Auf Tiger-Safari im Kanha Nationalpark

Einer der Höhepunkte meiner bisherigen Indien-Reisen war ein mehrtägiger Ausflug in den Kanha Nationalpark. Während der Jeep-Safaris sah ich unter anderem Tiger und einen Bären. Die wichtigsten Infos und eine Reihe Fotos habe ich nachfolgend für dich zusammengestellt.

Der Kanha Nationalpark liegt rund 180 Kilometer südöstlich von Jabalpur im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Er gehört mit einer Fläche von rund 2.000 Quadratkilometern zu den größten des Landes. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, hier einen Tiger in freier Wildbahn zu sehen, besonders groß. Da ich mit Tiersichtungen auf meinen bisherigen Reisen nicht immer Glück hatte, war ich gespannt, wie es mir hier ergehen würde.

Nachfolgend mein Erlebnisbericht. Infos zum Park habe ich am Ende des Artikels zusammengefasst.

 

Die Anreise in den Kanha Nationalpark

Nach einem kurzen Flug von Delhi werden wir am Flughafen in Jabalpur bereits vom Fahrer, den unser Hotel geschickt hat, erwartet. Vier Stunden geht es über enge Straßen und holprige Wege bis zur Kanha Jungle Lodge. Dort sind wir die kommenden beiden Nächte untergebracht. Wir werden freundlich empfangen und mit dem Ablauf der Safaris vertraut gemacht. Das Personal der Lodge hat bereits vor Monaten alles für uns gebucht. Das ist auch wichtig, denn die Zahl der Fahrzeuge, die pro Tag in den Nationalpark dürfen, ist streng limitiert.

 

Safari 1

Der Wecker klingelt uns am nächsten Morgen bereits um 4:45 Uhr aus dem Bett. Doch das Aufstehen fällt nicht schwer, denn die Vorfreude ist groß. Nach einem kleinen Snack sowie Kaffee und Tee sitzen wir um 5:30 Uhr im Jeep und fahren die wenigen Kilometer bis zum Park. Neben dem Fahrer begleitet uns auch noch ein Guide der Lodge. Er erklärt uns an beiden Tagen viel über die Tier- und Pflanzenwelt und hält dabei die Augen offen. Wir hätten so manches übersehen. Zudem steigt später noch ein Guide hinzu, der beim Nationalpark angestellt ist. Übrigens ist der Kanha Nationalpark der Einzige im Land, in dem es auch weibliche Guides gibt. Ein lobenswerter Ansatz, in Indien weitere Berufsfelder für Frauen zu öffnen.

Um 6:00 Uhr ist Einlass. Langsam wird es hell, und bereits nach wenigen Kilometern sehen wir die ersten Tiere. Einige Rehe und Hirsche grasen am Wegesrand, Vögel schauen aus den Bäumen auf uns herab, ein paar Pfaue überqueren die Straße. Derweil geht die Sonne auf und setzt den Park in ein nahezu magisches Licht. Bereits jetzt freue ich mich, hier zu sein.

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Wenig später sehen wir die ersten größeren Gruppen von Affen und einige Wildschweine. Wir fahren jedoch meistens schnell weiter. Für diese Tiere sei später noch Zeit, erfahren wir. Denn jetzt geht es auf die Suche nach Tigern, die frühmorgens besonders aktiv sind.

Kurz danach wird es spannend. Wir bremsen ab und sehen im Sand einige frische Spuren. Unsere Guides identifizieren diese eindeutig als Tigerabdrücke. Zudem sind Warnrufe der Affen oben in den Bäumen zu hören. Wir verhalten uns ganz still und starren in den Wald. Wir hören Geraschel, aber zu sehen ist nichts. Weitere Jeeps halten neben uns.

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Nachdem längere Zeit nichts mehr zu hören war, geht es zu einem Ort, an dem gestern ein Tiger gesehen wurde. Unterwegs treffen wir immer wieder auf andere Fahrzeuge. Die Insassen stehen auf den Sitzen und schauen durch ihre Ferngläser, doch auch hier keine Erfolgsmeldung.

So geht es eine ganze Zeit weiter, doch einen Tiger sehen wir an diesem Vormittag nicht. Dafür jede Menge andere Tiere. Eine Gruppe Wildschweine kreuzt vor uns den Weg, bunte Vögel sitzen in den Baumwipfeln. Und immer wieder Rehe, Hirsche, Rinder. Als wir der Mittagshitze entfliehen und zurück zur Lodge fahren, ist die Stimmung positiv.

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Um 15 Uhr geht es wieder los. Dieses Mal in einen anderen Teil des Parks, in höher gelegene Regionen. Dabei bekomme ich einen Eindruck, wie riesig der Kanha Nationalpark ist. Grün so weit das Auge reicht.

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Beeindruckend sind auch die vielen unbekannten Geräusche, die aus den Wäldern zu vernehmen sind. Wie bereits am Vormittag macht es wieder großen Spaß. Wir sehen viele Tiere – jedoch keinen Tiger.

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Auf dem Rückweg fahren wir noch ein letztes Mal an einem Aussichtspunkt vorbei, an dem wir bereits am Vormittag auf der Lauer gelegen haben. Dort geht eine breite Schneise durch den Wald. Auch einige andere Jeeps haben sich bereits in Position gebracht. Wieder sind die Warnrufe der Affen zu hören.

Und dann passiert es. Etwa 50 Meter entfernt kommt ein Tiger aus dem Wald und legt sich ins Gras. Nur für eine halbe Minute, bevor er zur anderen Seite davontrottet. Ein Raunen ist zu hören. Die Menschen in den Fahrzeugen sind ergriffen. Ich auch.

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Kurz danach fahren die meisten Jeeps davon, denn der Park schließt bald. Nur wir bleiben noch einen kleinen Moment und fahren ein Stück den Weg entlang, schalten den Motor ab und lauschen. Wir hören ihn im Unterholz. Er ist ganz nah. Wird er etwa vor uns die Straße überqueren?

Nein, denn kurz danach ist es ruhig. Hat er sich hingesetzt? Wir können nicht länger warten. Für Verspätungen erhalten Fahrer und Guides hohe Strafen von der Parkverwaltung. Das war es wohl für heute.

Ich will gerade die Kamera wegpacken, als wir um die nächste Kurve fahren und stark bremsen müssen. Vor uns auf der Straße sitzt ein Bär! Mir fehlen die Worte.

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Langsam steht er auf und trottet vor uns die Straße entlang. Wir haben ihn ganz für uns alleine. Es ist traumhaft. Allerdings dürfen wir aus genannten Gründen auch hier nicht viel Zeit verlieren und begeben uns auf den Weg Richtung Ausgang. Die 50 Affen auf dem Weg zu einer Wasserstelle nehmen wir gar nicht mehr richtig wahr. Sehr glücklich kommen wir zur Lodge zurück.

 

Safari 3

4:45 Uhr am nächsten Morgen, dasselbe Spiel, dieselbe Vorfreude. Dieses Mal gönnen wir uns die Premium Zone des Nationalparks. Hier ist der Eintritt etwas höher. Und die Anreise ist ein wenig länger, weil es viel weiter in den Park hineingeht. Entlang des Weges dieselben beeindruckenden Bilder wie am Vortag.

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Die Landschaft in der Premium Zone ist noch schöner, die Bewohner in etwa die gleichen. Wieder liegen wir auf der Lauer, hören Geräusche, sehen Äste, die sich bewegen. Die Spannung steigt, doch der Tiger zeigt sich nicht. Hier an dieser Stelle hat er gestern einen Affen gefressen.

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Wir suchen weiter und kehren später an denselben Ort zurück. Zehn Jeeps stehen hier, alle Insassen schauen auf eine Stelle. Der Tiger liegt etwa 80 Meter entfernt im Schatten unter einem Baum. Aktuell ist er nicht zu sehen. Wir warten, doch nichts tut sich. Als wir schon weiterfahren wollen, hebt er plötzlich seinen Kopf. Wieder ist ein Raunen aus den Jeeps zu vernehmen. Und ein enttäuschtes »oh«, als er ihn nach einer halben Minute wieder senkt. Wir werden ihn auch nicht mehr zu Gesicht bekommen.

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Dafür laufen auf dem Rückweg zwei Schakale ganz nah an unserem Fahrzeug vorbei. Zudem sehen wir zwei Adler. Anschließend geht es zurück zur Lodge.

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Fazit

Es war traumhaft schön. Schade, dass wir nur drei Safaris gebucht haben. Aber es waren bestimmt nicht die Letzten. Der Kanha Nationalpark hat auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht. Gerade weil es hier strenge Regeln zum Schutz der Tiere gibt, und diese auch überwacht werden.

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Wenn du hier hinkommst, solltest du dich trotz der guten Chancen nicht darauf versteifen, unbedingten einen Tiger zu sehen. Sonst kannst du die vielen anderen tollen Eindrücke, die auf dich warten, nicht richtig würdigen. Wenn der Tiger 15 Meter vor dir im hohen Gras liegt, siehst du ihn nicht. Obwohl du so nah dran bist. Deshalb genieße einfach jede Minute, die du in dieser tollen Natur verbringen kannst.

 

Daten und Fakten zum Kanha Nationalpark

Kosten:
Die Preise sind unter anderem abhängig von der Zone, in die du fahren möchtest. Wir haben für zwei Personen und insgesamt drei Safaris, davon eine in die Kanha Premium Zone, ungefähr 200,- Euro bezahlt. Du solltest bei der Buchung abklären, mit wie vielen Leuten du im Jeep sitzt.

Die Zonen:
Der Park ist in fünf Zonen unterteilt, in vier davon dürfen Besucher. Die Kanha Jungle Lodge, in der ich gewohnt habe, befindet sich am Eingang zur Mukki-Zone, und von diesem Eingang kannst du die Kisli, Sarhi und Kanha (Premium) Zone erreichen. Pro Safari kann nur eine Zone besucht werden.

Öffnungszeiten des Parks:
Der Kanha Nationalpark ist von Juli bis Mitte Oktober geschlossen. In den anderen Monaten sind zwei Safaris pro Tag möglich. Die Erste zum Sonnenaufgang. Diese geht bis etwa 11/12 Uhr. Die Zweite am Nachmittag, ab ca. 15/16 Uhr bis zum Sonnenuntergang. Die genauen Öffnungszeiten erfährst du auf der Homepage des Kanha Nationalparks. Allerdings sind kurzfristige Änderungen möglich. Die Betreiber der Lodges wissen darüber Bescheid.

Wichtig: Pro Tag dürfen nur 140 Fahrzeuge in den Park. Jeweils 70 am Vor- und am Nachmittag. Daher solltest du frühzeitig buchen, am besten bis 90 Tage vor deiner Ankunft.

Unterkünfte:
Ich habe in der Kanha Junge Lodge gewohnt und dazu eine Bewertung geschrieben. In der Nachbarschaft befinden sich noch einige weitere Unterkünfte.

 

Hast du schon mal eine Safari in Indien gemacht?

Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 12. April 2014. Zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2016.

Kommentare (3)

  1. Wow! Ich hatte letztes Jahr leider nicht so viel Glück und konnte lediglich die Fußspuren von einem Tiger sehen haha!

  2. Über Kanha haben wir auch schon nachgedacht, aber jetzt haben wir auch richtig Lust bekommen, dahin zu fahren. Werden wir uns wohl in den nächsten Tagen mal drum kümmern müssen. Hätte aber nicht gedacht, dass man so frühzeitig buchen muss und dass es so teuer ist. Aber so wie es in dem Artikel klingt, fließt ja auch ein großer Teil davon in den Schutz der Tiere, oder?

    • Meine Eindrücke vom Nationalpark waren sehr positiv. Auch die strengen Regeln mit begrenzter Zahl PKWs pro Tag finde ich super.

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