Angkor: Auf dem Grand Circuit faszinierende Tempel entdecken

Die meisten Besucher von Angkor schauen sich auf einer Standardroute die bekanntesten Tempel an. Wer sich jedoch auf den Grand Circuit begibt, kann abseits der Touristenmassen viel Neues entdecken. Hier findest du Tipps und einen Routenvorschlag.

Vor einigen Jahren hat mir der »Small Circuit« (Circuit = Rundgang/Rundfahrt) in Angkor den Atem geraubt, dieses Jahr war es der »Grand Circuit«. Deshalb möchte ich jetzt mit dir über Tempel sprechen, wohl wissend, dass das kulturgeschichtliche Interesse vieler Reisender gänzlich erschöpft ist, sobald sie den Sonnenaufgang in Angkor Wat gesehen haben.

Das ist völlig okay, man muss Tempel wie ein Kunstwerk betrachten, in das einige sich Schockverlieben, das aber dem großen Rest der Menschheit einfach egal ist. Ich selbst habe über die Hobbyfotografie zu Tempeln und ihrer Geschichte gefunden, denn sieht man genau hin, gibt es selbst bei identisch aussehenden Tempeln feine Unterschiede, die eine große Bedeutung haben oder hatten.

Obwohl man über das Thema theoretisch auch mehrfach promovieren kann, möchte ich dir heute den Grand Circuit und seine Tempel nur in Kurzform vorstellen – dann kannst du neugierig werden, oder auch eben nicht.

 

Bei meinem ersten Besuch in Kambodscha hat die Zeit in Siem Reap leider nur für den kleinen Rundkurs, den »Small Circuit«, gereicht. Dieser ist quasi die touristische Standardroute. Ganz zu Recht, denn zu ihm gehören einige die berühmtesten Tempel. Mehr über den »Small Circuit« erfährst du hier. Üblicherweise beginnt der Tag mit dem Besuch von Angkor Wat und endet mit Ta Prohm, dem Tomb-Raider-Tempel. Da viele Touristen beim ersten Besuch in Siem Reap ähnlich wenig Zeit haben wie ich, kaufen sie sich einen Ein-Tages-Pass, und deshalb reicht die Zeit nicht für weitere Tempel.

Nun sprechen wir mal über den Grand Circuit, der genau deshalb nur noch von einem Bruchteil der Angkor-Touristen besucht wird. Schade eigentlich, denn wenn du statt eines Ein-Tages-Tickets ein Drei-Tage-Ticket kaufst, kannst du beide Rundkurse ganz entspannt machen.

Grand Circuit: die Route

Frühes Aufstehen ist für den Grand Circuit nicht notwendig. Je nachdem, wie intensiv du die einzelnen Tempel erkunden möchtest, reicht es aus, kurz nach dem Mittag aufzubrechen und bis zum Sonnenuntergang zu bleiben. Gängige Praxis ist es, sich einen Tuk-Tuk-Fahrer für den Ausflug zu engagieren – das geht auch spontan. Weiterhin gängig ist folgende Route: Preah Khan, Neak Pean, Tom Som, East Mebon und – zum Schluss – Pre Rup.

Preah Khan

Der Tempel Preah Khan ähnelt auf den ersten Blick Ta Prohm, dem Tomb-Raider-Tempel. Er wirkt verfallen, eher wie eine Ruine, und ist teilweise ebenfalls von Würgefeigen und Kapok-Bäumen überwuchert. Er ist sehr viel weniger bekannt als sein optischer Vetter Ta Prohm, aber nicht weniger schön. »Preah Khan« bedeutet übersetzt »Heiliges Schwert«. Gebaut wurde er im späten 12. Jahrhundert unter König Jayavarman VII. Man vermutet, dass der Tempel während der Bauzeit von Angkor Thom als provisorische Hauptstadt diente. Der Preah Khan ist der mit Abstand größte Tempel des Grand Circuit. Wenn du dort ankommst, siehst du ein großes Tor ähnlich des South Gate von Angkor Thom, und dann läufst du noch ein Stück, bevor du am Tempel selbst ankommst.

 

Neak Pean

Weiter geht es zum Neak Pean – der wirklich keinem anderen Tempel ähnelt. Der Neak Pean (übersetzt: »ineinander gewundene Schlangen«) befindet sich auf einer künstlichen Insel im Zentrum eines großen Wasserbeckens, dem nördlichen Baray. Die Barays wurden zur Blüte Angkors als Wasserreservoirs angelegt und machten verhältnismäßig viele Ernten möglich – ein Grund für Angkors damaligen Wohlstand.

 

Zum eigentlichen Tempel gelangst du über einen etwa 200 Meter langen Holzsteg. Von hier aus hast du einen tollen Blick über die fast surreal wirkende Szenerie: Aus dem Wasserbecken wuchern knorrige Bäume und andere Pflanzen, hinter dem Wasserbecken siehst du dichten Dschungel, Wasserschlangen und kleine Fische bahnen sich ihren Weg, gejagt von Vögeln und Anglern.

 

Es fällt fast schwer, den Steg zu verlassen. An der Insel angekommen, siehst du sofort den relativ kleinen Tempel Neak Pean mit seinen fünf Wasserbecken. Die ganze Anlage ist schön, weil sie so anders ist – auch wenn der eigentliche Tempel, der ebenfalls im 12. Jahrhundert unter Jayavarman VII errichtet wurde, vielleicht nicht sehr beeindruckend ist.

 

Ta Som

Die dritte Station ist Ta Som. Auch dieser erinnert ein wenig an Ta Prohm: Ruinenartig, eingebettet in dichtem Grün, und dabei sehr wenig besucht. Auch hier war König Jayavarman VII der Bauherr, König Indravarman II ergänzte diesen später nur um die äußere Mauer.

 

Erbaut wurde der Tempel für Som, den Mentoren Jayavarmans. Und auch, wenn der Tempel eher zu den kleineren und nicht ganz so bedeutungsschweren gehört: Wie vielen Lehrern auf dieser Welt wurde schon eine solche Ehre zuteil?

 

East Mebon

Kommen wir zum East Mebon, dessen Baustil plötzlich sehr anders ist als der seiner Vorgänger. Es handelt sich hier um den Pre-Rup-Stil, den zur Abwechslung nicht Jayavarman prägte, sondern einer der unbekannteren Könige Angkors: Rajendravarman II. Er war von 944 bis zu seinem Tod 968 an der Macht.

 

Du siehst sofort, dass hier anderes Baumaterial verwendet wurde, denn der Sandstein ist eher gelblich im Gegensatz zum Steingrau seiner Vorgänger auf dem Grand Circuit. Der East Mebon liegt im östlichen Baray, das heute ausgetrocknet ist, und wurde über mehrere Ebenen erbaut. Treppensteigen ist also angesagt.

Der Tempel ist quadratisch angelegt, und auf der untersten Ebene findest du an jeder Ecke gut erhaltene und wunderschöne Elefanten-Statuen. Als Besucher hat man hier seine Ruhe, auf die Anlage verirren sich nur noch sehr wenige Touristen.

Ist der Zeitplan aufgegangen, dürfte der Tag jetzt langsam in den Abend übergehen. Sonnenuntergang in Siem Reap ist gegen 18:30 Uhr, und zu der Zeit ist es sehr empfehlenswert, sich auf die Spitze des Pre Rup Tempels zu begeben. Von dort oben aus hast du den besten Blick auf die untergehende Sonne. Das hat sich scheinbar herumgesprochen, denn hier ist plötzlich wieder deutlich mehr los.

Pre Rup

Den East Mebon kann man fast als architektonische Vorhut des Pre Rup betrachten, denn der Baustil ist, wie bereits erwähnt, sehr ähnlich und vom gleichen Erbauer – jedoch ist der Pre Rup um einiges höher, größer und prächtiger.

Die Stufen bis ganz nach oben zu erklimmen, ist anstrengend, und da diese sehr schmal sind, pass bitte gut auf. Oben ausrutschen und hinunterpurzeln möchtest du nicht! Die Plackerei lohnt sich aber, denn von oben hast du einen tollen Blick über Reisfelder und den Dschungel, und bei klarem Himmel kannst du einen tollen Sonnenuntergang genießen.

 

Nach dem Sonnenuntergang ist es Zeit, wieder nach Siem Reap zurückzukehren. Wahrscheinlich bist du dann ziemlich kaputt und voller Eindrücke.

 

Infos zur Tour

Nur ein paar letzte Informationen: Eine Grand-Circuit-Tour kostet mit dem Tuk Tuk ungefähr 15 bis 18 Dollar plus Trinkgeld. Seit einiger Zeit kannst du in Siem Reap auch Roller mieten und die Tour theoretisch auf eigenen Faust unternehmen. Mach dich dazu aber unbedingt vorher mit dem Angkor Park und dem Weg vertraut, das Areal ist riesengroß. Auf Wikivoyage gibts eine Übersicht, am Ticketschalter in Angkor liegen auch kostenlose Karten zum Mitnehmen aus.

 

Wenn du einen Tuk Tuk Fahrer für den Tag anheuerst, kannst du mit ihm auch eine Erweiterung des Ausflugs abstimmen, denn der Grand Circuit lässt sich super mit vielen anderen Sehenswürdigkeiten verbinden. Es bietet sich zum Beispiel an, vorher den Banteay Srei zu besuchen. Dieser liegt 30 bis 45 Tuk-Tuk-Minuten vom Angkor Park entfernt, aber der Ausflug lohnt sich sehr, denn der aus rotem Sandstein erbaute Tempel ist wunderschön.

 

Auf dem Weg zum Banteay Srei finden sich auch das Landmine Museum und die Butterfly Farm sowie der Kbal Spean und der Banteay Samré. Du kannst dir den Ausflug also nach deinen Wünschen zusammenstellen, je nachdem, ob dir ein halber Tag reicht oder du einen ganzen Tag Action haben möchtest. Langweilig wir dir hier sicher nicht.

 

Text und Fotos: Josie

Josie lebt in Hamburg und hat vor ein paar Jahren ihr Herz an Südostasien verloren. Hauptberuflich sitzt sie im Büro, aber ihre Leidenschaft sind unentdeckte Orte, unbekannte Speisen, und natürlich, all das zu fotografieren. Neben ihrer großen Liebe Bangkok, zu der sie immer wieder gern zurückkehrt, entdecken sie und ihre Kamera auf jeder Reise neue Dinge, von denen sie gerne berichte. Weitere Bilder und Geschichten von Josie findest du bei Instagram, Nutzername: like_a_gipsy


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Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

Veröffentlicht von Stefan Diener am 24. Juli 2018. Zuletzt aktualisiert am 24. Juli 2018.

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