wie das geht, erfährst du hier.

Die Tipps bekommst du von einem echten Experten: Florian Blümm ist seit mehr als drei Jahren als Budget-Backpacker auf Langzeitreise. Er schreibt auf seiner Seite flocutus.de über Spartipps beim Reisen und günstige Reiseziele. Seine Reisefoto-Highlights gibt es gerade kostenfrei als Bildband (PDF-Download). Zudem hat er zusammen mit mir den Insider-Reiseführer “555 Tipps für Bangkok” geschrieben.

Nun übergebe ich das Wort an Florian:

Thailand mit wenig Geld

Du willst günstiger reisen oder länger für das gleiche Geld? Dann hast du bereits 80 Prozent richtig gemacht, indem du Faszination Südostasien liest. Denn die Wahl des richtigen Reiselands macht einen großen Unterschied für das Budget. Südasien sowie Südostasien sind bekannt für ein unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis.

Das gilt sogar für ein touristisch so erschlossenes Land wie Thailand. Du kommst selbst in der Millionen-Metropole Bangkok oder auf einer der vielen traumhaften Inseln im Süden mit 10 Euro am Tag zurecht. Dabei musst du weder hungern, noch unter der Brücke schlafen oder gar auf ein Bier verzichten.

Ein realistischeres Budget für einen Tag in Thailand beträgt für die meisten von uns 15 Euro, also etwa 450 Euro pro Monat. Die Kosten teilen sich auf in Übernachtung, Essen, Transport, Aktivitäten, Nightlife, Shopping und Lernen. Der An- und Rückflug ist nicht berücksichtigt und kostet ungefähr so viel wie ein weiterer Monat in Thailand. Günstige Flüge nach Bangkok ab Deutschland gibt es in der Saison unter anderem bei Norwegian Air, Condor und Etihad/Air Berlin.

Spartipp: 1.000 Thai Baht sind rund 22 Euro. Durch die hohen Zahlen und weil zum Beispiel ein Mittagessen dort nur rund 15 Prozent von einer vergleichbaren Mahlzeit in Deutschland kostet, wirken Thai Baht schnell wie Monopoly-Geld. Um Ausgaben wie bei Monopoly zu vermeiden, suchst du dir am besten einen Referenzpunkt. Mein Referenzpunkt in Thailand ist der gegrillte Schweinefleisch-Spieß in süßsaurer Soße. Den gibt es in ganz Thailand und er kostet immer 10 Baht. Wenn etwas 30 Baht kostet, dann muss es so gut sein wie drei Schweinefleisch-Spieße – und mal ehrlich: Das ist eine Herausforderung! 😉

Übernachtung ab ca. 150 Baht pro Nacht

Als Paar kannst du bei den Unterkünften Geld sparen. Ein einfaches Doppelzimmer oder ein Bungalow in Thailand kostet zwischen 200 und 250 Baht. Dafür bekommst du ein Bett mit Gemeinschaftsbad und einen Aufenthaltsraum mit Wifi, das oft auch in den Zimmern funktioniert. Für ein eigenes Badezimmer musst Du etwa 50-100 Baht mehr rechnen.

Mit einer Klimaanlage tust du weder deinem Geldbeutel noch der Umwelt noch deinem Wohlbefinden einen Gefallen. Für uns Europäer dauert die Akklimatisierung an die ungewohnt hohen Temperaturen in Thailand gut eine Woche. Wenn Du jede Nacht in der Arktis schläfst, dann akklimatisierst Du nicht oder langsamer und schwitzt auch nach Wochen noch in der Hitze.

Wenn du alleine reist, musst du im Schnitt ca. 50 Baht mehr pro Nacht einplanen. Ein Bett im Schlafsaal in Chiang Mai gibt es zwar schon ab 100 Baht, aber in weniger touristisch erschlossenen Orten und auf den Inseln musst du oft ein Zimmer oder einen Bungalow ganz für dich alleine nehmen.

Spartipp: Reservier in Thailand keine Unterkünfte vorab. Oma’s Guesthouse und Opa’s Strandbungalow findest du nicht auf Hostelbookers. Schau dich einfach in der jeweiligen Backpacker-Enklave um oder informiere dich auf Wikitravel. Ich habe in drei Reisejahren ohne Reservierung noch immer ein Zimmer gefunden.

Essen ab ca. 200 Baht am Tag

Backpacker-Viertel sind preiswert zum Übernachten, aber nicht um dort zu essen und zu trinken. In lokalen Restaurants und Garküchen bezahlst du zwischen 30 und 40 Baht für einen Teller mit erstklassigem Thai-Essen. In einem Restaurant für Farangs bezahlst du manchmal das Dreifache für das gleiche Gericht.

Die Sprachbarriere überwindest du, indem du auf zum Beispiel auf Nudeln oder Curry in der Auslage deutest oder auf das Gericht eines anderen Gasts. Wenn du dein Essen nicht scharf magst, merk dir die Worte »mai ped« für nicht scharf oder »nitnoy ped« für ein wenig scharf. Alternativ kannst du auf die Chillies deuten und einen oder zwei Finger hochhalten.

Wenn du ohne Burger und Pizza nicht mehr weiterleben willst, dann schau in den Food Court eines Tesco- oder BigC-Supermarkts oder in die Cafeteria einer Universität. Auch auf dem Nachtmarkt gibt es oft preiswertes westliches Essen – selbst in der allerkleinsten Stadt. Wenn du richtig hungrig bist und Lust auf ein kulturelles Erlebnis hast, schlag dir beispielsweise für 150 Baht den Magen voll beim Moo Kata (Thai Style Grillfleisch – All You Can Eat ).

Wasser gibt es am Münzautomaten für 0,5-1 Baht pro Liter. Thai Kaffee ist fast so gut wie vietnamesischer Kaffee und niemals weiter als drei Häuserblocks entfernt. Ein heißer Thai Kaffee kostet 10-15 Baht, ein Eiskaffee 15-20 Baht. Sag der Kaffee-Lady unbedingt »Cafe Boran« (Thai Cafe), du willst keinen Instant-Kaffee.

Spartipp: Versuch Thai-Gerichte zu jeder Tageszeit zu essen. Die Thai-Küche ist gesund, lecker, schnell, günstig und sehr abwechslungsreich. Habe bitte keine falsche Scham vor Nudelsuppe oder Curry zum Frühstück. In Asien macht man da keinen Unterschied und du wirst dich schnell daran gewöhnen. Natürlich findest du alternativ überall ein Omelett.

Transport ab ca. 100 Baht am Tag

Thailand ist ein kleines Land, und weil aller Fernverkehr zentral durch Bangkok geleitet wird, sitzt du maximal acht bis zehn Stunden am Stück im Bus. Die Busse und Züge sind sehr komfortabel und die Straßen und Wegenetze sehr gut ausgebaut. Es ist absolut unnötig zu fliegen.

Ebenso unnötig ist es, ein für Farangs überteuertes Tuk Tuk zu nehmen. Der öffentliche Nahverkehr bringt dich ebenfalls ans Ziel. Das Busnetz mag vor allem in Bangkok chaotisch wirken, aber du kannst die Bus-, Metro- und Bootslinien im Internet nachschauen oder einfach im Guesthouse fragen. In anderen Städten kreisen oft »Songthaew«-Minibusse auf den größeren Straßen, die du mit einem Handsignal anhalten musst.

Hin und wieder lohnt es sich – vor allem in Chiang Mai – einen Roller zu mieten, um die Wasserfälle, Seen und Berge auf eigene Faust zu erkunden. Auch auf den Inseln ist ein Roller oft praktisch. In kompakten Orten wie Sukhothai oder Ayutthaya tut es auch ein Fahrrad. In Bangkok sind die grün-weißen Leihräder kostenlos. Ein Roller kostet ca. 150 bis 250 Baht für 24 Stunden. Wenn du einen Roller mittags für 24 Stunden ausleihst, kannst du einen Ausflug am Nachmittag machen und einen weiteren Ausflug am nächsten Vormittag.

Spartipp: Buche keine Bustickets im Voraus, schon gar nicht im Backpacker Ghetto. Die staatlichen Busse zwischen größeren Städten fahren sehr häufig, und du kannst einfach auf Verdacht zum Busbahnhof gehen und den nächsten Bus nehmen. Für Ziele in der Umgebung von Bangkok bieten sich die Minibusse vom Victory Monument an. Die sind oft viel schneller und fahren sehr häufig. Die Bahn ist leider sehr langsam.

Abendunterhaltung ab 40 Baht pro Tag

Beim Nightlife kannst Du richtig Geld ausgeben. Ein Abendessen mit Wein und Cocktails in einer Skybar in Bangkok mit anschlieflendem Besuch von Pat Pong oder Soi Cowboy können so viel kosten wie sonst der ganze Urlaub.

Die günstigste Möglichkeit der Abendunterhaltung ist ein großes Bier vom 7-Eleven-Supermarkt für knapp 40 Baht, das du am Strand oder im Hostel trinkst. In einer Bar kostet ein Bier gleich doppelt so viel, bei der Ladyboy-Show in Chiang Mai rund fünfmal so viel.

Spartipp: Ich kann die wöchentlichen Couchsurfing-Treffen in Bangkok und Chiang Mai sehr empfehlen als Low-Key Abendunterhaltung, um interessante Leute kennenzulernen.

Sightseeing ab 10 Baht pro Tag

Sehenswürdigkeiten in Thailand sind meist Tempel oder die wunderschöne Landschaft. Es kommt nur sehr selten vor, dass du Eintritt für einen Wasserfall oder einen Tempel zahlen musst, und oft sind das dann nur zwischen 10 und 30 Baht.

Wenn du allerdings den Reiseführer zückst und dich in die Fußstapfen der Tourgruppen begibst, dann kann es teuer werden. Zum Beispiel kosten der Königspalast und Wat Pho in Bangkok 400 Baht + 100 Baht. Wenn Du gerne Museen besuchst, musst du mit 100 bis 200 Baht pro Besuch rechnen.

Spartipp: Verzichte auf geführte Touren und erkunde die Gegend lieber auf eigene Faust. Oft geht das zu Fuß, manchmal brauchst du ein Fahrrad oder einen Roller. Statt einer geführten Kanalboot-Tour in Bangkok kannst du das öffentliche Boot im Kanal San Saep für 15 Baht nehmen. Statt für ein Muay-Thai-Match viel Geld zu bezahlen, kannst du den kostenlosen Kampf jeden Mittwoch um 18 Uhr vor der MBK-Mall ansehen.

Shopping und Lernen ab 150 Baht pro Tag

Thailand ist ein Shopping Paradies. Es gibt in jeder Stadt und vor allem in Bangkok Märkte und Shopping Malls. Du kannst orientalische Souvenirs als Geschenke für Freunde kaufen oder dir selbst neue Kleidung und Schuhe. Maßgeschneiderte Anzüge und Brillen in Stärke sind viel günstiger als daheim.

Thailand bietet außerdem einzigartige Möglichkeiten, neue Fähigkeiten zu lernen. Ein Thai-Kochkurs ist fast schon Pflichtprogramm. Eine mehrtägige Vipassana-Meditation ist sehr beliebt bei Sinnsuchern. Andere beliebte Lern-Aktivitäten in Thailand sind Muay Thai, Tauchen, Massage und Sprachen. Dafür musst du aber länger bleiben und tiefer in die Tasche greifen.

Spartipp: Die touristischen Märkte sind sehr teuer. Schau lieber auf die normalen Märkte, um Souvenirs und vor allem Kleidung zu kaufen. In Bangkok sind der Pratunam Markt und der Bobae Tower Markt leicht mit dem Kanalboot zu erreichen. Zwischen Khao San Road und Königspalast am Kanal ist jeden Abend ein großer lokaler Nachtmarkt in Laufreichweite.

Ausgaben pro Tag pro Person in Thailand

Beispielrechnung:

  • 150 Baht Übernachtung (zu zweit etwa 100 Baht pro Person)
  • 200 Baht Essen
  • 100 Baht Transport
  • 40 Baht Nightlife
  • 10 Baht Sightseeing
  • 150 Baht Shopping

Gesamt: 650 Baht (ca. 15 Euro)

Die Ausgaben entsprechen dem täglichen Schnitt meiner 70-tägigen Reise durch Thailand mit meiner Freundin von Oktober 2013 bis Dezember 2013 mit einem Puffer von rund 10 bis 20 Prozent extra.

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