Siem Reap und Angkor: 5 Ausflugsziele abseits der Standardrouten

Die meisten Reisenden kommen nur wegen Angkor nach Siem Reap. Doch in Stadt und Umgebung gibt es einige interessante Sehenswürdigkeiten. Hier findest du Insidertipps und fünf Ziele, die kaum jemand kennt.

Laut einer Statistik von kambodschanischen Tourismus-Behörden verbringen Touristen in der Regel nicht mehr als drei bis vier Tage in Siem Reap und kommen vor allem in die Stadt, um sich die schönsten Tempel von Angkor anzuschauen. Meist buchen sie dafür ein Hotel in Siem Reap.

Die Anlage ist sehr weitläufig und besonders bei starker Hitze kann ein Besuch dort sehr anstrengend werden. Viele Touristen fahren danach noch zum See Tonlesap und besuchen das Floating Village. Damit hat sich dann ihre Reise nach Siem Reap erledigt und es geht weiter in den Süden nach Phnom Penh, an die Küste nach Kampot und Sihanoukville oder zu den Insel Koh Rong und Koh Rong Samloem.

Doch du kannst in der Gegend auch noch einige andere Sachen unternehmen. Hier ein paar Vorschläge:

 

Siem Reap: Sehenswürdigkeiten, die kaum jemand kennt

 

1.) Einblick ins kambodschanische Kunsthandwerk

Erkunde die kambodschanische Kunsthandwerksproduktion und schau dir an, mit welcher Mühe und welchem Zeitaufwand Angkor Wat dekoriert wurde.

Mitten in der Stadt, in einer grünen Oase, sitzt der Kunsthandwerksverband Artisans Angkor, der vor 25 Jahren mit Hilfe der EU angefangen hat, die traditionellen Kunsthandwerkstechniken der Khmer wiederzubeleben.

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Die Handwerker von Artisans Angkor wurden aktiv bei Restaurierung von Angkor Wat einbezogen. In der Zentrale von Artisans kannst du nicht nur die Werkstätten für Steinschnitzerei aus Sandstein erkunden, sondern auch die anderen kambodschanischen Kunsthandwerke wie Polychrome, Porzellan, Versilberung, Seidenmalerei und Schmuck näher kennenlernen.

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Die kostenlose Tour ist sehr informativ und interessant. Anschließend hast du noch die Möglichkeit, ein schönes Mitbringsel in einem mit Stil und gutem Geschmack gestalteten Laden von Artisans Angkor auszuwählen.

 

Seitdem die EU-Finanzierung eingestellt wurde, gehören Anteile des Kunsthandwerksverbands dem Verband der Handwerker, einem Privatinvestor und einer Regierungsorganisation. Alle Profite des Unternehmens werden in ein starkes Sozialprogramm, das allen Mitarbeitern eine Krankenversicherung, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung- und Weiterbildungsmöglichkeiten sichert, reinvestiert.

Die 48 Produktionswerkstätten der Organisation befinden sich in den Dörfern, wo es sonst keine sicheren Arbeitsplätze gibt, nah am Wohnort der Handwerker. Artisans Angkor ist der größte Arbeitgeber in der Provinz Siem Reap.

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Artisans Angkor positioniert sich auch als erste kambodschanische Luxus-Marke. Die Designs werden von der internen Kunstabteilung entwickelt, die Produkte in hoher handwerklicher Qualität unter Kontrolle von einem Qualitätssicherungsteam gefertigt.

Ein erfreuliches Beispiel einer stabilen, großen einheimischen Struktur, in der die Angestellten viel Mitspracherecht haben und auf Dauer soziale Sicherheit bekommen – was in Kambodscha leider noch selten der Fall ist.

Wenn du nach Geschichte, Tradition und Qualität suchst, ist Artisans Angkor auf jeden Fall einen Besuch wert.

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2.) National Silk Center

Wenn du einen ganzen Vormittag frei hast, fahr nach Pouk westlich von Siem Reap und und besuche das National Silk Center.

Kambodschanische Seide ist etwas sehr Besonderes. Die hier seit der Angkor-Ära verbreiteten goldfarbenen Seidenraupen sorgen für eine zarte goldene Färbung der Seidenfäden.

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Das National Silk Center wird unter der Struktur von Artisans Angkor geführt – täglich fährt ein kostenloser Shuttle von der Artisans-Zentrale zur Seidenfarm, den du nutzen kannst (mit vorheriger Anmeldung über die Internetseite). In einer schönen Umgebung kannst du die gesamte Wertschöpfungskette von der Seidenraupe bis zum Seidenstoff erkunden.

Besonders interessant sind die Stoffe, die in einer traditionellen und sehr komplizierten Technik namens Ikat gefärbt und gewebt werden. Außerdem besitzt das Center eine Pflanzen-Wasserkläranlage, in der Abwasser durch das Zusammenwirken von Pflanzen, Mikroorganismen und des Filtersubstraten gereinigt wird.

 

3.) West Baray

Auf dem Rückweg von der Seidenfarm kannst du beim West Baray vorbeischauen. Dabei handelt es sich um einen künstlich angelegten See aus den Zeiten Angkors. Besonders in den letzten Monaten der Regenzeit, wenn das Baray (Becken) voll mit Wasser ist, kannst du dort wunderbar Baden.

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Hier hast du zudem die Möglichkeit, ein Mittagessen und eine Siesta à la Khmer zu genießen: Du mietest dir eine Hängematte und kaufst von Straßenhändlern gutes Essen mit gegrilltem Huhn, Frosch und Fisch.

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4.) Besuch im Zirkus Phare

Abends kannst du den Zirkus Phare besuchen. Gegründet wurde die Organisation Phare Ponleu Selpak ursprünglich vor zwanzig Jahren von Jugendlichen, die nach dem Schrecken des Regimes der Roten Khmer in einem Flüchtlingslager Hilfe durch Kunsttherapie fanden. Diese Erfahrung wollten sie an benachteiligte junge Menschen weitergeben, um ihnen in einem armen Land mit einer traumatischen Vergangenheit neue Perspektiven zu schaffen.

Die Initiatoren gründeten zunächst eine Kunstschule. Später folgten Bildungseinrichtungen, die sich auf Musik, Theater und zuletzt Zirkus konzentrierten. Die erste Aufführung in Siem Reap fand im Februar 2013 statt und seitdem ist die Manege vom Phare Zirkus Abend für Abend voll. Jede Show ist bezaubernd und einen Besuch wert. Los geht es täglich um 20:00 Uhr. Die Tickets kannst du online auf der Webseite buchen.

 

5.) Natur erkunden und neue Destinationen rund um Siem Reap entdecken

Fast alle Touristen, die Angkor Wat besuchen, bleiben die meiste Zeit in der Stadt Siem Reap. Nur wenige wissen, was die Provinz noch anzubieten hat. Wenn du ein bisschen mehr Zeit hast und etwas Neues entdecken möchtest, begib dich nach Banteay Srei im Nord-Osten von Siem Reap.

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Im Herzen von Bantey Srei befindet sich der Berg Koulen, wo nach Glauben der Khmer die Angkor-Zivilisation geboren wurde. Tatsächlich entdeckt man dort vor einiger Zeit die Ruinen von noch älteren Tempeln.
Unter den einheimischen Touristen sind die Wasserfälle von Koulen, der liegende Buddha, die heilige Wasserquelle und die 1.000 Lingas vom Berg Koulen besonders beliebt.

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Wenn du den Berg besuchen möchtest, ist mindestens ein halber Tag einzuplanen. Außerdem brauchst du einen Tempel-Pass, der im Voraus in der Stadt gekauft werden muss.

Aber in Banteay Srei gibt es noch viel mehr zu entdecken, deswegen empfiehlt es sich, über mehrere Tage dort zu bleiben. Besonders die Naturliebhaber werden positiv überrascht über das Angebot von Aktivitäten in der Region sein.

Das Angkor Center for Conservation of Biodiversity bietet gegen eine Spende von 3 USD regelmäßige Führungen an. Während der Tour durch das ACCB kannst du viele der einheimischen Tiere beobachten und aus erster Hand über die Schutzbemühungen für Kambodschas Tierwelt erfahren. Falls du einen gültigen Tempelpass besitzt, kannst du auch die Gelegenheit zum Besuch des Wasserfalls und der Fels-Schnitzereien von Kbal Spean nutzen. Viele Informationen auf Deutsch gibt es auf der Webseite von ACCB.

Dort findest du auch eine Karte mit allen Attraktionen der Region, vielen verschiedenen Routen und Angeboten von Homestays für einen selbständigen Besuch in Banteay Srei. Die dortige Initiative entstand übrigens auch mit Unterstüzung der giz.

Es gibt verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten, angefangen von den einfachen Home Stays der gastfreundlichen Familien der Tbaeng Community bis hin zu mehr anspruchsvollen Hotels in einem ländlichen Stil wie zum Beispiel das Bong Thom Homestay.

Es lohnt, mindestens eine Nacht in Banteay Srei zu verbringen, um diese noch wenig bekannte Region in vollem Umfang zu erkunden, und dich von der Hektik in Siem Reap zu erholen.

 

Über die Autorin:

Barbara zog 2013 nach Kambodscha um Ihre Masterarbeit in Südostasienwissenschaften vorzubereiten. Nach einem giz Praktikum und einem erfolgreichen Masterabschluss an der Uni Bonn arbeitete sie zuerst als Beraterin für wirtschaftliche Entwicklung bei giz und später bei verschiedenen einheimischen NGOs und Sozialunternehmen. Im Jahr 2014 stellte sie die Projekte für nachhaltigen Tourismus Kambodschas auf der Bühne der Tourismus-Messe ITB Berlin vor. 2015 unterstütze sie den Kunsthandwerkverband Artisans Angkor bei seinem Auftritt auf dem Stand des kambodschanischen Ministeriums für Tourismus. Sie arbeitet weiterhin als selbständige Beraterin für Marktforschung und Geschäftsentwicklung für dieses Unternehmen. Du findest sie auf Facebook.

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Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 10. November 2016. Zuletzt aktualisiert am 13. November 2016.

Kommentare (2)

  1. Einen Besuch im ACCB kann ich absolut empfehlen, man erfährt nicht nur viel über Tier- und Naturschutz vor Ort, sondern auch über Kambodscha generell.

  2. Tolle Zusammenstellung! Ich war mit meiner Familie 2014 dort, auch wir sind zum Phnom Kulen gefahren. Wunderschöne Natur, wenige Touristen (wir waren die einzigen „Langnasen“) und ein wirklich toller Wasserfall. Die Aussicht vom Tempel mit dem liegenden Buddha war fantastisch! Lohnende Abwechslung!
    Was ich auch empfehlen kann: Ein Ausritt mit der Happy Ranch: Schöne gepflegte Pferde, etwas für Anfänger bis Profis! Anmeldung erforderlich, wir haben den Nachmittags-Ausritt gewählt, um der Hitze zu entgehen.
    LG Christine

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