Phare, the Cambodian Circus: ein Erlebnisbericht

Bei deiner Reise nach Siem Reap solltest du dir einen Abend für für den Besuch des Phare Circus freihalten. Die Show der Artisten ist beeindruckend und die Einnahmen sind für einen guten Zweck.


Wenn alle Tempel Angkors besichtigt sind und sich der Tag dem Abend neigt, erwacht das Leben in Siem Reap nochmal von neuem. Die Abendstunden eignen sich hervorragend, um beispielsweise über Märkte und über die Pub Street zu schlendern.

Doch Siem Reap bietet am Abend noch ein ganz anderes Highlight, das du auf keinen Fall verpassen solltest: und zwar die Vorstellungen im Phare Circus.

 

Phare Circus: Tipps & Infos

Ich kann mir denken, dass dich die Vorstellung, deine kostbare Reisezeit im Zirkus zu verbringen, erstmal nicht gerade vom Hocker reißt. Vielleicht denkst du an Clowns und Gaukler, vielleicht denkst du auch an eingesperrte Wildtiere, die im Zirkus ein tristes Dasein als Touristenattraktion fristen.

Doch da kann ich dich gleich beruhigen: Weder Tiere noch Clowns kommen zum Einsatz, es handelt sich vielmehr um eine Artistenshow mit wohltätigem Hintergrund, nicht um das, was wir gemeinhin unter »Zirkus« verstehen.

Die Show bewegt sich dabei auf so hohem Niveau, dass der Zirkus sogar für Sziget-Festival 2018 in Ungarn gebucht wurde, und es einzelne Darsteller sogar in den international bekannten Cirque du Soleil geschafft haben. Was das für Kinder aus armen Verhältnissen bedeutet, kann man sich nicht annähernd vorstellen.

 

Phare Circus: Hintergrund und Geschichte

Doch von Anfang an: Hinter dem Zirkus steht die NGO Phare Ponleu Selpak, die in Battambang, einer der ärmsten Städte Kambodschas, beheimatet ist. Die Organisation wurde in den 1990er Jahren von acht jungen Männern gegründet, die ihre Kriegstraumata ein Stück weit durch Kunsttherapie aufarbeiten konnten. Weil es Ihnen geholfen hat, zu malen und Musik zu machen, wollten sie auch anderen traumatisierten Menschen helfen, sich selbst zu helfen. Deshalb gründeten sie kurzum die Kunstakademie Phare Ponleu Selpak, die sich zunächst auf Musik, Theater und bildende Kunst konzentrierte.

Übersetzt bedeutet der sperrige Name übrigens so viel wie „Das Leuchten der Kunst“. Später entstand daraus die bis heute bestehende Artistenschule, deren Schüler 2013 ihren ersten öffentlichen Auftritt in Siem Reap hatten.
Seither ist das Konzept eine wahre Erfolgsgeschichte. Heute besuchen über 1000 Schüler die Akademie, deren Kurse sich aus den Einnahmen des Zirkus finanzieren und daher für die Schüler kostenfrei sind. Doch nicht nur Salto und Spagat steht auf dem Stundenplan. Morgens heißt es für alle Schüler: Rechnen, Lesen, Schreiben. Das Konzept sieht vor, dass die Schüler zum einen eine allgemeine Schulausbildung bekommen, und zum anderen die Artistenschule besuchen.

 

Im Gegensatz zu uns tun die Schüler das gern, denn Bildung ist Kambodscha immer noch Privileg, keine Selbstverständlichkeit. Die Schulbildung hilft den Jugendlichen, später einen guten Job zu finden, und durch den Artistenjob verdienen sie etwas Geld, so dass sie ihre Familien unterstützen können. Die Plätze an der Akademie sind extrem begehrt. Anders als bei uns ist Schulbildung in Kambodscha nicht verpflichtend, ja oft sogar eine Last für die Familie. Denn in der Zeit, in der die Kinder in der Schule sitzen, können sie nicht arbeiten und tragen somit nichts zum Familieneinkommen bei. Bei den ärmsten Familien ist das Kind oft auch der alleinige Ernährer, weil die Eltern aufgrund von Krankheit nicht mehr oder nur noch sehr wenig arbeiten können. Es gibt in Kambodscha kein Sozialhilfesystem, dass sie unterstützen könnte.

Organisationen wie Phare Ponleu Selpak helfen Familien, aus dem Teufelskreis der Armut, indem die Kinder gleichzeitig Zukunftsperspektiven und ein Einkommen erhalten. Am Ende gewinnen alle, denn ganz nebenbei werden durch das Projekt auch lokale Kunstformen erhalten und weiterentwickelt.

 

Phare Circus: Tickets/Eintrittskarten

Und, wie komme ich in die Show? Nun, buchen kannst du einen Besuch der Show überall in Siem Reap in Reisebüros und Hotels. Zudem kannst du deine Tickets auch direkt online buchen und dich dabei auch noch ein bisschen über die aktuellen Shows und den Hintergrund informieren. Es gibt unterschiedliche Platzkategorien, die günstigste liegt bei 18 Dollar pro Person, innerhalb der Kategorien besteht freie Platzwahl.

Es gibt auch eine Abendkasse, aber der Zirkus ist wirklich gut besucht, von daher gibt es keine Garantie, dass du Erfolg hast.

Während die Artistenschule noch heute in Battambang ist, findet der Zirkus allabendlich um 20 Uhr direkt in Siem Reap statt. Nachvollziehbar, denn hier ist deutlich mehr potenzielles Publikum unterwegs.

 


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Zirkus Phare: Lage & Anreise

Der Zirkus Phare liegt auf einem Gelände etwas außerhalb des Stadtkerns. Ein Fußmarsch dorthin ist nicht zu empfehlen, denn wenn die Show beginnt, ist die Sonne längst untergegangen und die unwegsamen Straßen außerhalb des Zentrums sind dann teilweise nicht mehr beleuchtet. Einfacher ist es, für wenige Dollar mit dem Tuk-Tuk zum Phare Circus zu fahren, jeder Tuk-Tuk-Fahrer weiß genau, wo es liegt. Am Gelände angekommen, siehst du sofort das Phare-Logo.

 

Empfehlenswerter Souvenirshop

Nach Betreten des Geländes stehst dann vor dem Souvenirshop, in dem du noch etwas Wartezeit verbringen und dich in die Einlass-Schlange einreihen kannst. Auch ein Restaurant und (tatsächlich gute) Toiletten finden sich auf dem Gelände. Im Souvenirshop gibt es allerlei Kunsthandwerk, Textilien und andere Souvenirs, die im Gegensatz zu den üblichen aus China importierten Markt-Gegenständen wirklich hochwertiges lokales Handwerk sind.
Teilweise werden die Souvenirs von der Kunstschule selbst hergestellt, teilweise stammen sie von anderen Handwerksbetrieben in Siem Reap – aber hier ist definitiv nichts importiert.

An der Kasse bekommst du auch die wiederverwendbaren Trinkflaschen von Refill Not Landfill Asia mit dem schönen bunten Phare-Logo. Natürlich sind die Preise hier deutlich höher als auf den Märkten, dafür findest du aber das ein oder andere wirklich einzigartige Mitbringsel.

 

Location

Die Schlange für den Einlass wird vermutlich mittlerweile länger, und schon bald geht es los ins Zelt, das sozusagen im Hinterhof steht. Dieses Zelt bietet Platz für 300 Zuschauer und eine Manege und erinnert auf den ersten Eindruck wirklich sofort an ein ganz typisches Zirkuszelt.
Du kannst und solltest dir beim Betreten des Zeltes einen der Fächer greifen, die hier ausgeliehen werden, denn nach wenigen Minuten steht im Zelt die stickige Tropenluft.

 

Inhalte der Show

Die Show beginnt mit einem Kurzfilm über die Organisation Phare Ponleu Selpak, anschließend betritt die Band die Bühne und fängt an, zu spielen. Kurz darauf legen die Artisten mit ihrer Akrobatenshow los und ziehen sofort alle in ihren Bann. Die Show ist schnell, mitreißend und turbulent, die Energie ist fesselnd. Je nach Thema der Show, welches von Zeit zu Zeit wechselt, werden auch ernste Hintergründe verarbeitet und es gibt ruhige Momente.

 

Die Vorstellung, die ich gesehen habe, lautete »Khmer Metal« und handelte von einem typischen Abend in einer Bar, mit Alkohol, Musik, Liebschaften und Rangeleien. Die etwa anderthalb Stunden, die die Vorführung dauerte, vergingen wie im Flug, kurzweiliger hätte der Abend kaum sein können.

Nach der Show stehen die Artisten sogar noch für einen Plausch und Fotos bereit. Ich kann jedem nur empfehlen, in dieses Stück kambodschanischer Kunst abzutauchen. Auch für Reisende mit Kindern ist ein Besuch des Circus Phare eine ganz tolle Abwechslung zu Tempeln und Märkten.

 

Text und Fotos: Josie

Josie lebt in Hamburg und hat vor ein paar Jahren ihr Herz an Südostasien verloren. Hauptberuflich sitzt sie im Büro, aber ihre Leidenschaft sind unentdeckte Orte, unbekannte Speisen, und natürlich, all das zu fotografieren. Neben ihrer großen Liebe Bangkok, zu der sie immer wieder gern zurückkehrt, entdecken sie und ihre Kamera auf jeder Reise neue Dinge, von denen sie gerne berichte. Weitere Bilder und Geschichten von Josie findest du bei Instagram, Nutzername: like_a_gipsy

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Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

Veröffentlicht von Stefan Diener am 6. September 2018. Zuletzt aktualisiert am 6. September 2018.

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