Dschungel-Trekking in Indonesien: Sicher durch den Regenwald

Auf der Insel Sumatra hast du heute noch die Chance, Orang-Utans in freier Wildbahn zu sehen. Hier die wichtigsten Tipps, damit deine Tour ein Erfolg wird.

Anja reist seit fünfzehn Jahren um die Welt und hat acht Jahre in Australien, den USA, Frankreich und Großbritannien gelebt. Auf ihrem Blog Happybackpacker.de gibt sie Tipps, wie du das Beste aus deinen Reisen herausholen kannst. Zudem schreibt sie über ihre beiden Leidenschaften: Surfen und Tauchen.

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Während Anjas letzter Indonesien-Reise nahm sie an einer mehrtägigen Trekking-Tour durch den Dschungel Sumatras teil. Darüber berichtet Sie nun auf Faszination Südostasien. Wenn du mehr über Anja wissen möchtest, besuch doch ihre Seite oder folge Happybackpacker auf Twitter oder Facebook.

 


Dschungel-Tour zu den Orang-Utans

„Ich kann dir die Orang-Utans zeigen!“ Vertrauensvoll klopft mir ein mir fremder Mann auf die Schulter und zieht mich in seine Richtung. Doch er hat die Rechnung ohne seinen Kumpel gemacht, der mir zuraunt: „Ich kenne absolut geheime Orte, kein anderer Guide wird dir das zeigen.“

Auf meinem Weg von Medan in das Dorf Bukit Lawang tief im Dschungel auf Sumatra fühle ich mich ein wenig an meinen Schulsport erinnert, als ich auf der Bank saß und inständig hoffte, dass ich in das Team gewählt werden würde.

Jedes Restaurant und jede Unterkunft im Dorf bieten Touren in den Dschungel an. Und alle werben mit dem Sichten der dort wildlebenden Orang-Utans. Oftmals kommst Du nicht einmal dazu, die ersten Fragen zu stellen, denn die Touranbieter übertrumpfen sich förmlich gegenseitig mit ihren Angeboten. Die Konkurrenz ist groß und darunter befinden sich leider Gottes auch einige schwarze Schafe, die nur an deinem Geld, nicht aber an deiner Sicherheit interessiert sind.

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Doch deine Sicherheit sollte während einer mehrtägigen Tour durch den Dschungel oberste Priorität haben. Schließlich ist der Regenwald im Gunung Leuser Nationalpark auf Sumatra kein deutscher Tierpark mit niedlichen Zoobewohnern, daher sollten giftige Tiere und unwegsames Gelände  genaustens bekannt sein.

Der Ausflug ist ein echtes Abenteuer: Stundenlanges Wandern bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, übernachtet wird in freier Natur, und zwar in Lagern, die von den Guides selbst aufgebaut werden. Das Essen wird zusammen gekocht und mit Nahrungsmitteln direkt aus dem Wald ergänzt, wie etwa dem Saft des Bananenbaums. Mehr Naturerlebnis geht nicht.

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Exotische Geräusche und riesige Insekten lauern überall. Mit etwas Glück siehst du stattliche Orang-Utans und wirst verstehen, warum ihr Name auf Indonesisch „Waldmensch“ bedeutet. Wie kleine Menschen stehen sie gelangweilt an einer Waldlichtung und scheinen sich über ihren Tag zu unterhalten.

Unsere kleine Gruppe duckt sich tief in das Unterholz und beobachtet fasziniert die Tiere. Niemand kann dich auf den Anblick dieser sanften Riesen in freier Wildbahn vorbereiten. Und doch überkommt mich eine leise Wehmut, denn in Sumatra gibt es nur noch rund 6.000 Orang-Utans. Die Palmölindustrie nimmt den Menschenaffen immer mehr Lebensraum. Unkontrollierte Touristenmassen schaden dem Regenwald zusätzlich und sind eine Gefahr für die Tiere.

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Es ist daher extrem wichtig, dass du während deines Besuchs ein paar goldene Regeln befolgst, um zum einen nicht das empfindliche Ökosystem zu zerstören und zum anderen auch wieder sicher aus dem Dschungel zurückzukehren.

 

Vor deiner Reise

Das winzig kleine Dorf Bukit Lawang auf der indonesischen Insel Sumatra bildet den Ausgangsort für Touren in den Dschungel. Die Anfahrt auf Indonesiens chaotischen Straßen kann auf den ersten Blick laut und überwältigend sein. Vieles ist nicht so organisiert wie zu Hause und erfordert einiges an Planung. Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Geldautomaten, große Geschäfte oder weitreichendes Internet sind Fehlanzeige im Dorf.

Auf schmerzliche Weise musste ich das erfahren, als ich nach mehrstündiger Anfahrt Bukit Lawang erreichte und nirgendwo einen Geldautomaten entdeckte. Deswegen verbrachte ich gleich einen gesamten Tag damit, in den nächstgelegenen Ort Binjai zu fahren, um Geld zu holen, E-Mails zu checken und wieder zurück an den Ausgangsort zu fahren. Eine Tagestour und durchaus unnötig mit entsprechender Planung. Bring daher ausreichend Geld für deine Touren und mehrere Kreditkarten mit, da nicht jede Kreditkarte an jedem Bankautomaten funktioniert.

 

Beste Reisezeit Sumatra

Im tropischen Regenwald ist es das ganze Jahr über heiß und feucht. Daher gibt es auch keine ideale Jahreszeit, um ein Dschungel Trekking zu machen. Doch selbst in der Regenzeit regnet es normalerweise nur am späten Nachmittag nach 16 Uhr.

Dschungel_Trekking_(c)_Happybackpacker_de

 

Daher ist Bukit Lawang das ganze Jahr über gut zu bereisen und touristisch nicht überlaufen. Einzige Ausnahme ist der Hochsommer in der Zeit des Ramadan, insbesondere während der Idul-Fitri-Woche, in der viele einheimische Touristen den kleinen Ort bevölkern, und es deshalb ziemlich laut werden kann. Dasselbe gilt an Sonntagen.

 

Kosten für die Tour zu den Orang-Utans

Die Preise sind in den letzten Jahren extrem angestiegen. Mittlerweile kommst du auf einen Standardpreis von 450.000 IDR für einen Tagestrek inklusive Guides, Verpflegung, Tube-Rafting auf dem Bohorok Fluss und allen Permits. Das sind umgerecht rund 30 €.

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Wenn du dich für mehrtägige Touren entscheidest, wie zum Beispiel den 7-Tage-Trek in die Aceh-Region im Norden, hast du natürlich mehr Chancen Orang-Utans und andere wildlebende Tiere wie den seltenen Sumatra-Tiger zu sehen. Denn je länger die Tour, desto intensiver ist auch das Abenteuer-Gefühl und das Kennenlernen des Dschungels mit all seinen Bewohnern.

 

Das brauchst du auf deiner Dschungeltour/Packliste

Mach dich darauf gefasst, dass du im Dschungel nass und erschöpft sein wirst. Bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit erinnert dich das Ganze manchmal weniger an Spaß als vielmehr an einen höllisch-heißen Alptraum mit von deiner Haut dampfend-nassen Klamotten. Eine gewisse Grundfitness ist daher Voraussetzung für so eine Tour.

Packe zudem nur das Nötigste auf deinen Trip ein:

  • Festes Schuhwerk wie luftdurchlässige Turnschuhe
  • Regenmantel
  • Ggf. Tampons
  • Wasserdichte Schutztüten für deine Kamera und Batterien und ggf. Power Banks
  • Leichte und schnell trocknende T-Shirts und Cargopants
  • Badesachen
  • Sonnenhut
  • Sonnencreme
  • Mückenspray mit dem Wirkstoff DEET sowie Permethrin zur Behandlung deiner Bekleidung und Ausrüstung. Am besten kaufst du die Sprays in Medan, da sie in Deutschland wirklich teuer sind.
  • Deine Reiseapotheke mit Desinfektionsspray, Verbänden und Pflaster, antiseptische Cremes, Paracetamol und Ibuprofen
  • Taschenlampe

 

Nimm die Gefahren ernst!

Wandere niemals alleine in den Dschungel. Der Urwald ist kein heimischer Wald mit Pfaden, süßen Eichhörnchen und gut ausgeschilderten Wegweisern.

Gerade als ich mich in Bukit Lawang befand, war ein Deutscher mit seinem Baby in den Dschungel geflüchtet, um seine Gedanken zu ordnen und hatte sich in dem Dickicht des Urwaldes verlaufen. Nur unter großer Anteilnahme der Dorfbevölkerung und nach mehr als zwölf Stunden Suche wurde der Mann mit seinem Kind gefunden. Er hatte sehr großes Glück gehabt und ich schämte mich für seinen Größenwahn.

Mach dich daher unbedingt nur mit einem zertifizierten Guide auf den Weg in das große Unbekannte. Nicht lizenzierte Führer können dich durch mangelnde Kenntnisse über den Dschungel in Lebensgefahr bringen.

Bohorok_River_(c)_Happybackpacker_de

 

Beachte zudem Folgendes:

  • Marschiere nicht mit Schleppern oder großen Gruppen in den Urwald – auch wenn das vielleicht auf den ersten Blick günstiger erscheint. Bei der Bukit Lawang Guide Association sind rund 150 Guides registriert, aber nicht jeder hat dieselbe Erfahrung und Ausbildung.
  • Buche daher deinen Trekking-Trip über eine registrierte Website oder nach Ankunft in Bukit Lawang in einer der Unterkünfte.
  • Trekking-Preise in Bukit Lawang gelten alle für eine Mindestteilnehmerzahl von drei Personen. Single-Reisende sollten sich bei Preisabsprachen vor Ort immer vergewissern, dass die Mindestteilnehmerzahl gegeben ist.
  • Frage deinen Guide vor der Trekking-Tour nach seiner Genehmigung und lasse dir diese notfalls auch zeigen. Besonders weibliche Reisende sollten sich absichern.
  • Die Pfade im Dschungel und im Dorf können steil und rutschig sein. Passe daher immer gut auf beim Wandern.
  • Während der Tour immer schön viel trinken!
  • Jedoch: Trink kein Leitungswasser und auch kein Wasser aus dem Fluss. Nur in Flaschen oder gekocht sollte Wasser getrunken werden.
  • Halte ausreichend Sicherheitsabstand zu den Orang-Utans und anderen Tieren im Dschungel. Vergiss nie, dass es ihr Reich ist, und es sich um wilde Tiere handelt. Auch die niedlichen Orang-Utans können erhebliche Kräfte entwickeln, wenn sie sich in Gefahr wähnen. Das gilt besonders, wenn sie mit Nachwuchs unterwegs sind.
  • Wirf keinen Müll in den Dschungel und nimm alles, was du mitschleppst, auch wieder zurück ins Dorf.
  • Ruf keine Orang-Utans und füttere sie auch nicht.

Wenn du mehr zum Dschungel-Trekking in Indonesien lesen willst, schau einfach auf Anjas Blog vorbei.

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Hast du weitere Tipps für Trekking-Touren in den Dschungel?

 

 

Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 15. Januar 2015. Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2016.

Kommentare (4)

  1. Hi, spannende Story aus dem Urwald…
    Selbst fahre ich seit Jahren in Dschungelgebiete (auch auf Sumatra) und kann mir bei so einer Story natürlich nur an den Kopf fassen. Oky ich gehe oft auch allein oder mit meiner Freundin in den Wald (auch nachts aber nie weit) aber natürlich treffe ich diverse Vorkehrungen um so etwas zu vermeiden. Jedoch kann man auch dabei schon mal völlig falsch liegen, manchmal geht man 10 Minuten und weiß nicht mehr wo man herkam.. Wenn man zu zweit so etwas macht sollte man ff. Dinge beachten:
    1. Geht lieber mit Guide
    2. Wenn du doch mal 1-2 Stunden allein den Wald genießen möchtest (im Sinne von kurzem Spaziergang) markiere deinen eigenen Weg, bzw. die Trails auf denen du dich bewegst, z.B. mit Ästen, Blättern oder auffälligem Zeugs
    3. Achte immer auf den Stand der Sonne, sie hilft dir die ungefähre Richtung zurückzufinden (bewegt sich 15 Grad in der Stunde Richtung West.) Konzentriert Euch und beobachtet genau das Gelände, dafür ist man ja eh dort
    4. Nimm einen Kompaß mit, hab ich immer dabei und kann sehr hilfreich sein, aber nur wenn man ihn immer wieder benutzt und die Richtungswechsel im Auge behält
    5. Haltet euch immer an die meist ganz gut erkennbaren Wildpfade (hier Trails genannt), es wird ja keiner auf die Idee kommen sich durchs Unterholz zu schlagen, was kaum möglich ist.
    7. Ist man sich doch einmal nicht sicher wo man ist gilt ff. Regel:
    Eine Person bleibt an Ort und Stelle stehen, die zweite geht in der Umgebung umher bis er den letzten bekannten Punkt gefunden hat. Wichtig dabei immer in Rufweite bleiben, viele nehmen auch Trillerpfeifen mit in den Wald, denn verliert man sich auch noch selbst wirds richtig eng!
    Desweiterne würde ich auch für einen Spaziergang Kopflampen und Regencape und ausreichend Wasser mitnehmen. Unterm Strich bleibt aber der Rat es immer mit einem Guide zu machen, die eben genannten Regeln sind unsere eigenen und es gehört auch einige Erfahrung dazu dies alles umzusetzen. In der Nähe der Camps gibt es meist einige markierte Trails, solche kann man eigentlich auch ganz gut allein machen. Im übrigen haben wir uns auch schon 2 mal mit einem sehr ortskundigen Guide im Wald verlaufen, einmal benötigten wir 2 Stunden um den Weg wieder zu finden, man sieht also wie tückisch das alles ist. Falls mal alle Stränge reißen und ihr habt wirklich keine Ahnung mehr, bleibt ruhig und arbeitet in der 2’er Suchweise in versetzter Art und Weise.

  2. Toller, informativer Artikel. So eine Dschungeltour ist garantiert eine faszinierende (aber auch sehr anstrengende) Erfahrung. Einen kleinen Eindruck habe ich mal in Costa Rica bekommen – schon nach kurzer Zeit hatte ich wirklich keinen trockenen Faden mehr am Leib. Da bekommt man einen kleinen Vorgeschmack, wie es wohl ist, sich mehrere Tage in Urwald zu bewegen.
    Viele Grüße,
    Beatrice

  3. Nicht ganz passend zum Thema, aber: weiß jmd. wie man das nennt, wenn der Dschungel so dicht ist, dass man sich mit einem großen Messer durchkämpfen muss (kennt man aus Filmen)? Mir geht es nur um die Bezeichnung der Handlung bzw. des Werkzeugs/Messers, ich habe das nicht vor zu machen. Danke!!

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