An den Schauplätzen des Vietnamkriegs: Tagestour in die DMZ

An kaum einem Ort sind die Spuren des Vietnamkriegs noch so deutlich zu sehen wie rund um die ehemals Entmilitarisierte Zone (DMZ) nördlich von Hue. Heute führen Soldaten von einst Touristen über den Ho-Chi-Minh-Pfad.

Im Jahr 1954 wurde der Ben Hai Fluss durch das Genfer Abkommen zur Demarkationslinie zwischen Nord- und Südvietnam erklärt. Ein Gebiet von jeweils fünf Kilometern zu beiden Seiten sollte bis zu den Wahlen 1956 militärfreies Niemandsland sein. Doch diese fanden nie statt.

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Der Ben Hai bildetete die Grenze zwischen Nord und Süd.

 

Stattdessen wurde die Entmilitarisierte Zone (kurz: DMZ – von der englischen Bezeichnung Demilitarised Zone) bis zur Wiedervereinigung des Landes 1975 de facto die Grenze zwischen Nord- und Süd-Vietnam.

Vor allem in der Zeit von 1967 bis 1972 war das Gebiet schwer umkämpft. Nirgendwo sonst gab es so viele Opfer. Die Spuren der Auseinandersetzungen und Flächenbombardements sind heute noch zu sehen. Neben Ruinen erinnern riesige Friedhöfe, Gedenkstätten und Museen an die Schrecken von einst.

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Kraterlanschaft an beiden Ufern des Flusses

 

Die meisten Touristen kommen mit geführten Tagestouren von Hue in die DMZ. Das ist auch zu empfehlen, da die geschichtsträchtigen Orte oft weit auseinanderliegen und nur schlecht ausgeschildert sind. Abseits der offiziellen Wege solltest du dich sowieso nur mit einheimischen Guides bewegen, da noch immer viel Kriegsschrott in der Landschaft rumliegt. Explodierende Blindgänger haben in den letzten 40 Jahren Tausende Menschen getötet oder verletzt.

Bei einigen Tour-Anbietern übernehmen alte Kriegsveteranen die Rolle der Guides. Solange es noch Zeitzeugen gibt, solltest du diese Chance nutzen, wenn du am Thema interessiert bist.

 

Spuren der Kämpfe

Unsere Tour startet am Morgen mit dem Minibus. Wir sind mit einer kleinen Gruppe von vier Personen unterwegs. Als Erstes erklimmen wir einen Hügel, auf dem ein alter Bunker steht, der mit Einschusslöchern übersät ist. Diese Anhöhe war wegen der Aussicht auf das davorliegende Tal heiß umkämpft. Einige zerfetzte Reste von Sandsäcken sind noch erhalten geblieben.

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Der Soldatenfriedhog Truong Son

Als Nächstes fahren wir zu einem der Soldatenfriedhöfe in der DMZ. Hier, auf dem Truong-Son-Friedhof, stehen mehr als 10.000 Grabsteine. Jeder von ihnen hat eine Inschrift mit dem Namen, dem Geburtsdatum, dem Eintrittsdatum in die Armee und dem Todestag. Es ist erschreckend zu sehen, wie jung viele der Soldaten noch waren. An den Gräbern, an denen wir vorbeigehen, sind die Meisten im Alter zwischen 18 und 22 Jahren gestorben.

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Die Tunnel von Vinh Moc

Die gedrückte Stimmung setzt sich auch bei der nächsten Station fort. Wir tauchen ein in die Tunnel von Vinh Moc. Das unterirdische Labyrinth besteht aus drei Ebenen und ist bis zu 23 Meter tief. Hier haben während des Kriegs mehrere Hundert Menschen gelebt. Die schmalen Tunnel sind noch im Original-Zustand. Schon ohne das Geräusch fallender Bomben fällt es schwer, in den engen Gängen nicht in Panik zu verfallen.

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Die Räume, in denen ganze Familien lebten, sind gerade mal so groß wie bei uns eine Badewanne. Durch die Belüftungstunnel fällt ein bisschen Licht, aber sonst hatten die Bewohner nur Kerzen. Darüber hinaus gab es damals unterirdische Küchen, einen Behandlungsraum für Verletzte und sogar einen Kindergarten.

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Das Tunnelsystem hat mehrere Ausgänge. Einer liegt direkt an der Felsküste. Wir alle sind froh, wieder Tageslicht zu sehen und die frische Meerluft einzuatmen.

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Denkmäler und Museen

Im Anschluss besichtigten wir noch einen Teil des Ho-Chi-Minh-Pfads, ein Kriegsdenkmal, die Grenzbrücke am Ben Hai Fluss, ein Kriegsmuseum und die Ruine einer alten Kirche, die als einziges Gebäude in einem Dorf nicht komplett weggebombt wurde.

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Fazit der DMZ-Tour:

Die Tour war spannend, bedrückend und interessant zu gleich. Wenn du dich für die Geschichte des Landes interessierst und sowieso in Hue bist, kann ich sie dir nur empfehlen.

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Auf vielen Fläche, die damals entwalded wurden, wird heute Kautschuk angebaut.

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Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 7. Januar 2015. Zuletzt aktualisiert am 25. April 2016.

Kommentare1 Kommentar

  1. Hey,
    die Tour klingt echt klasse. Weißt du noch wie dein Anbieter hieß?
    Viele grüße aus Hue
    Yvonne

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