Südostasien – ein Abenteuer?

Mehr als 20 Monate habe ich inzwischen in Südostasien verbracht und dabei Einiges erlebt. Bin ich nun ein mutiger Abenteurer oder einfach nur ein westliches Großstadtkind bei vorsichtigen Gehversuchen außerhalb der eigenen Komfortzone?

Inspiriert zu diesem Artikel hat mich Florian, der sich auf seiner Seite Flocblog mit der Frage auseinandersetzt, was ein Abenteuer ausmacht. Florians Kernaussage trifft dabei bereits den Nagel auf den Kopf. Sie lautet: »Dein Abenteuer ist nicht mein Abenteuer.«

Denn die subjektive Wahrnehmung einer Situation ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. In ihr spiegeln sich Interessen, Erfahrungen und Ängste wider.

Wenn du zum Beispiel noch nie mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug gehüpft bist, dann ist der erste Sprung garantiert ein krasses Abenteuer, wohingegen es für denjenigen, der mit dir im Tandem springt, schon längst zur Routine geworden ist.

Das lässt sich auch auf viele weitere Bereiche übertragen.

Abenteuer Südostasien

»Einmal Abenteuer für drei Personen, bitte!«

Anders als bei der klassischen Definition des Wortes sind heute die meisten Abenteuer nicht mehr mit einem Risiko oder einem ungewissen Ausgang verbunden. Es handelt sich eher um Pseudo-Abenteuer, mit denen wir Erlebnisse bezeichnen, die sonst in unserem Alltag nicht vorkommen. Solche »Abenteuer« kannst du inzwischen ganz einfach als Bausteine in deinem Reise-Paket buchen.

  • Tag 1: Ankunft am Zielort
  • Tag 2: Relaxen am Strand
  • Tag 3: Tempelbesichtigung, abends: Kochkurs
  • Tag 4: Abenteuertour in den Dschungel, abends: Massage
  • Tag 5: Weiterreise

Gerade im Zusammenhang mit etwas Action wird der Abenteuer-Begriff inflationär benutzt. Und sehr eng verbunden ist die Bezeichnung auch mit allem, was uns unbekannt ist. Fremde Länder, fremde Kulturen, fremde Speisen und fremde Fortbewegungsmittel – all das sind für uns schon Abenteuer!

Die Veränderung der eigenen Wahrnehmung

Als ich das erste Mal nach Thailand geflogen bin, war ich richtig aufgeregt. Und das nicht nur vor Freude. Außer Teilen von Europa und Chile hatte ich bis dato noch nichts von der Welt gesehen. Und jetzt wartete Asien auf mich!

Widerwillig war ich dem Rat eines erfahrenen Backpackers gefolgt und hatte keine Unterkunft vorgebucht. Ich fand mich damals ganz schön mutig.

Entspannt war ich jedoch nicht, als ich dann nach Einbruch der Dunkelheit (ausgerechnet) auf Phuket ankam, und mich dort von einem Tuk-Tuk-Fahrer von Hotel zu Hotel kutschieren lies, bis wir nach »endlosen« 15 Minuten endlich eine freie Unterkunft fanden. Rückblickend muss ich bei der Erinnerung daran selber lachen.

Oder Bangkok. Mein erster Besuch in dieser Millionen-Metropole. Die Wolkenkratzer, der Straßenverkehr, die vielen fremden Gerüche und der Lärm. All das hat mich damals echt umgehauen. Heute bewege ich mich in der Stadt fast schon wie ein Fisch im Wasser.

Im Laufe der Jahre habe ich ordentlich Reiseerfahrung gesammelt. Dementsprechend begegne ich unbekannten Orten inzwischen deutlich entspannter, und mich bringt so schnell nichts mehr aus der Ruhe. Lediglich sehr selten kommt es noch vor, dass ich mein Gesicht verliere.

»Vietnam? Ist da nicht Krieg?«

Letzten Sommer war ich zum ersten Mal in Brasilien. Das war für mich neu und ich hatte zuvor viel über die Kriminalität dort gelesen. Entsprechend unsicher war ich in den ersten Tagen.

Südostasien hingegen kenne ich inzwischen gut. Ich habe – abgesehen von Ost-Timor – sämtliche Länder bereist und kann in etwa einschätzen, was mich wo erwartet. Wer sich aber bisher nie mit dieser Region befasst hat, für den ist das alles sehr exotisch, was ich da mache. Noch vor einigen Jahren bekam ich vor Reisen nach Kambodscha oder Vietnam die Frage gestellt, ob das nicht Kriegsgebiete sind.

Und trotz Militärputsch nach Thailand zu fahren, das finden viele verrückt. Genauso wie es unverantwortlich sei, dass Menschen mit kleinen Kindern durch Südostasien reisen. So etwas sagen meist Leute, die selber noch nicht da waren.

Indiana Jones auf dem Banana Pancake Trail

Die unterschiedlichen Erfahrungen spiegeln sich auch in der Wahrnehmung von mir als Person wider. Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die sehen in mir eine Art Indiana Jones, der todesmutig als Weltenbummler in ferne Länder reist. Auf den Touren durch tiefe Dschungel abseits jeglicher Zivilisation trotze ich nicht nur Wind und Wetter sondern auch vielen (tödlichen) Gefahren wie giftigen Tieren und heimtückischen Durchfallerkrankungen. Ihr letzter Tipp lautet meist: »Und pass auf, dass du nicht ausgeraubt wirst.«

Und dann gibt es ja noch die Anderen, die sich selbst für die coolsten Abenteurer halten, generell allergisch auf weitere Touristen reagieren und nur Sachen toll finden, die möglichst exotisch sind (»mit dem Auto nach Indien«, »mit dem Fahrrad durch China«, »zu Fuß um die Welt«).

Sie schmunzeln bei Erzählungen von Touren über ausgetretene Pfade entlang der klassischen Backpacker-Routen durch Südostasien.

Denn ja, viele meiner Reiseziele liegen auf dem Banana Pancake Trail. Dabei handelt es sich um Orte, an denen du praktisch nie alleine bist, weil immer noch jede Menge weitere (junge) Reisende dort sind. Es gibt meist Fried Rice, jegliche Form von Pfannekuchen, Bier und abends eine Feuershow zu Reggae Musik. Die einen halten solche Plätze für das Paradies, für manche bedeuten sie schon ein Abenteuer und für wieder andere ist das nur 08/15.

Du siehst, die Wahrnehmung liegt oft deutlich auseinander, je nachdem, aus welcher Perspektive eine Sache beurteilt wird.

»Ich möchte gerne etwas Abenteuer, aber nicht zu viel.«

Anknüpfend daran, wie andere bewerten, was ich mache, habe ich mir die Frage natürlich auch selbst schon oft gestellt.

Was dabei rausgekommen ist? Ehrlich gesagt, ich bin manchmal ein Schisser! Obwohl ich die Leute beneide, die bereits in den 80ern als Backpacker mit einem Fischerboot nach Ko Samui gefahren sind, als es dort praktisch noch keine Touristen gab, weiß ich gar nicht so genau, ob ich das dann auf Dauer auch wirklich so toll gefunden hätte. Ohne Telefon, ohne Internet, ohne Kontakt mit Zuhause und ohne belastbare Informationen, wie ich zum nächsten Ort komme. Und das über Wochen.

Hin und wieder bin ich nämlich Mister Vorsicht. Meine Reiseapotheke berücksichtigt so einige Eventualitäten und etwas Infrastruktur am Zielort finde ich nicht unbedingt verachtenswert.

Natürlich liebe ich Strände, an denen nur einige wenige einfache Holzbungalows stehen. Dort bleibe ich gerne für ein paar Tage, genieße die Einsamkeit und brauche weder Strom noch Internet. Daher halte ich bei meinen Südostasien-Trips weiterhin nach solchen Zielen fernab der Touristenorte Ausschau. Aber halt nicht »zu sehr« fernab.

Immer wieder suche ich dabei das Neue, das Aufregende und Unbekannte. Trotzdem ist mir nicht erst beim Lesen von Pia Roeders sehr gutem Text »Wir sind keine Abenteurer« aufgefallen, dass die Grenze zwischen einem schönen Abenteuer und »zu viel« Abenteuer bisweilen fließend ist.

Mit etwas Angst das Abenteuer würzen

Was macht eine Situation so besonders, dass du sie als Abenteuer empfindest?

Für mich kann es sich dabei um ein einzelnes Erlebnis oder die Summe von vielen kleinen Dingen handeln. So war zum Beispiel meine erste Reise nach Myanmar, noch bevor sich das Land öffnete, in ihrer Gesamtheit ein Abenteuer. Ich war vier Wochen in einer völlig anderen Welt.

Genauso so würde ich ohne Zögern unterschreiben, dass jede selbstorganisierte Indien-Reise ein Abenteuer ist. Denn der Subkontinent ist ein nicht endender Ausnahmezustand.

Wenn von mir hingegen einzelne Situationen als Abenteuer wahrgenommen werden, hat es oft etwas mit Adrenalin, Unwohlsein oder Angst zu tun. Innere Hürden überwunden zu haben und einen Felsen hinaufgeklettert, nachts nur mit Taschenlampe durch einen Dschungel gewandert oder erstmals durch eine Höhle getaucht zu sein. All das sind Momente, die mit Zweifeln verbunden waren. Hinterher überwiegt die Freude, es gemacht und geschafft zu haben.

Solche Abenteuer hast du dir dann persönlich verdient. Und es ist in Ordnung, sie spannend zu finden und dich darüber zu freuen. Das solltest du dir auch nicht vermiesen lassen, nur weil jemand anderes schon mehr erlebt oder sich mehr getraut hat.

Neben diesen gewollten Besonderheiten gibt es aber auch solche, die eher zufällig es Weges kommen.

»Ein Abenteuer ist das Ergebnis schlechter Planung.«

Als ich die Postkarte mit dem Zitat das erst mal sah, musste ich lachen. Denn in der Tat bezeichnen wir heute häufig Erlebnisse als Abenteuer, bei denen etwas schiefgegangen ist.

Ob im Großstadtdschungel verirrt, den letzten Zug verpasst, die scheiß Bustour, die zehn statt fünf Stunden gedauert hat, die heftigen Turbulenzen auf dem Flug nach Paradise Island oder die fette Spinne, die dir im Bungalow den Weg zur Toilette versperrte – all das sind Dinge, die dich in der Situation erstmal nerven, stressen oder ärgern.

Mit ein wenig Abstand ist das dann meist eine tolle Geschichte, die du deinen Freunden berichten kannst.

»Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.« (Matthias Claudius, 1740 – 1815)

Wenn du wirklich wissen willst, was für uns Touristen Abenteuer in Südostasien sind, dann setz dich dort einfach abends in eine Bar und mach die Ohren auf. Denn spätestens ab dem dritten Bier ist es Zeit für Reise-Anekdötchen. Einer nach dem anderen beginnt, aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Dabei wirst du feststellen, dass es oft bereits das Leben und der Alltag selbst sind, die massenhaft Eindrücke und Erlebnisse produzieren. Für uns, die wir in der westlichen Welt – meist umgeben von Wohlstand und Überfluss – aufgewachsen sind, reicht oft schon ein Spaziergang raus aus dem Touristen-Ghetto, um viel Neues zu entdecken. Und letztlich sind Abenteuer Dinge, die uns Menschen bewegen.

Was waren denn nun meine (subjektiven) Abenteuer ist Südostasien?

Mit den vielen kleinen und großen Geschichten könnte dieser Artikel noch mal so lang werden. Stattdessen gibt es jedoch nur eine kurze Liste mit Beispielen. Sie ist definitiv nicht vollständig und die Reihenfolge der Ereignisse hat keine Bedeutung. Sie soll nur einen kurzen Einblick geben, was mir in den letzten Jahren zeitweilig wie ein Abenteuer vorkam:

  • Das erste Mal zu einem Schiffswrack zu tauchen.
  • Meine Reise nach Myanmar, noch vor der Öffnung des Landes.
  • Zug fahren in Indien
  • Dschungelwanderung ohne Guides in der Nähe von Muang Ngoi Neua (Laos)
  • der erste Flug mit einem Wasserflugzeug
  • der Straßenverkehr in Vietnam
  • bei der Ausreise aus den Philippinen feststellen zu müssen, dass ich das Land aufgrund eines falschen Stempels eigentlich schon vor zwei Wochen hätte verlassen müssen.
  • Hochgeschwindigkeitsfahrt mit dem Tuk-Tuk durch Bangkok
  • Tiger- und Bären-Sichtung auf der Safari im Kanha Nationalpark
  • das erste Mal Haien im Wasser zu begegnen
  • Übernachtung in einem Kloster in der Nähe von Kalaw
  • eingebildete oder reale »Nahtoderfahrungen« in Minibussen
  • der erste Aufenthalt in einem 5-Sterne-Hotel
  • Songkran in Luang Prabang
  • Kamel-Safari mit Übernachtung in der Wüste unter freiem Himmel (Jaisalmer)

– Fortsetzung folgt –

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