Chaung Tha Beach: Der Traum vom einsamen Sandstrand

Der Sitz wackelt bedenklich und die Geräusche, die der alte Bus von sich gibt, klingen wenig vertrauenserweckend. Seit einer knappen Stunde quälen wir uns schaukelnd über eine Buckelpiste. Gelegentlich unterbrechen schmale Holzbrücken, die bei der Überquerung laut stöhnen, unseren staubigen Weg. Links und rechts liegt dichter Dschungel. Gefühlt waren wir noch nie so weit weg von Zuhause.

Mit dem Bus zum Chaung Tha Beach

Mit dem Bus zum Chaung Tha Beach

Kommt in den engen Kurven ein Fahrzeug entgegen, beginnt Millimeterarbeit. Wir zwei Touristen im Bus verfolgen das Schauspiel mit Interesse. Für die sonst ausnahmslos burmesischen Fahrgäste bedeutet das jedoch Alltag. Sie starren gebannt auf das Karaoke-Programm, das auf einem kleinen Bildschirm flimmert.

Los ging es früh am Morgen in Yangon. Der am Stadtrand gelegene Busbahnhof der ehemaligen Hauptstadt beeindruckt durch seine Dimensionen. Ein unüberschaubares Meer an Straßen und Gassen, überfüllt mit ankommenden und abfahrenden Bussen. Ohne den freundlichen Taxifahrer, der selbst mehrmals nachfragen musste, hätten wir die Abfahrt wohl verpasst.

Nachdem die Stadtgrenze hinter uns liegt, geht die Sonne über den Feldern auf. Zu dieser Zeit herrscht bereits ordentlich Betrieb. Neben Lastwagen und Motorrädern sehen wir immer wieder schwer beladene Ochsenkarren auf der Landstraße. Zudem sind viele Fußgänger unterwegs, obwohl nur selten ein Dorf zu sehen ist.

Im Bus sind alle Sitzplätze belegt, trotzdem nehmen wir ständig weitere Fahrgäste für kurze Teilstücke mit. Hierfür liegen zehn winzige Plastikhocker im Gang, die bei Bedarf aufgestellt werden.

Durchgeschüttelt aber froh erreichen wir Chaung Tha Beach nach etwa sechs Stunden. Der kleine Küstenort liegt etwa 40 Kilometer von Pathein am Golf von Bengalen. Der Strand ist bei der burmesischen Mittelschicht beliebt. Einheimische stellen hier bislang die deutliche Mehrheit unter den Touristen. Viele kommen aus Yangon für ein paar Tage zum Erholen hierher. Reisende aus anderen Ländern sind nur sehr vereinzelt zu sehen.

 

Radfahren am Strand

Die Betreiber der örtlichen Hotels empfangen die Neuankömmlinge direkt am Bus. Dabei geht es ihnen nicht nur darum, für ihre eigenen Angebote zu werben. Vielmehr soll mit der Präsenz verhindert werden, dass Gäste, die bereits reserviert haben, noch einen anderen Weg einschlagen.

Fahrradverleih am Chaung Tha Beach

Fahrradverleih am Chaung Tha Beach

Fast alle Unterkünfte und Restaurants liegen entlang der Küstenstraße. Die Hotels am Strand sind etwas teurer, die jenseits der Straße günstiger. Update: Inzwischen sind die ersten Hotels auf Plattformen wie Agoda* oder Booking* vertreten.

Statt Liegestühlen, Reggae-Bars und Souvenirverkäufern wird ein Eindruck vermittelt, was Strandvergnügen auf burmesisch heißt. Besonders gefragt ist es, ein Fahrrad oder gar Tandem zu leihen, um damit über den Sand zu fahren. Ebenfalls hoch im Kurs sind aufgepumpte Schläuche von LKW-Reifen. Sich damit im Wasser treiben zu lassen, macht in einer großen Gruppe am meisten Spaß. Für beides, Fahrräder und Schwimmringe, übersteigt das Angebot die Nachfrage.

Viel Nachtleben gibt es rund um den Chaung Tha Beach noch nicht, da die Bars und Restaurants meist recht früh schließen. Nicht unbedingt von Nachteil im Hinblick auf das Frühstück, das im Shwe Ya Min Guesthouse bis 9 Uhr kostenfrei serviert wird. Dementsprechend ausgeschlafen und gut gestärkt starten wir am nächsten Tag. Der Weg geht am Ufer entlang etwa 20 Minuten Richtung norden.

Chaung Tha Beach Strand

EIn Traum wird wahr: Allein am Strand

Und dann sind wir am Ziel. Vor uns liegt ein langer weißer Sandstrand mit unzähligen Palmen. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Drei verlassene Bambussonnenschirme hat ein netter Mensch hier irgendwann – mit ausreichend Abstand zueinander – aufgestellt. Für die kommenden Tage ist das unser Privatstrand. Lediglich ab und an kommt mal ein Spaziergänger vorbei und an einem Nachmittag besuchen uns einige Kühe. Ansonsten sind wir allein.

Ist es das, was die alten Hasen unter den Backpacker mit „Thailand früher“ meinen, als die Traumstrände noch leer und kaum erschlossen waren? Wahrscheinlich ja. Eine mehrstündige Busfahrt über einer Schotterpiste durch den Dschungel hat uns hierher gebracht und jetzt genießen wir die Ruhe und die Einsamkeit. Den Tipp für diesen schönen Strand bekamen wir es erst einige Tage zuvor und sind nun hocherfreut.

 

Lukrative Krabben

An einem anderen Tag erkunden wir mit geliehenen Fahrrädern die Gegend. Der Lenker wackelt und zum Bremsen müssen die Füße herhalten. Trotzdem gelingt es uns, das nahegelegene Dorf zu finden. Wir radeln über die kleinen Wege zwischen den Holz- und Bambushütten hindurch und werden dabei immer wieder freundlich gegrüßt. Am Rand der Siedlung liegt die Schule. Im Vorbeifahren hören wir die Kinder singen. Weiter geht es zum Kloster, an dem auch eine Pagode liegt. Um hierhin zu gelangen, muss ein kleiner Berg erklommen werden. Oben besteht eine schöne Aussicht auf die Umgebung.

Chaung Tha Beach Dorf

Blick auf das Dorf

Danach wird es so heiß, dass wir die Erkundungstour abbrechen und schnurstracks zu unserem Strand radeln. Auf dem Weg dorthin wird uns einmal mehr klar, wie hart Arbeit sein kann. Von morgens bis abends sehen wir Männer, die Holzkarren über die Straße schieben. Auf Nachfrage erfahren wir, dass sie Trinkwasser vom Wasserwerk zum Dorf bringen. Zwölf schwere Kanister passen auf einen Wagen. Sie aufzufüllen kostet 70 Kyat, der spätere Weiterverkaufspreis liegt bei 100 Kyat. Dementsprechend beträgt der Gewinn pro Ladung 360 Kyat – das sind 30 Cent. Bei einer Transportstrecke von zwei Kilometern ist das echte Knochenarbeit.

Ein anderes Geschäftsmodell lernen wir später beim Sonnenuntergang am Hauptstrand kennen. Ein paar junge Mädchen fangen Krabben und bieten diese für 100 Kyat zum Kauf an. Meist sind es die einheimischen Touristen, die das Angebot nutzen und die Tiere anschließend zurück ins Meer setzen, um ihnen die Freiheit zu schenken. Das soll Glück bringen, auch wenn uns die Mädchen lachend gestehen, dass sie die Krabben später wieder einfangen.

Krabenfängerinnen am Chaung Tha Beach

Die kleinen Krabbenfängerinnen

Glück hatten wir in jedem Fall auch ohne den Kauf eines Zangentiers, denn die Reise an den Chang Tha Beach hat sich gelohnt. Der Strand ist ein idealer Ort, um sich von Tempelerkundungen in Bagan oder Trekking-Touren am Inle Lake zu erholen. Er gehört für mich zu den schönsten Zielen in Myanmar. Und noch längst nicht überlaufen, wobei sich das durch die steigenden Touristenzahlen in den nächsten Jahren vielleicht ändern wird, wenn auch nur langsam.

 

Glocke

Goldene Pagode

Goldene Pagode mit Aussicht auf das Dorf

Chaung Tha Beach Buddha Katze

MIt dem Fahrrad zum Chaung Tha Beach

Chaung Tha Beach - Einsamer Strand

Traumhafte Einsamkeit

Ebbe am Chaung Tha Beach

Pagode mit Aussicht am Chaung Tha Beach

Pagode am Chaung Tha Beach

Einer von drei Sonnenschirmen

Chaung Tha Beach: Golder Sand und Palmen

Pagode mit Aussicht am Chaung Tha Beach

Pagode mit Aussicht am Chaung Tha Beach

Besuch von Kühen am Chaung Tha Beach

Lediglich ein paar Kühe kamen zu Besuch

Kühe am Chaung Tha Beach

Drachen Chaung Tha Beach

Sonnenuntergang am Chaung Tha Beach

Das Shw Ya Min Guesthouse

Unsere Unterkunft: Das Shwe Ya Min Guesthouse

 

Hattet ihr auch schon mal einen Strand für euch alleine?
Wie lauten eure Tipps?

 


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Veröffentlicht von Stefan Diener am 15. April 2013. Zuletzt aktualisiert am 27. Januar 2016.

Kommentare (2)

  1. Hallo und erst einmal DANKE, dass es deinen Blog gibt.
    Ich bin regelmäßig „bei dir“ und lese ihn sehr gerne.

    Beim Lesen dieses Blogeintrages ist mir aber noch einmal sehr bewusst geworden, dass wir mit der Weitergabe von Tipps aber eben auch immer wieder dazu beitragen, dass genau das passiert, was wir ja eigentlich nicht wollen … Massentourismus mit all seinen „Nebenwirkungen“ …
    Ja, dass nennt man wohl Zwickmühle, denn das Teilen von Erfahrungen ist eben auch toll und hilfreich :-).

    Dir weiterhin alles Gute
    Heike

    • Hallo Heike,

      ja, da hast du Recht. Ein veröffentlichter Geheimtipp ist nicht mehr geheim. Und ein einsamer Strand dann auch bald nicht mehr einsam.

      So bin auch ich mir nicht immer sicher, ob hier wirklich jeder schöne Ort vorgestellt werden muss.
      Aber viele gute Tippps habe ich selbst genau auf diesem Weg erfahren. Und verheimlichen lässt sich heute sowieso nichts mehr. 😉

      Viele Grüße
      Stefan

      Freut mich, dass dir die Seite gefällt.

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