»Kinderfreundlichkeit ist in Asien weit verbreitet«

Eine junge Familie aus Frankfurt reist mit Rucksack und Babytrage durch Südostasien und berichtet darüber auf YouTube. Im Interview blicken wir zurück auf ihre Erlebnisse im ersten halben Jahr.

 

Sandhya (24) und Benedict (28) machen das, wovon viele andere Eltern träumen, nämlich Südostasien mit Kind zu erkunden. Zusammen mit ihrem einjährigen Sohn Liam verbringen sie Zeit an den Stränden Thailands, in den Reisfeldern Balis sowie in den Bergen Vietnams.

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Ihr Sohn entdeckt sich und die Welt, während die beiden das Glück genießen, ihm dabei zusehen zu können. Du kannst das übrigens auch, denn die beiden betreiben mit »Life with Sandy and Benni«  einen eigenen YouTube-Kanal.

Dort zeigen sie nicht nur Reise-Impressionen. Sie berichten zudem über ihre Erfahrungen und beantworten Fragen von Zuschauern.

Du findest die Drei übrigens auch auf Facebook und Instagram.

 

Nachfolgend habe ich Sandy und Benni zu ihren Erfahrungen in den ersten sechs Monaten ihrer Reise befragt:

 


 

Interview

 

Aktuell befindet ihr euch auf Weltreise – wo seid ihr momentan und wie gefällt es euch dort?

Wir sind gerade in Indonesien auf den Gili-Inseln und es ist traumhaft hier: die Strände, das tolle türkisblaue Meer und die Stimmung. Und unser kleiner Mann kann den ganzen Tag ohne Windel herumlaufen – einfach klasse!

 

Seit wann seid ihr unterwegs und welche Länder habt ihr bisher bereist?

Unsere Weltreise startete am 6. Februar 2015. Wir sind von Frankfurt aus direkt nach Bangkok geflogen. Dort haben wir erstmal den Jetlag verarbeitet. Danach ging es weiter nach Koh Chang, dann nach Kambodscha, Vietnam, Indonesien (Bali, Lombok, Gili-Inseln), Singapur und Sri Lanka.

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Wo hat es euch am besten gefallen?

Das ist nur schwer zu beantworten. Alles hatte seine tollen Seiten. Wir sind über jedes einzelne Land froh, das wir es bereisen durften. Überall haben wir viel gelernt, wundervolle Natur und jede Menge Kultur erlebt.

Thailand ist für uns mittlerweile zu einer zweiten Heimat geworden. Dieses Land können wir sehr empfehlen. Für Asien-Einsteiger ist es das optimale Ziel, um mit dem individuellen Reisen zu beginnen.

Unsere neue Liebe heißt Bali: die Stimmung, die Menschen, das Essen (vor allem in Ubud).

 

Wie alt war euer Kind zu Beginn der Reise?

Als wir vor sieben Monaten gestartet sind, war Liam ein halbes Jahr jung.

 

Mit dem Kind durch Südostasien – einfach oder schwer?

Einfach! Liam ist das beste Travel-Baby! Wir haben bisher nur positive Erfahrungen gesammelt.

Die Asiaten lachen viel mit Liam und nehmen ihn uns oft beim Essen ab. So hatten wir im Restaurant fast immer eine Nanny. Das war sehr angenehm!
Natürlich war das anfangs auch neu für uns. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen und Vertrauen aufbauen. Mit der Zeit konnten wir das aber immer besser genießen.

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Welche Erfahrungen habt ihr unterwegs gesammelt? Was hat euch überrascht?

Ui. Wo sollen wir da anfangen!? Es waren bisher wahnsinnig viele Erfahrungen. In der „kurzen Zeit“ – wir wollen am liebsten Jahre lang weiterreisen! – ist wirklich eine Menge passiert.

Die Zeit hier auf Reisen läuft anders. Wir beschäftigen uns noch mehr mit uns und finden immer wieder passende Spiegel im Außen.

Das Reisen lehrt uns, gelassen zu sein und bringt uns schneller zu uns selbst. Vieles stellen wir in Frage: alte Gewohnheiten, Vorurteile, ja sogar Glaubenssätze oder eigene Werte.

Eine ganze Reihe Sachen können wir uns wirklich von den Asiaten abschauen. Zum Beispiel die Gelassenheit und Ruhe, wie sie an die meisten Dinge herangehen. Das kann uns als Europäer manchmal wahnsinnig machen, wenn es doch schnell gehen soll, aber es ist auch eine hohe Kunst!

 

Welche Tipps habt ihr für andere Eltern, die ebenfalls unter Fernweh leiden?

Sachen packen, Kinder anziehen und ab in den nächsten Flieger. Zu viele Sorgen über eventuelle Krankheiten machen nur verrückt. Wenn wir nur so denken, dürfen wir morgen nicht mehr über die Straße laufen. Aber klar: Jeder muss es wirklich für sich selber fühlen und den Entschluss fassen, loszuziehen.

Nutzt auf alle Fälle die Elternzeit und verbringt gemeinsam eine unvergessliche Zeit als Familie. Das Miteinander auf Reisen mit Kind ist einfach noch viel intensiver. Wir lieben es!

Sucht nicht Ausreden wie Schule oder Sonstiges. Denn es gibt immer eine Lösung, wenn ihr wirklich möchtet.

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Worin unterscheidet sich das Reisen mit Kind im Vergleich zu eurem vorherigen Traveller-Leben?

Nicht sehr viel. Eigentlich machen wir alles, wonach uns ist. Liam wird überallhin mitgenommen, wir haben ihn meist in unserer Babytrage dabei.

Zwei Dinge fallen uns noch spontan ein, die wir sicherlich gerne ohne Kind gemacht hätten: Meditation bei den Mönchen im Norden Thailands und einen Wasserfall herunterklettern. Es ist aber o.k. für uns, dass wir das erst mal nach hinten verschieben.

Abends können wir nicht mehr so lange unterwegs sein, diese Einschränkung nehmen wir jedoch gerne in Kauf für so ein tolles gemeinsames Erlebnis.

 

Thailand, Indonesien, Vietnam, Kambodscha – wo war das Reisen mit Kind am einfachsten (z.B. im Hinblick auf Kinder-relevante Einkaufsmöglichkeiten, Kinderfreundlichkeit, etc.)?

Am Einfachsten war es sicherlich in Thailand. Wir glauben, es ist wirklich ein sehr kinderfreundliches Land. Und da es dort so viele Touristen gibt, vermisst man als Europäer herzlich wenig. Aber auch in den anderen Ländern hatten wir eigentlich nie Probleme. Und Kinderfreundlichkeit ist in ganz Asien weit verbreitet. Besonders in Vietnam überraschte es uns sehr, wie offen die Menschen uns gegenüber waren.

Einzig vor Reisen auf die etwas kleineren Inseln sollte man sich am besten vorher mit Windeln eindecken. Denn die sind dort entweder teuer oder gar nicht erst in der richtigen Größe vorhanden. Bisher hatten wir jedoch viel Glück.

 

Was hat nicht geklappt? Habt ihr irgendwo schlechte Erfahrungen gesammelt?

Sicher gibt es auch negative Erfahrungen, die wir auf der Reise sammeln. Allerdings keine so krassen, dass sie nicht verkraftbar wären. Es gehört dazu, so wie immer im Leben. Wir werden jedoch mit der Zeit sensibler und können uns häufiger auf unser Bauchgefühl verlassen.

In Kambodscha an der Grenze wurden wir bei der Wechselkurs-Rate etwas übers Ohr gehauen und zahlten leicht höhere Visa-Preise. Und das auch noch bei den offiziellen Behörden! Aber gut, wir haben daraus gelernt.

In Lombok wurde unserer Familie ein Laptop gestohlen. Da sollte man auf seine Sachen gut aufpassen. Sonst fühlten wir uns überall wohl und sicher.

 

Auf YouTube berichtet ihr Woche für Woche über eure Erlebnisse. Wann kam euch diese Idee, und wie viel Zeit investiert ihr dafür?

Es stand schon länger an, endlich mit Youtube zu beginnen. Um genau zu sein ein halbes Jahr vorher. Da wir bei einem Filmprojekt mitwirken – mehr dürfen wir noch nicht erzählen – machten wir bereits erste Erfahrungen, uns selbst zu filmen.

Wir stellten zwei bis drei Videos hoch – vollkommen unprofessionell und ohne Schnittprogramm. Auf der Weltreise waren wir dann wieder hoch motiviert und haben regelmäßiger etwas eingestellt.

Für uns war es komplettes Neuland, aber es hat immer mehr Spaß gemacht. Die eigene Kreativität wachsen zu sehen, war einfach nur toll. Außerdem besteht so die Möglichkeit, Freunde und Familie sowohl an der Reise als auch an Liams Entwicklung teilhaben lassen.

Durch YouTube entwickeln wir uns viel schneller weiter, da wir uns selbst von außen sehen können.

Es ist schon sehr viel Zeit, die wir in die Filme investieren. Aber da wir beide frei sind, und es unsere große Leidenschaft ist, machen wir das gerne. Für ein Video benötigen wir zwei bis 12 Stunden Arbeitszeit.

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Wie ist die Resonanz? Sowohl im Hinblick auf das Interesse als auch den Inhalt der Kommentare.

Super Feedback! Hammer Community! Wir sind begeistert! Damit haben wir im Traum nicht gerechnet. Es ist wirklich der Hammer, wie nett die Leute sind, und wie sie uns unterstützen. Sogar Menschen, die wir nie vorher getroffen haben.

Klar, es kommt auch manchmal Kritik dazu, bisher aber in der Regel nur so, dass wir für uns etwas daraus ziehen können, oder wir dadurch zu einem tollen Gespräch kommen.

Am häufigsten wollen unsere Zuschauer wissen, wie wir die Reise finanzieren, und wie wir das mit Baby machen im Hinblick auf zum Beispiel Untersuchungen und Impfungen.

 

Was habt ihr mit eurem YouTube-Kanal in Zukunft vor?

Er soll uns zeigen, so wie wir sind. Auch ungeschminkt, die volle Wahrheit. Wir haben bewusst vorher nicht jedes Mal Stunden in der Maske gesessen oder nur die besten Aufnahmen von uns reingestellt.

Die Videos sollen uns genauso mit unseren Fehlern und Macken wie mit unseren Vorzügen und Stärken zeigen. Wenn wir jemanden inspirieren, so ist das für uns das größte Kompliment und freut uns riesig.

Außerdem wollen wir informieren und Themen weitergeben, die uns am Herzen liegen. Irgendwie ein Stück weit die Leute sanft wecken und ihnen die Chance geben, mal ein bisschen die eigenen Muster und Gewohnheiten in Frage zu stellen, ohne gleich mit dem erhobenen Finger andere anzumahnen.

Wir glauben, dass unser YouTube Kanal sehr viele Schätze in sich trägt. Wir werden sie nach und nach freigeben.

 

Letzte Frage: Was sind die nächsten Stationen und wie lange wollt ihr unterwegs sein?

Zunächst bleiben wir jetzt erst mal für 6 Monate auf Bali und werden eventuell mal wieder etwas von Indonesien erkunden. Ein Zeitlimit haben wir uns nicht gesetzt.

Australien ist momentan das nächste Wunsch-Ziel. Wir entscheiden jedoch alles nach Gefühl und ziemlich spontan. Wir sind also selbst gespannt!

Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 16. September 2015. Zuletzt aktualisiert am 16. September 2015.

Kommentare (3)

  1. Ein wirklich sehr gelungenes Interview. Jeder Vater und jede Mutter, die dass liest, lernt hoffentlich, das alles möglich ist, auch mit Kind.

    Wenn man in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen, finanziell alles richtig kalkuliert und auch trotz der Herausforderungen, die das Leben stellt, auch Spaß hat, dann sollte man seinen Mut zusammenfassen und losziehen.

    Ich persönlich mag keine Ausreden. Sandhya und Benedict erfüllen sich trotz Kind ihren Lebenstraum. Ein Kind ist eine Ergänzung und Bereicherung im Leben und keine Belastung. Ich hoffe, dass mehr junge Eltern die Beiden hier als Beispiel nehmen.

    Ein super geführtes Interview, Stefan.

  2. Und es geht sogar mit zwei Kindern, wir machen mit unserer Jüngsten unsere zweite Elternzeit, leider nur drei Monate, aber es ist für uns als Familie eine unendlich beglückende Zeit. Zeit für uns 4. Sonne, Licht und Wärme. Früchte von morgens bis abends. Zeit die Kinder wachsen und lernen zu sehen. Die Wärme und Herzlichkeit der Balinesen zu genießen. Ein Traum! Außerdem hoffen wir Sandhya und Benni, nachdem wir sie in Ubud kennengelernt haben, in Australien (und Neuseeland?) wieder zu treffen 🙂

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