Im Reich des Tigers – die Nam-Nern-Night-Safari

In den tiefen Urwäldern von Laos gibt es noch einiges zu entdecken. Im Rahmen von Ökotourismus-Projekten werden spannende Safaris in abgelegene Gebiete angeboten. Hier ein Erlebnisbericht.

 

Heute entführe ich dich ins Reich des Tigers, das versteckt im Grenzgebiet von Laos zu Vietnam liegt. Es ist sicherlich kein Einsteigerziel, aber wenn du ein wenig Zeit und Abenteuerlust mitbringst, wirst du mit einem unvergesslichen Erlebnis belohnt.

Wir durften vor ein paar Jahren als Erste die Nam-Nern-Night-Safari testen, und auch wenn wir dem König des Dschungels nicht begegnet sind, so haben wir doch tolle Eindrücke mit nach Hause genommen.

 

Das Ökotourismus-Projekt

Das Projekt ist aus der Idee geboren, dass ein reiner Schutz der Natur in Form eines Nationalparks oder wie in diesem Fall einer Protected Area wenig bis gar keinen Erfolg bringt, solange die Bevölkerung außen vor bleibt. Aus diesem Grund wurde für das Schutzgebiet Nam Et Phou Loi ein Ökotourismus-Projekt ins Leben gerufen, das aktiv die Bevölkerung der umliegenden Dörfer einbezieht. Neue Jobs in den Ranger-Teams, als Bootsfahrer oder Guides entstanden. Des Weiteren erhalten die Dörfer Unterstützung und Beratung in Fragen der nachhaltigen Tierhaltung und Landnutzung, aber auch im Marketing.

Natürlich ist das nicht einfach, da es im kompletten Schutzgebiet über 200 Dörfer zahlreicher verschiedener ethnischer Gruppen gibt. Diese haben nicht nur ihre Lebensgrundlage in der ansonsten wirtschaftlich und touristisch unerschlossenen Gegend, sondern oftmals auch ihre religiösen Stätten in den Wäldern. Dies erfordert zum einen eine sehr gute Kenntnis der jeweiligen Traditionen und Gebräuche und zum anderen viel Überzeugungsarbeit.

 

Die drei Distrikte im Schutzgebiet weisen die zweithöchste Armutsdichte im ganzen Land auf, da die Dorfbewohner fast ausschließlich von Viehzucht und Landwirtschaft leben, die aber auf den steilen Hängen wenig ertragreich ist. Nur wenige Dörfer fertigen zudem Handarbeiten wie Textilien oder Bambuskörbe an, für die es aber wiederum an Absatzmärkten fehlt. So war klar, dass wenn der Tiger eine Überlebenschance haben soll, die Bevölkerung mit profitieren muss.

Aus diesem Grund wurde ein »village fund« eingerichtet, der von den Einnahmen durch die Touristen gespeist und dann auf 14 Dörfer aufgeteilt wird. Neben der Gebühr, die jeder Besucher bezahlen muss, wandert auch umso mehr Geld in den Fond, desto mehr Tiere du bei dieser Tour siehst. Im Gegenzug wird er aber auch gekürzt, wenn die Dorfbewohner gegen die Regeln verstoßen. Mit diesem Geld werden dann Dorfentwicklungsprojekte gefördert, anstatt das Geld direkt an die Bewohner zu geben, wo es unter Umständen verschwindet oder zu Streit führt.

 

Die Anreise

Jetzt machen wir uns aber endlich auf die Reise in den gebirgigen und weitgehend unbekannten Nordosten von Laos. Vor und während des Vietnamkriegs haben sich hier die Kämpfer der Pathet Lao in den Höhlen rund um Vieng Xai versteckt und ihre Angriffe geplant. Dies ist auch bis heute der einzig wirklich touristisch bekannte Ort der Region.
Ausgangsort der Reise ist immer Luang Prabang, von wo aus dann zwei Routen gen Nordosten führen. Entweder auf der Nationalstraße 13 über das drei Stunden nördlich gelegene Trekkingparadies Nong Khiaw. Dort empfehle ich dir einen Zwischenstopp, und zwar nicht nur wegen der schönen Landschaft, sondern auch weil der Bus ansonsten mindestens zehn Stunden von Luang Prabang aus benötigt. Zudem weißt du nie, was unterwegs so auf dich wartet – bei uns waren es Baumfällarbeiten auf laotisch.

 

Du kannst entweder den öffentlichen Bus Richtung Sam Neua nehmen und in Muang Hiam (Viengthong) aussteigen, wo sich das Hauptquartier befindet, oder selbst mit dem Auto oder Motorrad fahren. Für Motorradfahrer ist diese kurvige und hügelige Strecke mit Sicherheit ein Traum. In Muang Hiam triffst du dann entweder am selben Tag oder nach einer Übernachtung deinen Guide, mit dem du zum Startpunkt der Tour im Dorf Ban Son Koua fährst. Natürlich kannst du mit dem Bus auch weiter ins Dorf fahren, wo es die Möglichkeit eines homestays gibt.

Die zweite Route führt von Luang Prabang zuerst Richtung Süden und dann über das durch die Ebene der Tonkrüge bekannte Phonsavan. Auch in diesem Fall würde ich dir, wenn es die Zeit erlaubt, einen Zwischentopp empfehlen. Bei dieser Variante kannst du ebenfalls entweder den Bus oder einen eigenen fahrbaren Untersatz nehmen und direkt in Ban Son Koua aussteigen.

Wir mussten auf unserer Fahrt von Nong Khiaw mit dem eigenen Auto die Lektion lernen, dass man besser auf die Tipps derer hört, die diesen Weg schon öfters genommen haben – ich sage nur: „don´t eat the noodle soup along the way“ – und wir taten es doch. Da standen wir um 5 Uhr morgens auf, um Sandwiches für die Fahrt zu machen und ein paar Stunden später hielten wir dann in einem kleinen Dorf wie hypnotisiert bei dem Anblick eines rollenden Nudelsuppenstandes an. Selbst die für Laos katastrophalen hygienischen Bedingungen und die Tatsache, dass die Brühe kalt war, haben uns nicht davon abgehalten, die „gar nicht mal so leckere Suppe“ am Straßenrand zu verspeisen. Es muss wohl die Schuld der extrem frühen Morgenstunden gewesen sein, denn ansonsten ist dieses Verhalten in keiner Weise rational zu erklären. Es sei nur soviel gesagt, die Nudelsuppe hat sich in den späten Abendstunden wieder in unsere Erinnerung gerufen. Weiter ging es dann mit wirklich traumhaften Ausblicken auf die hügelige Landschaft im frühen Morgenlicht.

 

Die Night Safari

In Ban Son Koua wird am späten Vormittag alles für die kommenden zwei Tage auf kleine Boote verladen und los geht das Abenteuer. Knapp zwei Stunden fährst du dann mit dem Longtailboot auf dem Nam Nern River flussaufwärts bis zur Parkstation. Unterwegs siehst du mit etwas Glück bereits Warane, die sich an den Ufern sonnen, oder einige der zahlreichen Vögel des Parks. Uns hat ein Adler ein Stück weit begleitet.

 

Angekommen im Camp, wird dir zuerst deine zauberhafte Bambushütte gezeigt, bevor es dann ein leckeres, von den Dorfbewohnern zubereitetes Mittagessen gibt.

 

Im Anschluss erfährst viel Wissenswertes und Interessantes über den Park und vor allem das Tigerschutzprogramm. Eine französische Wissenschaftlerin hat in diesem Zuge zusammen mit den Rangern etliche Kamerafallen im Dschungel installiert, um die genaue Anzahl der Tiger und ihrer Beutetiere zu dokumentieren. Hierüber gibt es bei ARTE eine Dokumentation.

Am Nachmittag brichst du dann wieder mit dem Boot auf, um für eine weitere Stunde den Fluss hinauf zu fahren. Dort zeigen dir die Ranger nach einer kurzen Wanderung einen sogenannten „salt lick“. Dies ist eine natürliche Salzleckstelle für die Tiere. Wir haben bei unserem Besuch auch die Speicherkarte einer der dort installierten Kameras gewechselt und uns die Bilder am Abend beim Lagerfeuer angesehen.

 

Dorthin brechen wir jetzt auch wieder mit dem Boot auf. Es geht noch ein Stückchen weiter auf dem Fluss, bevor eine Sandbank erreicht ist, wo die Ranger alles für das Abendessen am Lagerfeuer vorbereiten. Nach dem Essen unterm Sternenhimmel erzählen die Guides gerne Geschichten aus der Sagenwelt der Khmu und über die Tierwelt des Nam Et Phou Loy.

An diesem Punkt hat sich bei uns auch wieder die Nudelsuppe des Morgens zu Wort gemeldet. Aufgrund dieses ungeplanten nächtlichen Abstechers in den Dschungel haben wir dann auch erfahren, was im Falle einer Tigerbegegnung zu tun ist: stehen bleiben, in die Augen schauen und Lärm machen. Zum Glück mussten wir das jedoch nicht ausprobieren. Eine Begegnung ist zwar selten, aber keinesfalls ausgeschlossen und so sah sich eine Praktikantin der Wildlife Concervation Society als Erste des Projektes einem Tiger gegenüber. Wir haben zwar nur wenige Tiere in natura gesehen, dafür war auf der Speicherkarte der Kamera dann aber ein Leopard zu sehen.

Jetzt beginnt die eigentliche Night Safari. Mit den Booten lassen wir uns ohne Motor und mucksmäuschenstill den Fluss hinunter treiben und jeweils ein Guide hält mit Stirnlampe Ausschau nach den Tieren der Nacht. Eine Tigersichtung ist hier aber relativ unwahrscheinlich, denn die größte Raubkatze kommt nur selten an den Fluss. Mit etwas Glück siehst du aber Sambalhirsche, Otter, Eulen oder Civetkatzen an den Ufern und in den Bäumen.

Nach all diesen Eindrücken wartet nun eine erholsame Nacht in den sehr gemütlichen Bungalows auf dich.
Am nächsten Morgen geht es dann mit den Guides noch vor dem Frühstück in den Dschungel, wo sie dir viel Interessantes über ihre Medizinpflanzen und die Geschichte der Region während des Krieges erzählen. Nach einem leckeren Frühstück im Camp besteigst du dann wieder das Boot, das dich ohne Motor zurück ins Dorf bringt. Unterwegs gibt es somit wieder die Möglichkeit Tiere zu sehen. Im Dorf wirst du dann gebeten, das Formular auszufüllen, wie viele Tiere du in den zwei Tagen gesehen hast, was dann die Höhe des Village Funds errechnet.

 

Das Programm wurde mittlerweile um einen Zwei- bzw. Drei-Tages-Trek mit Übernachtung in dem sogenannten hängenden “The Nest” und einer sehr anspruchsvollen Vier- bis Fünf-Tages-Trekking-Tour erweitert.

Auch wenn die Anreise etwas langwierig ist, so ist die Nam Nern Night Safari doch ein wirklich unvergessliches Erlebnis und mit einem Zwischenstopp in Nong Khiaw oder Phonsavan eine tolle und unvergessliche Reise fernab der ausgetretenen Pfade.

 

Packliste

Mitbringen solltest du:

  • Regen-/Windjacke
  • Fleecejacke oder etwas Wärmeres für die Nacht
  • lange Hose für den Dschungeltrek
  • gute Laufschuhe und Sandalen zum Baden
  • Kopfbedeckung gegen Sonne
  • Handtuch
  • Taschenlampe
  • Mückenspray
  • Snack für zwischendurch

Nicht mitbringen musst:

  • Moskitonetz
  • Wasser und Essen

Hier findest du allgemeine Tipps zum Erstellen einer Packliste für Laos.

Buchung:

Auf jeden Fall musst du diese Tour vorab buchen, da alles im Camp vorbereitet werden muss.
Dies kannst du am einfachsten auf der Website des Projektes


Text & Fotos: Sabine Geier

Sabine bereist seit 10 Jahren Südostasien – zuerst mit dem Rucksack und später als Reiseleiterin auf dem Mekong und seinen Anrainerstaaten. Vor allem reizt sie der Kontakt zu den Menschen und deren Kultur. Ihre große Liebe sind Laos und Thailand.

Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 23. März 2017. Zuletzt aktualisiert am 18. April 2017.

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