Sigiriya – Der Löwenfels

Eine der kulturell wichtigsten Stätten in Sri Lanka befindet sich mitten im sogenannten kulturellen Dreieck des ehemaligen Ceylons. Der Löwenfels Sigiriya! Hier findest du nützliche Tipps zur Anreise, zu Unterkünften und zum Aufstieg. Zudem erfährst du die wichtigsten Fakten zur Geschichte.

Seinen Namen bekam er auf Grund der natürlichen Form des Berges. Von der richtigen Seite betrachtet, hat es den Anschein, als sähe man einen liegenden Löwen von der Seite.

Löwenfels Sigiriya, Sri Lanka

Der Löwenfels Sigiriya

Löwenfels Sigiriya, Sri Lanka

 

Während man in der Heiligen Stadt Anuradhapura wichtige religiöse Stätten vorfindet, hat der Löwenfels Sigiriya zwar eine geringere religiöse Bedeutung, dafür aber umso mehr eine geschichtliche Wichtigkeit.

Er gehört ebenso wie Anuradhapura und Polonnaruwa zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist eines der schönsten Ziele in Sri Lanka. Sigiriya ist ein Inselberg, ein sogenannter Härtlingsrücken aus Graniten und Gneisen, der verwitterungsresistenter als sein umliegendes Gestein war und deshalb als markante Landmark in der Landschaft herausragt.

Soviel zum geologischen Hintergrund des Berges. Fast 200 Meter ragt das steinerne Ungetüm über die Ebene empor und bietet einen sagenhaften Ausblick in den angrenzenden Nationalpark und das restliche Umland. Bei einem Besuch in Sri Lanka, solltest du dir diesen einzigartigen 360-Grad-Blick auf keinen Fall entgehen lassen.

Löwenfels Sigiriya, Sri Lanka

Ausblick von Sigiriya, Sri Lanka

Sigiriya, Sri Lanka

Blick auf die Wassergärten

 

Bruderkampf und Königsmord

Doch beeindruckend ist nicht nur das fantastische Panorama der Felsenfestung, sondern auch die Einblicke in einen historischen Krimi, bei dem von Königsmord bis Bruderkampf alles geboten war, was heute ein guter Hollywoodstreifen benötigen würde.

Heute ist Sigiriya die Ruine einer Festung auf einem schier unerklimmbaren Felsen. Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, ist es notwendig, einen kurzen Exkurs in die Geschichte des Löwenfelsens zu machen.

Sigiriya erlangte seine Bedeutung im 5. Jahrhundert aufgrund eines großen Familienstreits innerhalb der damalig regierenden Königsfamilie unter der Herrschaft Dhatusenas. Kasyapa, der der Sohn des Königs war, allerdings aus dessen Zusammenkunft mit einer Konkubine entstammte, fühlte sich vom Vater benachteiligt, riss die Krone an sich und ließ seinen Vater ermorden.

Hilfe bekam er von seinem Cousin Migara, der gleichzeitig sein militärischer Oberbefehlshaber war. Aus Furcht, ebenfalls vom neuen König Kasyapa umgebracht zu werden, floh der eigentlich rechtmäßige Thronfolger und Halbbruder Kasyapas, Moggallana, nach Südindien, um sich dort ein Heer für seine Rückkehr aufzubauen.

Zu gleicher Zeit ließ Kasyapa aus Schutzgründen vor seinem rachesuchenden Halbbruder, eine Festung auf dem heutigen Sigiriya Rock, errichten. Hier glaubte er sicher zu sein.

Er hatte es sogar geschafft, sich mehrere Wasserreservoirs und beachtliche Bauten auf dem Felsen zu errichten.

Festung auf dem Berg in Sigiriya, Sri Lanka

Panoramabild: Festung auf dem Berg

 

18 Jahre regierte er von dort oben das Land. Doch im Jahre 491 n. Chr. schaffte es Moggallana mithilfe indischer Söldner, Kasyapa zu vertreiben. Bei einer letzten Schlacht richtete er das Schwert gegen sich selbst, als er bemerkte, dass er bei einem Manöver mit seinen Elefanten in ein Sumpfgebiet gelangte und sein Gefolge panisch die Flucht ergriff. Moggallana hatte kein Interesse an Sigiriya und verlegte den Herrschaftssitz zurück nach Anuradhapura.

 

Wand der Wolkenmädchen

Der Felsen wurde zum Rückzugsort für Mönche, woran noch viele Gebetshöhlen beim Aufstieg erinnern. Auch heute werden diese Höhlen noch zum Beten genutzt. Nachdem der Felsen von den Briten im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde, begannen die Restaurationsarbeiten. Diese dauern bis heute an.

Zudem befinden sich auf dem Felsen die ca. 1500 Jahre alten Wandmalereien von sogenannten Wolkenmädchen. Diese sind nach wie vor sagenumwoben und geheimnisumwittert. Es ist nicht ganz klar, wen die barbusigen Mädchen darstellen sollen. Wahrscheinlich handelte es sich um sogenannte Apsaras, halbgöttliche Wesen, die auch an den Tempeln Angkor Wats in Kambodscha eingearbeitet sind. Sie gelten als Geister der Wolken und ihre Existenz legt nahe, dass der Löwenfels als eine Art himmlischer Palast gegolten habe. Fotografieren ist hier nur ohne Blitz erlaubt, da durch die Zunahme an Besuchern die Malereien durch verstärkte Belichtung etwas in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Gebetshöhlen in Sigiriya, Sri Lanka

Gebetshöhlen

Wolkenmädchen in Sigiriya, Sri Lanka

Wolkenmädchen

 

Aufstieg auf den Sigiriya

Die Festung bestand nicht nur aus dem Felsen, sondern ebenso aus einer angrenzenden Stadt, die sich östlich des Felsens ausbreitete. Eine große Zitadelle im Zentrum wurde von Wassergräben flankiert, die mit Krokodilen versehen Schutz gewährleisten sollten. Auch große Wallanlagen wurden errichtet.

In der Regel kommst du von der Westseite auf das Gelände, das immer noch ein breiter Wassergraben umrundet, indem es Gerüchten zufolge weiterhin Krokodile geben soll. Ob dem so ist, darf bezweifelt werden.

Wassergraben in Sigiriya, Sri Lanka

Wassergraben

 

Direkt nach dem Eingang kommst du direkt zu den Relikten des ehemaligen Lustgartens. Nun siehst du schon die große Allee zum Felsen.

Der Aufstieg beginnt direkt unterhalb des Berges. Unterwegs begleiten euch vielleicht sogar ein paar (hoffentlich) freundliche Rhesusäffchen.

Aufstieg Sigiriya, Sri Lanka

Affen beim Aufstieg

 

Über verschiedene Plateaus geht es hinauf zur Spiegelgalerie und weiter zur Löwenterrasse. Von der Nordseite des Berges gelangst du nun über die steile Löwentreppe auf die Spitze des Felsen. Zwei übergroße Löwenpranken flankieren den Aufgang zum ehemaligen Palast. Sie sind die letzten Überreste des Löwen, den Kassapa als Hauptaufgang bauen ließ. Oben angekommen kannst du noch das Fundament des Palastes von Kasyapa erkennen. Solltest du nicht ganz schwindelfrei sein, ist der Aufstieg sicherlich eine kleine Herausforderung, aber nichts, was nicht zu bewältigen wäre. Der Ausblick, wenn du erst mal oben bist, entschädigt für alles.

Festungsruine in Sigiriya, Sri Lanka

Festungsruine

Wasserreservoir in Sigiriya, Sri Lanka

Wasserreservoir

Sigiriya, Sri Lanka

Treppen zum Aufstieg

Ehemalige Gärten in Sigiriya, Sri Lanka

Blick auf die ehemaligen Gärten

 

Vorbereitung ist alles!

Für den Aufstieg solltest du auf jeden Fall zwei Stunden einplanen. Denn abgesehen von der Schwierigkeit des Aufstieges über die teils steilen Treppen, gibt es, wie schon erwähnt, auch unterwegs viel zu sehen. Da Sigiriya in der sogenannten Trockenzone des Landes liegt, kann es sehr heiß werden. Daher ganz wichtig: Ausreichend Wasser und vielleicht ein paar Bananen oder sonstige Verpflegung mitbringen.

Auf Grund des Status als Weltkulturerbe steht ein Besuch auf dem Programm fast jeder Reisegruppe. Um dem großen Ansturm zu entkommen, lohnt es sich, morgens früh aufzustehen und zeitig zum Löwenfelsen zu pilgern. Du schlägst so zwei Fliegen mit einer Klappe und gehst auch der brütenden Hitze aus dem Weg. Alternativ sind die Besucherströme auch am Spätnachmittag abgeebbt und auch die Sonne versucht nicht mehr mit ganzer Kraft, dir die letzten Reserven zu entlocken.

Sonne in Sigiriya, Sri Lanka

Die Sonne brennt

 

Solltest du Interesse haben, dich mit Souvenirs oder sonstigen Mitbringseln eindecken zu wollen, keine Angst, beim Abstieg landest du zwangsweise in einigen kleinen Shops, die zu erhöhten Preisen kleine Andenken anbieten. Du findest zudem ein Museum in der direkten Nähe des Berges. Hier gibt’s nochmal Infos auf einen Blick.

 

Der Nachbarberg Pidurangala

Es gibt auch eine interessante Alternative, falls du den Menschenmassen etwas entgehen möchtest. Der Berg Pidurangala liegt direkt nebenan, ein Besuch ist wesentlich günstiger und du bekommst einen tollen Ausblick auf den Sigiriya geboten.

Ausblick auf den Sigiriya, Sri Lanka

Ausblick auf den Pidurangala

 

Hotels und Übernachtung

In der direkten Umgebung Sigiriyas gibt es verstreut einige Unterkünfte unterschiedlichster Preisklassen. Der Felsen kann teilweise fußläufig erreicht werden. Findest du das richtige Gästehaus, gibt es vielleicht sogar Frühstück mit direktem Blick auf den Berg. Eine gewachsene Siedlung gibt es nicht wirklich. Solltest du den Berg nicht alleine bezwingen wollen, triffst du in den umliegenden Unterkünften sicherlich Gleichgesinnte, denn gemeinsam macht’s manchmal doch mehr Spaß.

Im Internet kannst du unzählige Unterkünfte bereits vorab buchen. Hier findest du …

 

Ein Besuch der Kulturstätte ist gut kombinierbar mit der Besichtigung der ehemaligen Königsstädte Polonnaruwa und Anuradhapura.

Ein zentraler Punkt ist der Ort Habarana. Zahlreiche Unterkünfte und die günstige Lage zum Verkehrsknotenpunkt Dambulla machen ihn zu einem guten Ausgangspunkt für Touren im kulturellen Dreieck.

 

An- und Weiterreise

Je nachdem, aus welcher Richtung du anreist, gibt es einige Knotenpunkte, die du sicher passieren musst. Meist kommst du von Colombo oder Kandy in die Gegend. Der bereits erwähnte Ort Habarana verfügt über einen kleinen Bahnhof, an dem Züge halten, die von Colombo auf dem Weg gen Osten nach Batticaloa oder Trincomalee sind.

Mit dem Bus von Kandy kommend musst du in der Regel einmal in Dambulla umsteigen. Dambulla ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in Zentral-Sri Lanka. Hier kreuzen sich zwei große Straßen, die A6 die Colombo mit Trincomalee verbindet, und die A9, die den direkten Weg von Kandy nach Jaffna ermöglicht.

Dambulla ist auch im inländischen Handel und Transportwesen eine wichtige Drehscheibe. Nicht umsonst ist der Großmarkt hoch frequentiert von Händlern aus dem ganzen Umland, da hier der zentrale Absatz stattfindet. Zu Sigiriya sind es jedoch lediglich 20 bis 30 Minuten und in regelmäßigen Abständen verkehren direkte Busse. Doch auch die Fahrt mit einem landestypischen Threewheeler ist wirklich preiswert. Für die Busfahrt sind gerademal 30 bis 40 Rupiah fällig. Für das kleine Dreirad sind es ca. 1.000 bis 1.500 Rupiah. Also irgendwas im Bereich von 6 bis 10 Euro.

Willst du von Sigiriya weiter nach Süden reisen, bietet sich eine in Kandy startende Zugfahrt Richtung Ella an. Gleiches gilt für die Fahrt nach Colombo. Solltest du weiter gen Osten reisen wollen, ist das auch mit dem Zug möglich. Wie bereits erwähnt, findest du etwas außerhalb von Habarana den Bahnhof. Infos zu Abfahrtszeiten gibt es hier: www.railway.gov.lk.

Richtung Norden gelangst du am einfachsten mit dem Bus Richtung Jaffna.

 

Fazit:

Sigiriya ist ein absolutes Muss für jeden Sri Lanka-Reisenden. Selbst ohne Einblick in die Geschichte des Felsens ist alleine schon seine physische Präsenz ein absolutes Highlight. Früh morgens oder am späten Nachmittag ist der Besuch am geeignetsten, da die Besucherzahlen geringer sind und du der Hitze etwas aus dem Weg gehst.

 

Doch Vorsicht: Unterschätze nicht den Aufstieg. Ausreichend Proviant sollte auf jedem Fall im Gepäck sein. Und mal ganz ehrlich: Ein kleines Picknick auf dem Löwenfelsen mit Blick auf ein Wasserloch im angrenzenden Nationalpark, an dem du mit etwas Glück ein paar Dickhäuter beim Trinken und Baden beobachten kannst, ist auch nicht das Schlechteste.

 

Text und Fotos: Christoph Bauer

Auf diversen Reisen mit dem Rucksack durch Südostasien hat sich Christoph in Menschen, Kultur, Natur und natürlich in das asiatische Essen verliebt. Wenn er sich nicht gerade irgendwo zwischen Sri Lanka und Indonesien herumtreibt, lebt er an der Südlichen Weinstraße.

 


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Fotos:

Sigiriya Rock von Shutterstock.com

Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 15. November 2017. Zuletzt aktualisiert am 17. November 2017.

Kommentare1 Kommentar

  1. Es war sehr schön auf und um den Sigiriya. Interessant fand ich auch, dass der sich der König täglich von seinen Untertanen zu den Lustgärten hat tragen lassen. Und natürlich auch wieder hinauf.
    Wenn man selbst den Weg hinauf gegangen ist weiß man, wie viel Spaß da gemacht haben muss. 🙂 (auch mit damals wohl kleineren Schuhgrößen).

    Die Tipps sind allesamt richtig und wichtig! Vormittags hat man auch genug Schatten auf der Aufstiegsseite. Die letzte Treppe von der Löwenterrasse zur Spitze hat es in sich! 🙂

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