Von Nationalpark bis Krabbenmarkt – Tipps für deine Reise nach Kep

Der kleine Küstenort nahe der Grenze zu Vietnam war einst ein beliebtes Seebad. Heute geht es in Kep eher ruhig zu. Doch gerade das macht den Reiz für jene aus, die sich in Kambodscha etwas abseits der Standardrouten bewegen wollen. Hier findest du Tipp zu Anreise und Unterkünften sowie die besten Sehenswürdigkeiten.


Kep ist eine Provinz an der Küste im Süden Kambodschas und grenzt direkt an die Provinz Kampot, die für ihren Pfeffer berühmt ist. 2016 hat es uns für ein paar Tage in die gleichlautende Provinzhauptstadt verschlagen, ein ruhiges Örtchen mit ungefähr 13.000 Einwohnern.

Kep war einst der Hotspot zum Ausspannen für die Reichen und Schönen, doch leider haben auch hier die Herrschaft der Roten Khmer und der Bürgerkrieg vieles zerstört. Die Gegend erholt sich zwar langsam, internationaler Tourismus findet hier jedoch kaum statt. Dafür bekommst du einen Einblick in das ganz normale, unverfälschte und ländliche Leben der Einheimischen. Die Uhren ticken hier deutlich langsamer als in Siem Reap oder Phnom Penh. Kaum jemand spricht verständliches Englisch, es gibt keine Fabriken oder Industrie, und als Tourist musst du nach Geldautomaten oder kleinen Shops suchen – du findest sie aber.

In Kep angekommen fährst du an einer riesigen Krebsstatue im Meer vorbei. Sie ist Wahrzeichen und Programm in einem, denn Kep ist vor allem für Krebsfischerei und exzellentes Seafood bekannt.

 

Unterkommen – Hotels in Kep

Es gibt in Kep Hotels und Gästehäuser für jedes Budget. Generell ist die Gegend sehr günstig, sowohl im Hinblick auf die Unterkünfte als auch die Verpflegung vor Ort. Wir hatten uns schon im Vorfeld für die Kep Lodge entschieden. Ein schönes Hotel, inmitten toller Natur mit Blick zum Meer. Gerne würde ich eine Buchungsempfehlung aussprechen, jedoch hat der Besitzer gerade gewechselt, und die Unterkunft im Moment nicht buchbar. Nach meinen Informationen ist aber davon auszugehen, dass sowohl Hotel als auch Restaurant demnächst weiterbetrieben werden – nähere Infos findest du auf der Facebook-Seite der Kep Lodge. Die Anlage ist wunderschön bewachsen mit Pflanzen und Blumen und es gibt auch einen Pool. Einige Zimmer bieten direkten Meerblick.

Für das schmalere Budget sind die „Khmer House Bungalows“ sehr zu empfehlen. Wir haben während unseres Aufenthalts die Besitzer kennengelernt, ein sehr freundliches junges Ehepaar, bei dem Gastfreundschaft großgeschrieben wird.

Hier findest du weitere Unterkünfte in der Übersicht:

Herumkommen – Fortbewegung in Kep

Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht, am besten bewegst du dich zu Fuß, per Tuk-Tuk oder du mietest dir für 6 – 8 USD pro Tag einen Roller. Letzteres ist sehr zu empfehlen, da es wenig Verkehr gibt, die Straßen aber für südostasiatische Verhältnisse gut ausgebaut sind. Wir haben an zwei von vier Tagen einen Roller gemietet und es sehr genossen, die Gegend zu erkunden, Reisfelder zu fotografieren und Smalltalks mit Einheimischen zu führen. Ein tolles, sehr freies Gefühl. Bei einem unserer Zwischenstopps winkte uns ein älterer Mann freudig zu und rief „Merci! Merci beaucoup!“ Die ehemalige Kolonialherrschaft lässt auch hier grüßen. Aber genau solche Begegnungen sind es, die Kep ausmachen. Die Gegend ist, wenn man so will, touristisch noch nicht sehr verbraucht.

 

Essen – Restaurants und Streetfood in Kep

Bist du hungrig, empfiehlt sich ein Besuch des Crab Market. Dort gibt es eine Reihe an Restaurants, die zu sehr günstigen Preisen alles bieten, was das Meer so hergibt. Zum Essen wird meist ein köstlicher Dip aus Kampot-Pfeffer und Limettensaft gereicht, manches, wie z.B. Krebse, wird auch in Kampot-Pfeffer mariniert und frisch gegrillt serviert. Ehrlich, ich hab schon viel Seafood in meinem Leben gegessen, aber das in Kep sucht seinesgleichen.

 

Beim Essen hast du einen herrlichen Blick auf den Golf von Thailand und kannst Krebsfischern bei der Arbeit zusehen. Abends besteht die Möglichkeite, leckere Cocktails für 1-2 Dollar zutrinken und dabei die tollen Sonnenuntergänge zu genießen (wenn du Glück mit dem Wetter hat).

 

Gegessen haben wir u.a. im »The Democrat«, hier wird berühmten Demokraten gehuldigt, z.B. hängen Porträts von Barack Obama und John F. Kennedy an den Wänden. Einen Tag später besuchten wir das genau so wunderbare »Kep Sur Mer«, dort haben wir mehrmals gegessen und sind heute noch mit dem netten Besitzer in Kontakt.

 

 

Tagesausflug in den Kep Nationalpark

Ein vor Ort bekanntes Ausflugsziel ist der Kep Nationalpark – ein Naturschutzgebiet, das etwas erhöht liegt und daher tolle Aussichten auf die Gegend und das Meer bietet. Von der Kep Lodge aus konnten wir einen Schleichweg hinaufgehen, wahrscheinlich gibt es davon mehrere im Ort. Als wir losgelaufen sind, folgte uns einer der Hunde vom Hotel, natürlich ohne Leine und ohne, dass wir seinen Namen kannten. Hey, wir sind hier in Asien, was ist bitte eine Hundeleine? War auch gar nicht nötig, denn »Rüdiger«, wie wir ihn mittlerweile getauft hatten, lief auch so bei Fuß.

 

Der Kep Nationalpark ist nicht besonders groß, gut beschildert und es gibt einen Wanderweg, dem du einfach nur folgen musst. Dieser bietet für die ambitionierteren Wanderer verschiedene zusätzliche Trails. Bleibst du auf dem Hauptweg, läufst du im Prinzip einmal eine Runde. Bei gemütlichem Tempo und mit Zeit zum Fotografieren bist du einen Nachmittag unterwegs.

 

Im Nationalpark angekommen, kann es sein, dass du einem „Ranger“ begegnest, der eine kleine Eintrittsgebühr von 1.000 Riel kassiert. Diese ist legitim und du bekommst dafür einen Beleg ausgestellt. Die Erlöse werden, so möchte man mal glauben, für den Erhalt des Nationalparks eingesetzt.

 

Es gibt sicher aufregendere Nationalparks, aber wer Lust auf Natur und Ruhe hat, kommt hier auf seine Kosten. Die Vegetation ist wunderschön, es gibt große alte Bäume, bunte Pflanzen und auch ein paar Tiere. Die erste Tiersichtung haben wir Rüdiger zu verdanken, der plötzlich ganz unruhig wurde und anfing, zu bellen. Als wir sahen warum, war die Freude groß: Er hatte für uns Makaken entdeckt.

 

Wir hörten die Affen während unseres ganzen Rundgangs und sahen sie auch von weitem in den Bäumen umherspringen. Wahrscheinlich leben dort auch andere Arten, wer weiß das schon so genau. Ansonsten gibt es hier Vögel, schöne Schmetterlinge und wahrscheinlich ziemlich viele Insekten und Reptilien. Informationen findet man dazu wenig.

 

Ab und zu grenzt der Wanderweg an das Grundstück eines Einheimischen, deshalb kannst du auch Kühen, Schafen und Ziegen begegnen. Wir hatten eine kleine Konfrontation mit einer Kuh, die es wenig lustig fand, dass sich Rüdiger ihr näherte – und uns alle daraufhin vertrieb. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe nie zuvor eine wütende Kuh gesehen. Die Kuh sollte aber auch nicht das einzige Tier sein, das sich an unserer Anwesenheit störte …

 

Hunde

Wie bereits im Artikel über Kampot zu lesen ist, hat die Region ein großes Hundeproblem. Und auch, wenn die Hunde nicht unbedingt auf Menschen losgehen, so verteidigen sie durchaus ihr Revier gegenüber anderen Hunden – z.B. gegenüber unserem Anhang Rüdiger. Wir sind, das muss ich zugeben, zum Ende unseres Ausflugs im Nationalpark etwas vom Weg abgekommen, da die Beschilderung an einer Stelle nicht eindeutig war. So fanden wir uns auf einem Weg wieder, der abseits des Wanderwegs lag und eher in den Ort reinführte. Kein Problem, dachten wir, denn das Meer am Horizont war uns stets eine gute Orientierungshilfe. Das Problem war eher, dass wir an vielen Höfen und Häusern vorbeikamen, wo es scheinbar überall Wachhunde gab, die wirklich sofort auf Rüdiger losgingen. Durch den Tumult wurden immer mehr Hunde auf den Plan gerufen und das Chaos war perfekt.

Tief geschockt sind wir langsamen Schrittes weitergelaufen, in der Hoffnung, dass Rüdiger uns einfach folgen würde und die anderen Hunde von ihm ablassen. Rüdiger gab sich zum Glück devot gegenüber seinen Artgenossen und folgte uns nach ein paar Minuten tatsächlich. Wir wurden noch ein paar Meter verfolgt, dann ließ die Meute uns in Ruhe. Zum Glück ging die Situation gut aus, aber mir ist klar geworden, dass diese Hunde mindestens halbwilde Tiere sind, von denen man sich wirklich fernhalten sollte. Wir erzählten die Geschichte im Hotel, und dort sagte man uns, im Notfall sollten wir Steine schmeißen. Ich bin heute noch heilfroh, dass es nicht so weit kommen musste. Man muss aber an dieser Stelle auch betonen, dass die Hunde sich überhaupt nicht für uns Zweibeiner interessiert haben, sondern Rüdiger als Eindringling ausgemacht haben.

 

Crab Market

Ein Ausflug zum Crab Market gehört definitiv dazu, wenn man in Kep ist. Der Markt ist jeden Tag von morgens bis spät abends geöffnet und befindet sich sozusagen im Ortskern an der Küste – die vielen Roller und bunten Sonnenschirme kannst du nicht übersehen. Wir haben uns leider dafür entschieden, mittags loszulaufen, um auf dem Markt zu essen. Leider für mich keine gute Idee, denn die Mittagshitze und der nüchterne Magen hatten bei mir fast einen Kreislaufkollaps zur Auswirkung. Selbstverschuldet versteht sich. Dabei hätte ich auch für zwei Dollar Tuk-Tuk fahren können.

 

Nachdem ich etwas getrunken und mich kurz im Schatten ausgeruht hatte, konnten wir uns aber dem bunten Treiben vor Ort widmen. Der Markt ist nicht groß, bietet aber alles, was du von einem Markt erwartest: Essen (insbesondere Seafood in allen Varianten), aber auch kleine Souvenirs, Kleidung, und was man sonst zum Leben braucht. Auf dem Crab Market trifft man kaum ausländische Touristen, deshalb ist das Erlebnis sehr authentisch. Mit Fischgeruch solltest du allerdings keine Probleme haben.

 

Fazit zu Kep

Wer Party und Action sucht, ist hier absolut falsch, so viel ist sicher. Eine Art Nachtleben findet höchstens an den kleinen Hotelbars statt. Wer aber Ruhe und gutes Essen schätzt und das authentische Kambodscha erleben möchte, wird hier eine wunderbare Zeit haben. Ich würde immer wieder kommen.

 

Weitere Reisetipps für Kep

Hier noch ein paar Infos zur Reiseplanung:

 

Gesundheit

Ein paar Gesundheitstipps möchte ich dir gerne noch mit auf den Weg geben:

  • Vermeide Kontakt zu den Hunden. Du kannst ihnen nicht helfen, und sie verhalten sich nicht wie die domestizierten Hunde zu Hause. Generell meiden die Hunde jedoch den Kontakt zu Menschen, da die Einheimischen nicht gerade freundlich zu ihnen sind und die meisten schon ihre Lehre draus gezogen haben. Für alle Fälle schadet eine Tollwutimpfung nicht.
  • Achte – im Gegensatz zu mir – auf die Hitze. Bleib im Schatten, überanstrenge dich nicht, und trinke genug. Es kann sehr heiß werden im Süden.
  • Da es sich um eine sehr ländliche Gegend handelt, gibt es hier natürlich Mücken, und das bedeutet: Die Gefahr, sich mut Malaria, Denguefieber, Zika oder dergleichen mehr zu infizieren, ist zumindest gegeben. Am besten ist es, gar nicht gestochen zu werden. Deshalb solltest du auf jeden Fall die einschlägig bekannten DEET-Produkte dabeihaben und diese auch regelmäßig benutzen. Im Nationalpark kannst du dich zusätzlich mit langer, heller Kleidung schützen. Lass ggf. nach der Reise bei einem Tropenmediziner dein Blut untersuchen, wenn du gestochen wurdest. Manche Tropenkrankheiten können sehr lange Inkubationszeiten haben, manche Fälle verlaufen auch komplett ohne Symptome. Lass dich hierzu beim Tropenmediziner beraten.
  • Die medizinische Versorgung ist unzureichend, denk also an deine Medikamente, falls du diese regelmäßig nehmen musst oder du besonders anfällig für etwas bist. Hier findest du Tipps zur Reiseapotheke.

 

Anreise & Weiterreise

Die Anreise lässt sich auf vielen Wegen gestalten. In Kambodscha gibt es in jedem mittelgroßen Ort Reiseunternehmen, die fast alles für dich organisieren, auch eine Fahrt nach Kep. Alternativ kann man nach Sihanoukville oder Phnom Penh fliegen und von dort aus mit einem Bus oder einem privaten Taxi die zwei bis vier Stunden Fahrt nach Kep antreten. Wir sind von Siem Reap nach Phnom Penh geflogen und wollten vor Ort mal sehen, was sich ergibt. Sobald wir aus dem Airport herausgetreten waren, wurden wir von einem Heer an Fahrern begrüßt, die uns alle sehr gern mit ihrem Taxi nach Kep bringen wollten – also alles kein Problem. Nach einigem Hin und Her haben wir uns für den sympathischsten Fahrer entschieden, der uns für rund 50 Dollar nach Kep gefahren hat. Die Fahrt dauert ungefähr 3 Stunden und ja, natürlich kann man diese günstiger mit dem Bus bekommen. Für uns war es einfach, bequem und schnell.

Das gleiche gilt für die Weiterreise. Es bietet sich z.B. an, nach dem Natur-Erlebnis ein paar Strandtage in Sihanoukville oder auf den Inseln Koh Rong oder Koh Rong Samloem einzulegen. Nach Sihanoukville kommst du binnen 3-4 Stunden mit dem Minibus. Einfach im Hotel oder bei den örtlichen Reiseagenturen nachfragen.

Kep liegt nahe an der Grenze zu Vietnam. So nah, dass ich teilweise vietnamesisches Mobilfunknetz empfangen habe. Eine Weiterreise nach Vietnam über Land ist kein Problem, auch das organisieren die Agenturen vor Ort gerne.

 

Text und Foto: Josie

Josie lebt in Hamburg und hat vor ein paar Jahren ihr Herz an Südostasien verloren. Hauptberuflich sitzt sie im Büro, aber ihre Leidenschaft sind unentdeckte Orte, unbekannte Speisen, und natürlich, all das zu fotografieren. Neben ihrer großen Liebe Bangkok, zu der sie immer wieder gern zurückkehrt, entdecken sie und ihre Kamera auf jeder Reise neue Dinge, von denen sie gerne berichte. Weitere Bilder und Geschichten von Josie findest du bei Instagram, Nutzername: like_a_gipsy.

 


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Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

Veröffentlicht von Stefan Diener am 20. Januar 2018.

Kommentare1 Kommentar

  1. Auch hier: Es gibt einen sehr schönen Lost Place in Kep. Alte Häuser und Villen, die in früheren Zeiten von Franzosen bewohnt, dann aber durch die Roten Khmer vertrieben wurden. Es ist mehr eine Art „Ghost City“. Ich habe im letzten Jahr ca. 10 freistehende Häuser gefunden, die man allesamt betreten kann. Geschichten zufolge fürchten sich die Kambodschaner vor Geistern und haben diesen Teil der Stadt lange Zeit nicht betreten.

    Wenn man sich an diesem Kreisel / Denkmal befindet (die Straßen sind hier wie ein Schachbrett angelegt), einfach mal kreuz und quer fahren.

    https://www.google.de/maps/place/Unnamed+Road,+Krong+Kaeb,+Kambodscha/@10.4841255,104.3127188,17z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x3109cd68b3eb5231:0xc7c36a968756fb7a!8m2!3d10.4841202!4d104.3149075

    Auch entlang der Küstenstraße vom Krabbenmarkt Richtung Strand sieht man Ruinen. Es muss grundsätzlich noch mehr Häuser geben, die allerdings nicht so einfach zu finden sind.

    Hier ein Bild aus dem letzten Jahr: http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=28251d-1516530315.jpg

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