Bandar Seri Begawan: das etwas andere Südostasien

Wo liegt eigentlich Brunei? Nein, nicht irgendwo am Persischen Golf. Wer das Sultanat in der Nachbarschaft von Katar und Bahrain vermutet, liegt falsch. In Wahrheit handelt es um einen kleinen Staat auf der malaysischen Seite der Insel Borneo.

Bruneis knapp 400.000 Einwohner leben auf einer Fläche von 5.770 Quadratkilometern. Wer Saarland-Vergleiche liebt, dem sei gesagt, dass Brunei etwa doppelt so groß ist. Allerdings heißt der Regierungschef hier nicht einfach Annegret Kramp-Karrenbauer oder Oscar Lafontaine, sondern Hassan al-Bolkiah, mit komplettem Namen Kebawah Duli Yang Maha Mulia Paduka Seri Baginda Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu’izzaddin Waddaulah Ibni Almarhum Sultan Omar Ali Saifuddien Sa’adul Khairi Waddien.

Er ist nicht bloß Staatsoberhaupt, Premier-, Verteidigungs- und Finanzminister, sondern zugleich der 29. Sultan von Brunei, einem Land mit hohen Öl- und Gasvorkommen. Der Monarch gehört mit einem Vermögen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Menschen der Welt. Und er besitzt den weltweit größten Palast mit unglaublichen 1.800 Zimmern. Leider ist der Prachtbau für die Öffentlichkeit nur selten zugänglich. Aber auch sonst gibt es in Brunei viel zu sehen.

 

Anreise mit dem Boot

Nach der Schiffsfahrt von Kota Kinabalu mit Zwischenstopp in Labuan, einer von mehreren zollfreien Inseln Malaysias, erreichen wir die bruneiische Hafenstadt Muara. Die Einreise läuft unkompliziert und wir werden freundlich begrüßt. Ein Taxi bringt uns in die Hauptstadt Bruneis – nach Bandar Seri Begawan – eines der nicht ganz alltäglichen Ziele beim Backpacking in Südostasien.

Die Innenstadt von Bandar Seri Begawan

Sultan Hassan al-Bolkiah

Entgegen den Erfahrungen aus anderen asiatischen Städten ist hier alles sauber, der Straßenverkehr gesittet und unspektakulär. Die Autofahrer stoppen sogar, um uns über die Straße zu lassen.

Das Zentrum von Bandar Seri Begawan wirkt überschaubar und viele Sehenswürdigkeiten und Museen liegen nah beieinander. Auf den wenig befahrenen Straßen ist es leicht, sich zu orientieren. Es gibt ein paar Restaurants und kleine Geschäfte sowie eine Shopping-Mal. Überall hängen Bilder vom Sultan, der auf den Plakaten freundlich lächelt.

Eine Promenade führt am Fluss Sungai Kedayan entlang und auf dem Kanal neben dem Marktplatz bieten Bootsfahrer ihre Dienste für Ausflüge an.

„Where do you come from?”
„From Germany”
„Ah, Germany. Bum, Bum, Boris Becker”

Wir müssen lachen. Normalerweise sind es die Namen Ballack oder Schumacher, die freudestrahlend verkündet werden, wenn wir erwähnen, aus welchem Teil der Welt wir kommen. Doch in Brunei scheint der ehemalige Tennisstar noch einen gewissen Ruhm zu genießen. Nach dem das geklärt ist, einigen wir uns schnell über den Preis für die Tour und lassen den Tag in einem Restaurant ausklingen.

 

Sehenswürdigkeiten in Banda Seri Begwawn

Hier einige Dinge, die du in Bruneis Hauptstadt machen kannst.

 

1.) Seltene Nasenaffen im Mangrovenwald

Der nächste Morgen beginnt früh. Bereits um 7:30 Uhr sitzen wir bei Bum-Bum-Boris im gecharterten Motorboot und rasen über den Sungai Kedayan. Das Wetter ist fantastisch. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, und die Temperaturen sind um diese Uhrzeit noch angenehm.

Sungai Kedayan

Bootsfahrt auf dem Sungai Kedayan

Auf der rechten Seite sehen wir die Omar-Ali-Saifuddin-Moschee und den Königspalast, auf der linken die auf Stelzen gebauten Siedlungen. Doch bereits nach kurzer Zeit sind wir nur noch von Natur umgeben.

In den Mangrovenwäldern starren wir auf die Baumwipfel, auf der Suche nach dem seltenen Nasenaffen, den es weltweit nur auf Borneo gibt. Wie der Name unschwer erkennen lässt, ist die große, gurkenförmige Nase das Hauptmerkmal dieser Art.

Mangrovenwald bei Bandar Seri Begawan

Mangrovenwald in der Nähe von Bandar Seri Begawan

Bereits nach kurzer Zeit werden wir fündig. Einer sitzt links oben im Geäst, zwei weitere rechts im Gebüsch. Auch auf 30 Meter Entfernung sind die hervorstehenden Nasen gut sichtbar. Wir beobachten die Affen einige Minuten bei ihren Kletterkünsten und fahren dann weiter. Wenig später treffen wir auf eine zweite Gruppe. Ein Moment zum Genießen. Es herrscht absolute Stille, die Bäume am Ufer erstrahlen im kräftigen Grün. Dabei sind wir nur 20 Bootsminuten vom Zentrum der Hauptstadt entfernt. Und ganz weit von Zuhause.

Nasenaffen gibt es nur auf Borneo

Nasenaffen gibt es nur auf Borneo

Brunei Nasenaffe

Bandar Seri Begawan Nasenaffe

 

2.) Das Stelzendorf Kampong Ayer

Anschließend schippern wir durch ein auf Pfählen gebautes Wasserdorf mit rund 30.000 Einwohnern. Die Häuser von Kampong Ayer sind zum Teil über Stege miteinander verbunden. Hauptsächlich werden jedoch Boote zur Fortbewegung genutzt. Mit ihnen bringen die Eltern die Kinder zur Schule und erledigen Einkäufe. Auch Feuerwache, Moschee und Geschäfte befinden sich auf dem Wasser.

Leben auf dem Wasser in Kampong Ayer

Leben auf dem Wasser in Kampong Ayer

Kampong Ayer

Kampong Ayer bei Bandar Seri Begawan

Moschee in Kampong Ayer

Nach etwa zwei Stunden liefert uns der nette Bootsfahrer wieder am Ausgangspunkt ab.

 

3.) Zu Gast in der Omar-Ali-Saifuddin-Moschee

Gegen Mittag ist es so heiß, dass wir uns an ein schattiges Plätzchen zurückziehen. Als die Temperaturen am Nachmittag sinken, gehen wir uns zur Omar-Ali-Saifuddin-Moschee, die als die schönste des Landes gilt.

Die Erwartungen werden erfüllt, denn der Anblick ist beeindruckend. Und das nicht nur von außen. Nachdem wir schwarze Gewänder übergezogen haben, dürfen wir nämlich rein und uns den hohen Kuppelbau von innen anschauen.

Omar-Ali-Saifuddin-Moschee

Malerisch: Die Omar-Ali-Saifuddin-Moschee

Omar-Ali-Saifuddin-Moschee

Omar-Ali-Saifuddin-Moschee

 

4.) Winter im Museum

Am nächsten Tag steht vor der Weiterreise noch die Besichtigung des königlichen Regalienmuseums an. Das lohnt sich, denn bei freiem Eintritt wird allerhand geboten. Neben Informationen und Dokumenten zur Staatsgründung gibt es wertvolle Schwerter, Uniformen und Münzen zu sehen. Darüber hinaus werden Fotos und Videos aus dem Königspalast gezeigt und Geschenke von Staatsbesuchen ausgestellt.

Wir halten es nur etwa eine Stunde im Museum aus. Zutritt ist nämlich nur barfuß möglich und die Temperatur im Inneren bewegt sich dank Klimaanlage – zumindest gefühlt – rund um den Gefrierpunkt.

Nachdem wir unsere Rucksäcke abgeholt haben, geht es zum Busbahnhof. Der Flughafen-Bus, der eigentlich schon abgefahren war, hält extra noch einmal an, als der Fahrer uns kommen sieht. Überhaupt sind die Menschen hier sehr freundlich. Brunei wird uns in guter Erinnerung bleiben. Für ein paar Tage lohnt sich ein Zwischenstopp in Brunei in jedem Fall.

 

3 Tipps zu Bandar Seri Begawan

  1. Es gibt kaum günstige Unterkünfte in Bruneis Hauptstadt. Daher bietet sich für Reisende mit niedrigem Budget die Jugendherberge Pusat Belia an. Die Zimmer sind etwas muffig, haben dafür aber eine Klimaanlage. Männer und Frauen schlafen in getrennten Bereichen! Die Jugendherberge hat ein Schwimmbad, das für kleines Geld genutzt werden kann. Ansonsten findest du einen Überblick über die Hotels auf den Seiten von Agoda* und Booking*.
  2. Der Brunei-Dollar ist im Verhältnis 1:1 an den Singapur-Dollar gekoppelt. Daher kann in Brunei mit Geld aus Singapur bezahlt werden. Umgekehrt funktioniert das übrigens auch.
  3. Verkauf von Alkohol ist in Brunei nicht erlaubt. Einfuhr ist für Touristen nur in geringen Mengen erlaubt.

Kampong_Ayer

Kampong Ayer

Der Königspallast in Bandar Seri Begawan

Der Königspallast in Bandar Seri Begawan

Flussufer in Bandar Seri Begawan

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Warst du schon mal in Brunei?


 

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Ich bin Stefan. Seit 2006 ist Südostasien zu meiner zweiten Heimat geworden, seit 2013 berichte ich über die schönsten Ziele auf diesem Blog. Mehr über mich erfährst du hier. Du willst nichts verpassen? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram.

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Veröffentlicht von Stefan Diener am 9. Mai 2013. Zuletzt aktualisiert am 27. Januar 2016.

Kommentare (2)

  1. Schöner Bericht und tolle Bilder. Im Januar geht es nach Malaysia. Mal schauen, ob die Zeit für einen Abstecher nach Brunei reicht.

  2. Vorsicht, andersdenkende werden dort gesteinigt!

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