Phetchaburi – zwischen Affen und königlicher Pracht

Phetchaburi ist eine geschichtsträchtige Stadt am Golf von Thailand und liegt nur 170 Kilometer südlich von Bangkok in der gleichnamigen Provinz. Hier findest du Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Hotels und Anreise.

 

Phetchaburi hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, liegt eingerahmt von Bergen in einer malerischen Landschaft und ist nahezu perfekt, wenn du gerne ein bisschen thailändisches Alltagsleben und Kultur sehen möchtest, hierfür aber nicht viel Zeit hast. Trotzdem kennen die Stadt nur wenige. Das möchte ich hier ändern.

Die meisten Thailand-Urlauber nehmen von Bangkok aus direkt den Bus, den Flieger oder den Zug zu den Traumstränden im Süden und verpassen dabei einen bis heute wenig touristischen Küstenabschnitt mit fast menschenleeren Stränden, Nationalparks, netten Fischerorten und eben Phetchaburi. Hier kannst du noch das authentische thailändische Alltagsleben entdecken, ohne dafür zu entlegenen Orten reisen zu müssen.

 

Die Geschichte der Diamantenstadt, wie Phetchaburi übersetzt heißt, begann wahrscheinlich im 8. Jahrhundert, als Siedlung der Mon. Danach breiteten sich die Khmer in großen Teilen der Region aus und machten Phetchaburi zu einem religiösen Zentrum.

Zeugnisse aus dieser Zeit kannst du noch in einigen Tempeln und Ruinen der Altstadt sehen. Das Königreich Sukhothai konnte die Stadt aber wieder zurückerobern und bis auf eine kurze japanische Besetzung durch Piraten im 17. Jahrhundert blieb die Stadt unter siamesischer Herrschaft.

In der damaligen Zeit lag Phetchaburi noch am Meer, heute kannst du nur noch das ferne Rauschen am Horizont hören, denn die Sedimente des Phetchaburi Flusses haben die Stadt vom Meer getrennt.

 

Ich habe das sehr thailändische Städtchen auch auf dem Weg in den Süden besucht und war erstaunt, wie viel dieser doch recht unbekannte Ort zu bieten hat.

Die erste Überraschung erlebten wir bereits, als wir unser Hotel mit dem vielversprechenden Namen Royal Diamond bezogen haben. Ein, wie wir es seither nennen, typisches 800-Baht-Hotel. Vielleicht sind es mittlerweile 1.000 Baht, aber an dieser Art Provinzhotels, die so gar nicht auf westliche Touristen ausgelegt sind, hat sich ansonsten nichts geändert: Teppichboden in blau oder rot, marmorverkleidete Lobby mit goldenen Kronleuchtern, in der Hoffnung, dass dieser übertriebene Prunk den Gast bis zur Abreise blenden mag, und riesen Speisesäle, die nur im ersten Moment mit ihrer weißen Tischwäsche beeindrucken. Kurz darauf werden die vielen Flecken und Löcher sowie die Tapeziertische unten den Tischdecken den Glanz ganz schnell verblassen lassen.

Beim gastronomischen Angebot dieser Hotels wird dann endgültig klar, dass du hier als westlicher Tourist eine seltene Spezies bist. So hatten wir das Vergnügen, gleich nach Ankunft einer sehr feucht-fröhlicher Feier inklusive Lokal-Fernsehen im Restaurant beiwohnen zu dürfen. Den Blick der einzigen anderen westlichen Touristen am Nachbartisch werden wir nie vergessen. Die beiden Amerikaner waren sich nicht sicher, ob sie versehentlich eine Karaokebar mit einem Restaurant verwechselt hatten, oder vielleicht sogar im Irrenhaus gelandet sind. Man kann es ihnen nicht verübeln, denn dieses Fest hatte es in sich und noch nie habe ich ein Schnapsbuffet ähnlichen Ausmaßes inklusive einer Tonne voll Eis gesehen. Wir hatten noch den Versuch unternommen, im Ort ein Restaurant zu finden, aber zuerst wurden wir von einer Horde Affen in die Flucht geschlagen und dann mussten wir nach einer Stunde einsehen, dass wir wohl besser zuerst einen Thailändisch-Kurs belegt hätten, denn englisch spricht hier niemand und so ganz ins Ungewisse wollten wir dann doch auch nicht bestellen. Also doch wieder zurück ins Hotel und mitten rein ins Spektakel. Auf jeden Fall war dieser erste Abend in Phetchaburi ein unvergessener.

 

Sehenswürdigkeiten in Phetchaburi

Aber Phetchaburi hält auch eine ganze Menge an kulturellen Sehenswürdigkeiten bereit, die wir am nächsten Tag erkundet haben.

 

Phra Nakhon Khiri und Wat Phra Kaeo Noi

Die bekannteste und weithin sichtbare Sehenswürdigkeit ist der ehemalige Sommerpalast der Königsfamilie. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts von König Mongkut auf einem fast 100 Meter hohen Hügel am Rande der Stadt erbaut und diente seiner astronomischen Beobachtungen.

 

Unter seinem Sohn, König Chulalongkorn, wurden im Palast Staatsgäste empfangen. Heute sind dort archäologische Schätze und Kunstobjekte in einem Museum ausgestellt werden.

Auf den beiden Nachbarhügeln thront ein weißer Chedi (Phra That Chom Phet) und der Tempel Wat Phra Kaeo Noi, der an seinem roten Prang, gemeint ist damit der Tempelturm, weithin sichtbar ist.

 

Von den drei Hügeln hast du bei klarem Wetter einen fantastischen Blick über die Stadt bis hin zum gerade noch zu erahnenden Golf von Thailand.

Auf den Berg kommst du mit einer Seilbahn oder über eine Treppe durch einen parkartigen Garten.

 

Für viele Besucher sind aber die hinterhältigen Affenhorden des Palasthügels die eigentliche Attraktion. Bei unserem Besuch war es unerträglich heiß und so gingen wir davon aus, dass sich die Affen wegen der Hitze nicht zeigten.

Auf dem Weg nach unten wurden wir dann eines Besseren belehrt – hier lauerten sie bereits hinter und auf den Bäumen und starteten ihre Angriffe aus dem Hinterhalt. Schnell wurde uns klar, dass wir es ohne das Futter, das am Wegesrand verkauft wird, wohl nicht heil nach unten schaffen würden.

Also kauften auch wir Mais und kleine Bananen und siehe da, die Affenweibchen setzten sich brav vor uns hin und streckten uns ihre Pfoten entgegen, um eine der Leckereien in Empfang zu nehmen.

 

Natürlich konnte es den Männern wieder nicht schnell genug gehen und so zupfte mich der „Chef“ der Clique forsch an meiner Hose und hielt mir seine Pfote unter die Nase. So schafften wir es zumindest einen Teil des Weges zu meistern, bis dann die letzte Banane verteilt war und sich ein Affe hysterisch schreiend vor mir aufbaute.

In meiner Panik habe ich ihm alles vor die Nase geworfen, aber nichts davon wollte er haben. Dann kam mir im letzten Moment die rettende Erkenntnis – das Tuch, das wir gekauft hatten, um uns mit Eiswürfeln zu kühlen, war gelb. Dann war auch dieser Affe überlistet und gab Ruhe.

 

Aber es sollte nicht der letzte hungrige Makake gewesen sein. Als das Ende des Weges fast erreicht war, stand auf einmal nochmal ein hungriger Kandidat vor mir. Ich kann nur so viel sagen: Gib niemals nur ein Stück, während du die restliche Packung noch in der anderen Hand hältst. So schnell konnte ich gar nicht schauen, bis ich den Affen auf dem Arm sitzen hatte und meine Tintenfischpackung los war.

Auf der Stromleitung wollte er dann ungestört seine Errungenschaft verspeisen, nur leider war die so gar nicht nach seinem Geschmack. Es hat ihm dann aber nicht gereicht, den salzigen Fisch einfach wieder auszuspucken, nein, er nahm die gesamte Packung und schüttelte sie bis auf die letzte Gräte nach unten aus und warf die leere Tüte noch hinterher. Da lag er nun mein Tintenfisch.

Nach dieser Lehrstunde »Europäer und wilde Tiere« geht es nun zu den stillen und weniger aggressiven Zeugen der Geschichte, den wunderschönen Tempelanlagen, die meist im Ayutthaya-Stil erbaut wurden.

 

Wat Mahatat Worawihan

Auf dem Weg in die Innenstadt gelangst du zuerst zu diesem Tempel, der sehr schön die Vermischung von Thai- und Khmer-Kunst in Phetchaburi zeigt.

Er besticht durch seine feinen Stuckarbeiten an den Giebeln, die weithin sichtbaren weißen Prangs und die wunderschönen Wandmalereien und Buddhastatuen im Inneren.

 

Auf der anderen Seite (östlich) des Phetchaburi-Flusses wartet dann der wahrscheinlich schönste Tempel der Stadt.

 

Wat Yai Suwannaram

Hier finden sich sehr schöne Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert und eine hölzerne Bibliothek, die auf Stelzen in einem künstlichen See gebaut wurde.

Die »Gemeindehalle« aus Teakholz mit ihren kunstvollen Verzierungen stand früher im Areal des Königspalastes in Ayutthaya. Die weitläufige ruhige Anlage lädt zu einer Pause in der Mittagshitze ein.

 

Weiter geht es nun in die frühe Geschichte der Stadt:

 

Wat Khamphaeng Laeng

In diesem Tempel kannst du sehr schön die Ruinen der Khmer-Herrschaft in Petchaburi sehen. Erbaut wurde er von Jayavarmans VII. Im 12. Jahrhundert. Die Anlage ist zwar bei weitem nicht so groß und prachtvoll wie andere Khmer-Tempel Thailands, aber er ist das älteste Bauwerk Phetchaburis und der südlichste Khmer-Tempel im Land.

Ursprünglich bestand die Anlage aus fünf Laterit-Prangs (ein Vulkangestein), einer davon stürzte in sich zusammen. Wie bei vielen ehemals hinduistischen Khmer-Tempeln, wurde auch dieser später buddhistisch. Heute werden die Ruinen von einem Tempel jüngeren Datums umgeben.

 

Das authentische Phetchaburi kannst du vor allem links und rechts des Phetchaburi-Flusses in den schmalen Gassen der Altstadt erkunden. Hier findest du noch die typischen Holzhäuser, kleine Läden und in der Sonne trocknenden Fisch.

 

Im Oktober, Ende der buddhistischen Fastenzeit finden auf dem Fluss die traditionellen Bootsrennen statt. Hier treten jeweils zwei Teams mit je ca. 50 Ruderern gegeneinander an. Die Rennen sind ein buntes Spektakel mit Jahrmarkt-Flair.

 

Palast Phra Ram Ratchaniwet

Ein weiterer Palast, der König Chulalongkorn als private Villa dienen sollte, liegt im Süden des Stadtzentrums. An diesem Gebäude siehst du sehr eindrucksvoll die Vorliebe des Königs für Europa. Die Art-Déco-Villa wurde vom deutschen Architekten Karl Döhring geplant. Der prachtvolle Palast liegt in einem gepflegten Park am Ufer des Flusses, der Teil einer militärischen Anlage ist.

 

Tham Khao Luang

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind die buddhistischen Höhlen, circa drei Kilometer nördlich des Stadtzentrums.

König Chulalongkorn ließ die kleine Tempelanlage auf dem Hügel zu Ehren seines Vaters errichten, der die Höhle einmal besucht hatte. Zu bestimmten Tageszeiten fällt das Licht sehr malerisch durch den Durchbruch in der Decke auf die zahlreichen Buddha-Statuen im Inneren. Am besten nimmst du ein Tuk-Tuk hierher.

 

Übernachten: Hotels in Phetchaburi

Wie eingangs bereits erwähnt, ist das Übernachtungsangebot in Phetchaburi nicht gerade üppig. Zudem ist es auch nicht wirklich auf westliche Gäste ausgelegt, was aber auf der anderen Seite auch wieder den authentischen thailändischen Touch bringt. Das Angebot wurde in den letzten Jahren aber um einige neue und moderne Gästehäuser im Stadtzentrum erweitert.

 

Royal Diamond Hotel

Das Royal Diamond Hotel (hier bei Agoda*) direkt an der Hauptstraße erspare ich dir, außer du möchtest unbedingt selbst erfahren, was es mit den 800-Baht-Hotels auf sich hat.

 

White Moneky Guesthouse

Modernes, kühles Design in freundlicher Atmosphäre bietet das neue White Monkey Guesthouse (hier bei Agoda* bzw. Booking.com*) in der Nähe von Wat Mahatat am Fluss.

 

Chedi View Hostel

Einfach und modern gestaltetes neues Hostel (hier bei Agoda* bzw. Booking.com*) zwischen Wat Mahatat und dem Palasthügel. Der Blick von der Dachterrasse auf den Palast und den Chedi ist sensationell.

 

Swiss Palazzo

Moderne und etwas komfortablere Zimmer mit Balkon bietet das Swiss Palazzo (hier bei Agoda* bzw. Booking.com*) gleich neben dem Palasthügel. Vor allem die Lage ist unschlagbar.

 

Sweet Dreams Guesthouse

Witzig gestaltetes neues Guesthouse im IKEA-Style mit Fahrradverleih (hier bei Agoda* bzw. Booking.com*). Leider liegt es etwas außerhalb der Innenstadt, nordöstlich des Bahnhofs.

 

Weitere Hotels in Phetchaburi:

 

Anreise:

Hier stehen dir alle Optionen zur Wahl. Von Bangkok aus kannst du entweder einen der Busse oder Minivans nehmen, die ständig Richtung Süden verkehren, oder, wenn es gemütlicher sein soll, die Bahn.

Busse fahren in Bangkok ab dem Busterminal Sai Tai in Thonburi und die Züge ab dem Hauptbahnhof Hua Lamphong. Das südlich gelegene Hua Hin besitzt zusätzlich einen Flughafen.

 

Ausflüge in die Umgebung

Falls du ein paar Tage in der Gegend einplanen kannst, dann bietet die nähere Umgebung von Phetchaburi viele abwechslungsreiche Attraktionen. Hierzu zählen unter anderem etwas weiter südlich die schönen Strände von Cha-Am sowie der Nationalpark Kaeng Krachan.

 

 

Text & Fotos: Sabine Geier

Sabine bereist seit 10 Jahren Südostasien – zuerst mit dem Rucksack und später als Reiseleiterin auf dem Mekong und seinen Anrainerstaaten. Vor allem reizt sie der Kontakt zu den Menschen und deren Kultur. Ihre große Liebe sind Laos und Thailand.

Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 14. April 2017. Zuletzt aktualisiert am 14. April 2017.

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