Rucksack oder Koffer für Südostasien: welche Größe passt zu welcher Reise?
Ob nasser Bootssteg, Sandpiste oder Großstadt-Asphalt: Welches Gepäckstück das richtige ist, entscheidet in Südostasien meist der letzte Kilometer zur Unterkunft. Erfahre hier, ob Koffer oder Rucksack besser zu deinen Plänen passt, wie viel Liter Volumen du wirklich brauchst und wie du auf Inlandsflügen Zeit sparst.
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Auf der Fähre von Krabi nach Koh Lanta habe ich einmal jemandem dabei geholfen, seinen Hartschalenkoffer über die nasse Metallrampe zu wuchten. Der Koffer hatte zwei kleine Rollen, auf dem Blech stand ein Zentimeter Wasser und hinter uns warteten dreißig Leute, die auch rüberwollten. Er hat es geschafft. Angenehm war es nicht.
Genau solche Momente sind der Grund, warum in der Region so viele Menschen mit Rucksack unterwegs sind, und nicht irgendein Backpacker-Lebensgefühl.
Nicht das Land zählt, sondern der letzte Kilometer
Die Frage nach dem passenden Gepäckstück lässt sich nicht pauschal beantworten, da es selten um ganze Länder, sondern meist um die letzten fünfhundert Meter jeder Etappe geht. Die Sandpiste vom Pier zum Bungalow auf Koh Rong zum Beispiel. Die schmale Betontreppe zum Homestay in Sapa im zweiten Stock ohne Geländer. Das Longtail-Boot, in das du über die Bordwand steigst, während dein Gepäck schon im Bug liegt. Das ist jedes Mal Arbeit, und in Hanoi kommst du auf dem Bürgersteig ohnehin nicht weit, weil dort Roller parken und du auf die Straße ausweichen musst.
Dazu kommt der Regen. Wer im Juli in Nordthailand oder im Oktober in Zentralvietnam reist, stellt sein Gepäck irgendwann in eine Pfütze – das lässt sich nicht vermeiden. Was du auf dem Rücken trägst, steht wenigstens nicht darin. Eine Regenhülle für zwanzig Euro ist die unspektakulärste, aber sinnvolle Anschaffung, die du machen kannst.
Wo der Trolley trotzdem gewinnt
Wenn deine Reise aus zwei oder drei Städten besteht, in denen du jeweils eine oder zwei Wochen im selben Zimmer wohnst, dreht sich das Argument um. Ein Rucksack ist ein Sack: Du packst ihn aus, du packst ihn ein, und das Hemd, das du dabei hast, sieht entsprechend aus. Ein Koffer hingegen klappt flach auf, sodass du alles auf einmal siehst. In Singapur oder Kuala Lumpur rollt er über Gehwege und MRT-Stationen, die dafür gebaut wurden.
Ich beobachte das auch bei Leuten, die für längere Zeit an einem Ort arbeiten. Mit Laptop, tragbarem Bildschirm, Kabeln und ein paar Büchern bist du schnell bei 18 Kilo. Die willst du nicht durch die Mittagshitze schleppen, nur weil das Bild vom Reisen ein anderes ist. Wer Rückenprobleme hat, sowieso nicht. Es gibt auch Hybridmodelle mit Rollen und wegklappbaren Trägern, aber sie schleppen beide Systeme mit sich herum und wiegen leer oft schon vier Kilo.
Wer länger an einem Ort bleibt und hauptsächlich in gut ausgebauten Städten unterwegs ist, reist mit einem Koffer oft komfortabler
Liter nach Reisedauer, nicht nach Packliste
Hier sind grobe Richtwerte, die sich bei mir und den meisten anderen, die ich unterwegs getroffen habe, bewährt haben: Für zwei Wochen reichen 30 bis 40 Liter, für ein bis zwei Monate sind 40 bis 50 Liter realistisch und ab drei Monaten mit Wintersachen für Nordvietnam oder Trekkingausrüstung landest du bei 55 bis 65 Litern.
Ein Punkt, den viele übersehen, ist: Die Reisedauer bestimmt das Volumen kaum. Kleidung für 30 Grad ist dünn und wird ohnehin alle vier oder fünf Tage für ein paar Euro pro Kilo gewaschen. Was das Volumen wirklich beeinflusst, sind Fleecejacke, Kameraausrüstung, Tauchcomputer und Laptop.
Wenn du dir die Reiserucksäcke von Travelbags oder Sortimente anderer Anbieter ansiehst, erkennst du das Raster schnell: Der Sprung von 45 auf 65 Liter kostet dich spürbar mehr Eigengewicht, und er verführt dich dazu, den Platz auch zu füllen. Ich würde deshalb eher eine Nummer kleiner nehmen, als das Bauchgefühl sagt. 45 Liter haben schon vielen für ein halbes Jahr gereicht.
Das Tragesystem merkst du erst bei 34 Grad
Wichtiger als die Literzahl ist die Rückenlänge. Sie richtet sich nicht nach deiner Körpergröße, sondern nach dem Abstand zwischen Nackenwirbel und Beckenkamm, und die Angabe steht bei ordentlichen Modellen in den Produktdaten, bei Travelbags zum Beispiel in den Maßangaben zum jeweiligen Rucksack. Sitzt der Hüftgurt richtig auf dem Beckenkamm, trägt er den Großteil des Gewichts. Sitzt er zu hoch, hängt alles an den Schultern, und nach vierzig Minuten weißt du das auch.
Bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit bist du nach einer Viertelstunde ohnehin durchgeschwitzt, da hilft kein Netzrücken der Welt. Was er bringt, ist ein bisschen Luft zwischen Stoff und Haut, sodass das Shirt nicht komplett anklebt. Wenn du eine Empfehlung willst: Pack den Rucksack zu Hause mit acht bis zehn Kilo und lauf damit zwanzig Minuten durch die Stadt, am besten Treppen. Danach weißt du mehr als nach jedem Testbericht.
Handgepäck oder aufgeben
Innerhalb der Region fliegst du meist mit AirAsia, VietJet, Scoot oder Cebu Pacific. Dort liegt die Handgepäckgrenze in der Regel bei sieben Kilo. Das ist mit Laptop und Kamera kaum zu schaffen, mit reiner Kleidung hingegen schon. Wenn du nur Handgepäck dabei hast, sparst du pro Flug eine gute halbe Stunde und die Sorge um Anschlussgepäck bei Umsteigeverbindungen. In Kuala Lumpur oder Manila ist das keine theoretische Sorge.
Dafür brauchst du einen Rucksack, der die Maße einhält – bei AirAsia zum Beispiel 56 x 36 x 23 Zentimeter, aber prüfe es pro Airline nach – und sich vorne komplett öffnen lässt. Sonst musst du bei jeder Kontrolle alles auskippen. Falls du nach zwei Monaten feststellst, dass die Hälfte ungenutzt bleibt: In jeder größeren Stadt gibt es Läden, die dir ein Paket nach Hause schicken. Das kostet ein paar Euro und ist billiger als ein kaputter Rücken.